Bayerische U14 Mädchenmannschaftsmeisterschaft 2012

Posted by Sebastian in Jugend 11/12 | Kommentare deaktiviert für Bayerische U14 Mädchenmannschaftsmeisterschaft 2012

Zum ersten Mal nahm unser Verein an den Bayerischen U14 Mädchenmannschaftsmeisterschaften teil und das gleich mit zwei Teams. Damit gab es ein Rekordteilnehmerfeld obwohl der SV Seubelsdorf leider krankheitsbedingt absagen musste. Da bei den Mädchen pro Mannschaft eine Gastspielerin aus einem anderen Verein zugelassen ist, verstärkte die Bayerische U12 Vizemeisterin Marie Oberhofer vom SC Bavaria Regensburg unser Team Neumarkt I, das somit in der Aufstellung Eva Schilay, Marie Oberhofer, Maria Schilay und Fabienne Held an den Start ging. Neumarkt II konnte aufgrund zweier Ausfälle leider nur zu Dritt in Person von Katharina Ehrensberger, Anna Heidner und Eva Schrödl antreten.

Klarer Favorit auf den Titel war der SK 1929 Mainaschaff und der Ausrichter SC Bechhofen sowie der SV Ilmmünster waren heiße Podiumskandidaten, wobei Ilmmünster aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalles mit nur drei Spielerinnen antreten konnte. Unserer Ersten war an einem guten Tag durchaus zuzutrauen im Kampf um Rang drei ein Wörtchen mitsprechen zu können. Da das Team aber zu den jüngeren zählt (Schnitt 9,5 Jahre) und noch zwei weitere Jahre in derselben Bestzung spielen kann wurde für die Premiere kein konkretes Ziel ausgegeben, denn Podestplätze werden ja auch 2013 vergeben. Klar war dagegen, dass es für unser zweites Team ob der starken Konkurrenz sehr schwer werden würde und es hauptsächlich darum ging Erfahrung zu sammeln.


In der ersten Runde kam es zum vereinsinternen Duell, das unsere Erste natürlich als deutlichen Favoriten sah. Eva und Maria kamen schnell in Vorteil und brachten diesen sicher nach Hause. Dafür hielt Anna gegen Marie lange sehr gut mit, musste sich nach hartem Kampf dann aber doch geschlagen geben.

Gegen den SK Gräfelfing wäre für unsere Zweite mehr drin gewesen als das Ergebnis aussagt. Insbesondere die Partie von Eva Schrödl gegen Vitalia Khamenya verlief kurios. Vitalia war im Angriff und hatte bereits ein Matt in zwei auf dem Brett, schlug dann aber einen unbedeutenden Bauern. Da ihr König aber selbst offen im Feuer der gegnerischen Figuren stand, hatte nun Eva die Möglichkeit Matt in drei zu setzen. Sie gab die beiden vorbereitenden Schächer, nutzte dann aber die Gunst der Stunde nicht, sondern bereitete ein anderes einzügiges Matt vor. Das Problem dabei war nur, dass nun wiederum Vitalia zwischen mehreren Mattmöglichkeiten auswählen konnte. Abermals wurde die Gelegenheit nicht beim Schopfe gepackt und nun kam es zum Damentausch und zur ungewöhnlichen Situation, dass gleich drei weiße Figuren hingen! Leider ließ Eva auch diese Chance ungenutzt und anstatt eines Endspiels mit Mehrfigur kam eines mit Minusturm heraus und das ließ sich Vitalia nicht mehr nehmen.

Die Erste bekam es mit dem SC Bechhofen zu tun, der an dei Brettern favorisiert war. Und es ging auch ganz schlecht los, da sich Maria und Fabienne beinahe synchron auf f7 bzw. f2 reinschlagen ließen und fortan einen Turm weniger hatten. Fabienne büßte später noch einen Springer ein und trotzdem schaffte sie das Kunststück mit T+S weniger auf Gewinn zu stehen. Die Gegnerin hatte nämlich außer L+S noch alle Figuren auf der Grundreihe, den König in der Mitte und viele Löcher davor. Ein Abzugsschach hätte die Dame eingebracht und auch danach gab es eine Schlagmöglichkeit bei der Matt oder großer Materialgewinn die Folge gewesen wären. Leider spielte Fabienne nicht direkt genug und als die Gegnerin endlich die Figuren ins Spiel brachte wog der materielle Nachteil natürlich zu schwer. Auch Maria konnte erwartungsgemäß der Partie keine Wende mehr geben, auch wenn ein möglicher Figurengewinn die Sache vielleicht nochmal hätte spannend machen können. Marie stand zwar leicht besser, hatte aber viel mehr Bedenkzeit verbraucht als ihre Kontrahentin (nicht das letzte Mal an diesem Tag…) und befand sich mit weniger als einer Minute gegen 14 auf der Verliererstraße. Doch die Gegnerin ließ sich verleiten in einem Scharmützel mitzublitzen und plötzlich war die Grundreihe ungedeckt und Marie setzte matt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Eva jedoch schon eine Figur weniger und musste sich zum 1:3 geschlagen geben.

Nach der Mittagspause hatte Team I spielfrei und Team II musste gegen Bechhofen ran. Eva spielte in der Eröffnung zu zaghaft, ansonsten hätte sie leichte Vorteile gehabt. Am Ende war es erwartungsgemäß eine klare Sache für den Favoriten, was auch in der folgenden Runde gegen Mainaschaff nicht anders war. Spannend verlief dagegen der Kampf unserer Ersten gegen Ilmmünster. Man führte ja bereits kampflos 1:0 und sowohl Eva als auch Maria hatten eine Mehrfigur. Maria baute diesen Vorteil auf einen ganzen Turm aus und setzte ihre nominell deutlich stärkere Gegnerin zur Begeisterung der Zuschauer zielgerichtet matt. Eva dagegen hatte ihren Vorteil wieder hergeben müssen und mittlerweile einen Bauern weniger. Marie war in schwieriger Stellung nahe der Minutengrenze und diesmal behielt die Gegnerin die Übersicht, tauschte die Schwerfiguren und setzte auf ihr Freibauernpaar. Letztlich ging Marie die Zeit aus, die Stellung wäre aber auch so nicht mehr zu halten gewesen. Eva strapazierte derweil die Nerven der Trainer gewaltig, da sie auch bei drei gegen fünf Minuten in übersichtlicher Stellung für jeden Zug mindestens 20 Sekunden investierte. So machte sie es ihrere Gegnerin leicht die vorteilhafte Stellung runterzuspielen, nicht in die aufgestellte Mattfalle zu tappen und am Ende auf Zeit zu gewinnen. Dennoch war das 2:2 ein Big Point im Kampf um Rang drei, da sich nun ganz neue Möglichkeiten auftaten. Zwei Siege aus den letzten drei Runden würden reichen und man traf noch auf Gräfelfing und Vaterstetten, wo man jeweils favorisiert war.

Während Team II in der fünften Runde spielfrei hatte, ging es für die Erste gegen den SK Gräfelfing im direkten Duell um das Podium. Doch zu unserem Entsetzen lieferten unsere Mädels ausgerechnet jetzt ihren bis dato schwächsten Kampf ab. Maria schlug völlig unnötig auf f7 und spielte fortan mit einer Figur weniger. Zwar stellte die Gegnerin diese wieder zurück, doch Maria zeigte sich spendierfreudig und gab erneut eine her. Allerdings hatten wenig später beide nur noch einen Turm, die verbundenen Freibauern am Königsflügel spachen jedoch für die Gegnerin. Anstatt diese aber gleich nach vorne zu bewegen, schlug sie erstmal einen Bauern und nun marschierte Maria mit ihrem Zentrumsbauern bis auf die siebte Reihe. Die drohende Umwandlung wurde mit dem Turm verhindert und nun der eigene Freibauer auf die zweite Reihe gezogen. Nun hätte Maria den Turm auf die Grundreihe ziehen müssen und dann erst mit Hilfe des Königs den eigenen Bauern umwandeln sollen, dann hätte die Gegnerin ihren Turm opfern müssen. Doch Maria zog gleich den König nach vorne und nun opferte die Gegnerin ihren Turm gleich und konnte danach umwandeln. Daraufhin war nichts mehr zu machen und da auch Fabienne inzwischen verloren hatte, lagen die Hoffnungen nun auf den vorderen Brettern. Eva hatte lang rochiert, die Gegnerin kurz und eigentlich hätte Eva in Angriff kommen sollen, doch aus irgendeinem Grund gelangte die schwarze Dame nach b2 und Eva musste mit ihrem König nach d2 fliehen. Dennoch hatte Eva die offene h-Linie und die Dame zielte nach h7, so dass man den schwarzen König nach e7 hätte treiben können und noch alles offen gewesen wäre. Als aber die Gegnerin c2 ein zweites Mal Angriff, deckte Eva diesen wichtigen Punkt nicht was sie beide Türme kostete. Wenigstens konnte Marie ihre vorteilhafte Stellung verwerten und setzte mit elf Sekunden auf der Uhr matt.

Nach dieser enttäuschenden Niederlage war man im Prinzip raus aus dem Kampf um Rang drei, denn nun ging es gegen den Topfavoriten Mainaschaff, der bis dato erst 1,5 Brettpunkte abgegeben hatte und an jedem Brett deutlich favorisiert war. Doch anscheinend haben sich unsere Mädels meine flapsige Formulierung („jetzt müsst ihr halt gegen Mainaschaff gewinnen“) zu Herzen genommen, denn im Vergleich zur Runde davor waren sie nicht wiederzuerkennen und ich begann mich schon ein wenig zu ärgern (warum jetzt und nicht im wichtigen Kampf zuvor???). Denn fairerweise muss man sagen, dass es zunächst trotzdem nach einer Niederlage aussah. Eva geriet gegen das schottische Gambit gehörig unter Druck und wählte ein zweifelhaftes Figurenopfer bei dem ich jede Wette angenommen hätte, dass Schwarz das nicht lange überlebt. Marie stand etwas gedrückt und Maria hätte eigentlich eine Figur verloren, da sie in typischer Manier einen Angriff auf ihre Figur ignorierte und stattdessen per Zwischenzug einen Gegenangriff startete. Allerdings hätte in dieser Variante auch die Gegnerin einen Zwischenzug gehabt und dann wären zwei Figuren gehangen. Fabienne zeigte ihre beste Partie und hatte nichts weniger, allerdings machten ihre zwei Doppelbauerisolani keine gute Figur. Doch aus dem Nichts bekam Fabienne dank der halboffenen f-Linie aktives Spiel und Druck auf f7. Eva bekam inzwischen die Möglichkeit auf f2 reinzuschlagen und hatte mittlerweile einen Turm für zwei Figuren in unübersichtlicher Stellung. Maria trumpfte groß auf: sie nutzte die Kontrolle der f-Linie zu einem Reinschlag auf f2 mit folgendem Qualitätsgewinn und stand nun auf Gewinn. Und da auch Marie´s Gegnerin mittlerweile eine Figur eingestellt hatte roch es langsam nach dem ersten Punktverlust des Favoriten. Fabienne hatte indes zu zaghaft agiert und dadurch konnte die Gegnerin den lästigen Läufer auf a2 einsperren und ihrerseits aktiv werden. In der Folge brachte Fabienne ihren Läufer wieder zurück ins Spiel hatte aber stellenweise bis zu drei Bauern weniger. Am Ende blieb der Gegnerin im Turmendspiel nur einer übrig, aber der erreichte das Umwandlungsfeld und entschied somit die Partie. Dafür hatte Marie im Leichtfigurenendspiel ihren Vorteil souverän verwertet und zum 1:1 ausgeglichen. In Eva´s Partie hat sich die Gegnerin (immerhin die Bayerische Nummer 1 in der U14w) richtigerweise auf keine weiteren Verwicklungen eingelassen und zwei Figuren für einen Turm zurückgeopfert um den eingesperrten schwarzen Springer auf h1 mit dem König abholen zu können. Jetzt hätte sie nur noch den Sb1 entwickeln müssen und das Endspiel wäre problemlos gewonnen gewesen. Doch unverständlicherweise blieb der Springer weiterhin auf b1 und Eva konnte nun ihren Turm auf die Grundreihe ziehen, den Springer fesseln und mit ihrem d-Bauern vormarschieren. Diesen musste die Gegnerin auf d2 mit dem Springer schlagen, wodurch Eva den Turm auf a1 einheimsen konnte. Das Endspiel ließ sich Eva nicht mehr nehmen, opferte auch schön die Qualität zur Vereinfachung der Stellung und gewann mit den verbliebenen Freibauern. Maria hatte derweil neben der offenen f-Linie einen Sargnagel in Form eines Bauers auf g3 stehen und es gab keine Verteidigung gegen die Drohung Dh4/h5 nebst Dh2 matt. Das sah auch die Gegnerin und verzweifelte sichtbar. Nach über sieben Minuten entschloss sie sich dann doch weiterzuspielen und überraschenderweise hatte Maria das Matt noch nicht erspäht und verfolgte andere Angriffspläne. Dies hätte die Gegnerin beinahe nochmal zurück ins Spiel gebracht, doch auch dann wäre es mit einer Minute gegen deren sieben bei Maria eher ausweglos gewesen. So kam es zum Damentausch, Maria zog beide Türme auf die zweite Reihe, brachte den Springer zur Unterstützung des Matts in Position und angesichts der bereits ausgelaufenen Bedenkzeit und des unvermeidbaren Matts gab die Gegnerin auf. Damit hatten wir den großen Favoriten sensationell mit 3:1 bezwungen und nun beste Chancen mit einem abschließenden Sieg gegen Vaterstetten den dritten Platz zu sichern.

Vaterstetten hatte in der vorletzten Runde gegen unsere Zweite den ersten Sieg eingefahren und ging als Außenseiter in das Duell mit der Ersten. Aber der Tag hat ja gezeigt, dass das überhaupt nichts heißen muss und es wurde natürlich spannender als es unsere Nerven eigentlich vertragen… Denn ausgerechnet jetzt ließ sich Fabienne vom schnellen Zugtempo ihrer Gegnerin anstecken mit der Konsequenz, dass sie nach drei Minuten völlig unnötig matt gesetzt wurde. Erschwerend kam hinzu, dass Eva und Marie jeweils einen Bauern weniger hatten. Dafür stand Maria besser undf eroberte bald eine Figur, aber wir mussten ja gewinnen und vorne tippte ich eher auf zwei Remis, denn der jeweilige Minusbauer blieb bei beiden bestehen. Doch dann kam die erhoffte Wende: die Gegnerin von Marie nahm im Turmendspiel einen zweiten Bauern, vernachlässigte aber ihre Grundreihe und somit kam Marie zum zweiten Mal zum Grundreihenmatt. Eva hatte aktives Figurenspiel und war im Angriff, so dass ihre Gegnerin ein Remisgebot annahm. Nun musste Maria ihre überlegene Stellung nur noch gewinnen, was sie gewohnt unaufgeregt erledigte. Nach dem Matt war die Freude bei unseren Mädels natürlich riesengroß, denn durch den 2,5:1,5 Sieg war der dritte Platz amtlich!

Den Titel sicherte sich trotz der mittelfränkischen Schützenhilfe der SK Mainaschaff. Diese haben nach der Niederlage gegen uns im Stile eines Champions zurückgeschlagen und den direkten Konkurrenten Bechhofen durch ein 4:0 in der letzten Runde wieder auf Rang zwei verdrängt. Auf Platz vier landete punktgleich mit uns der SV Ilmmünster, die trotz des Ausfalles ihres vierten Brettes nur um einen Brettpunkt das Podest verpassten. Ohne das Handicap hätte es bestimmt für das Podium gereicht. Dahinter klassierten sich Gräfelfing, Vaterstetten und unsere Zweite, die heute noch viel Lehrgeld zahlen musste.

War der dritte Rang für unser Team schon ein sensationeller Erfolg, kommt das Sahnehäubchen noch obendrauf. Da Bechhofen auf die U20w setzt und von seinem Qualifikationsrecht nicht Gebrauch machen wird, haben wir uns für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Dezember qualifiziert, etwas was noch nie zuvor einer Neumarkter Mannschaft gelungen ist!

Was die Einzelbilanzen angeht hatte Marie mit 5/6 das beste Ergebnis und war damit auch beste Spielerin an Brett 2. Nervenschonend sind ihre Partien nicht, hatte sie doch jedesmal bis zu zehn Minuten weniger auf der Uhr. Allerdings setzt sie auch in Zeitnot die Gegnerinnen unter Druck und nutzt die gebotenen Chancen eiskalt aus. Eva bekam es am Spitzenbrett natürlich mit starken Gegnerinnen zu tun, dennoch wäre sogar noch mehr drin gewesen als die 2,5 Punkte. Stark war natürlich der wichtige Sieg gegen die nominell beste bayerische U14 Spielerin Pauline Schnepper. Bei Maria war es wie immer phänomenal sie am Brett zu beobachten, v.a. wenn man bedenkt dass sie erst 7 Jahre alt ist. Vier Siege sind eine herausragende Bilanz und besonders die Erfolge über zwei nominell deutlich stärkere Spielerinnen waren Highlights. Hervorzuheben ist auch dass Maria in den Runden 6 und 7 mit jeweils 45 Minuten die längste Partie spielte. Fabienne ließ leider zwei große Chancen ungenutzt: einmal spielte sie zu schnell, das andere Mal nicht aggressiv genug.

Katharina hatte am Spitzenbrett gegen Bayerns beste Spielerinnen natürlich einen schweren Stand, aber eine musste halt ganz vorne spielen. Auch Anna und Eva bekamen es durchweg mit turniererfahreneren Gegnerinnen zu tun, hielten streckenweise gut mit, nutzten aber die sich bietenden Gelegenheiten noch nicht. Dass sie sich im Gegensatz zu anderen überhaupt dem Wettkampf stellten, ist ihnen hoch anzurechnen und der Spaß soll ja im Vordergrund stehen.

Ergebnisse

Bericht beim SC Bechhofen

Bericht bei Neumarkt Online

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