{"id":11479,"date":"2020-08-31T07:53:47","date_gmt":"2020-08-31T07:53:47","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfgang-kipferl.de\/sch_aktuell_blog\/?p=11479"},"modified":"2020-08-31T21:40:07","modified_gmt":"2020-08-31T21:40:07","slug":"fide-online-olympiade-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfgang-kipferl.de\/sch_aktuell_blog\/?p=11479","title":{"rendered":"FIDE Online Olympiade 2020"},"content":{"rendered":"<p>Die Schacholympiade ist eines der gr\u00f6\u00dften Sportevents weltweit &#8211; 2018 in Batumi nahmen 184 Mannschaften im Offenen Turnier teil und 149 bei den Frauen &#8211; und h\u00e4tte im August in Moskau stattfinden sollen. Als Alternative rief die FIDE die Online Olympiade ins Leben, die vom 24.Juli bis 30. August mit 163 Nationen \u00fcber die B\u00fchne geht. Die Teams wurden in f\u00fcnf Divisionen aufgeteilt, wobei man sich in jeder Division f\u00fcr die n\u00e4chst h\u00f6here qualifizieren kann.<br \/>\nDeutschland spielt in Division 2 vom 14. &#8211; 16.August in <a href=\"http:\/\/chess-results.com\/tnr532151.aspx?lan=1&#038;art=0&#038;flag=30\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Pool A<\/a> um die Qualifikation f\u00fcr die Top-Division (die ersten Drei der zehn Mannschaften kommen weiter). Gespielt wird an sechs Brettern, wobei immer zwei Frauen, ein U20-Spieler und eine U20-Spielerin dabei sein m\u00fcssen, mit eine Bedenkzeit von 15+5.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/olymp.fide.com\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Turnierseite<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.schachbund.de\/news\/deutschland-ist-staffelfavorit-bei-der-online-olympiade-der-fide.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Bericht beim DSB<\/a><\/p>\n<p>Deutschland f\u00fchrt nach drei Siegen die Tabelle an. Zum Auftakt wurde Bangladesh mit 4,5:1,5 bezwungen, anschlie\u00dfend behielt man gegen Turkmenistan mit 3,5:2,5 die Oberhand und lie\u00df ein 5:1 gegen die Philippinen folgen.<br \/>\nAuch am zweiten Tag gab es drei Siege: 3,5:2,5 gegen Indonesien, 5:1 gegen Kyrgisien und 3,5:2,5 gegen Wei\u00dfrussland. Damit liegt man hinter Bulgarien auf Rang zwei.<br \/>\nTurniertag drei startete mit einem 5:1 \u00fcber Belgien, ehe man gegen Australien den ersten Punkt liegen lie\u00df. Das 3:3 sicherte die Quali f\u00fcr die Top Division, so dass die abschlie\u00dfende 1,5:4,5 Niederlage gegen die verlustpunktfreien Bulgaren keine allzu gro\u00dfe Bedeutung mehr hatte.  <\/p>\n<p>Die Top Division wird vom 21. &#8211; 23. August in vier Zehnergruppen ausgetragen. Die Gruppensieger qualifizieren sich direkt f\u00fcr das Viertelfinale, die Zweit- und Drittplatzierten spielen die restlichen vier Viertelfinalisten aus.<\/p>\n<p>Dem deutschen Team gelang ein Auftakt nach Ma\u00df im <a href=\"http:\/\/chess-results.com\/tnr532615.aspx?lan=1&#038;art=0&#038;flag=30\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Pool A<\/a> der Top Division. Zun\u00e4chst wurde Indonesien mit 3,5:2,5 niedergerungen, dasselbe Resultat wie in der Division 2. Anschlie\u00dfend ging es gegen die starken Iraner, einem der Hauptkonkurrenten um Platz drei und erneut konnte man sich mit 3,5:2,5 durchsetzen. Zum Abschluss von Tag eins bezwang man die Mongolei mit 4,5:1,5. Damit bildet man zusammen mit den Gruppenfavoriten Indien und China ein verlustpunktfreies Trio an der Spitze.<br \/>\nAm zweiten Turniertag trennte man sich von Georgien 3:3, ehe man Vietnam mit 3,5:2,5 bezwingen konnte. Zum Abschluss gab es eine 1,5:4,5 Niederlage gegen die topgesetzte chinesische Mannschaft. Damit bleibt Deutschland hinter China (12) und Indien (11) mit neun Punkten auf Rang drei. Mit drei Z\u00e4hlern Vorsprung auf den Rest des Feldes sind die Chancen f\u00fcr die Quali zur KO-Runde sehr gut. Herausragend in Form ist dabei GM Rasmus Svane. Nach drei Siegen gestern bezwang er heute auch den Weltklasse-Spieler Baadur Jobava und spielte gegen Liem Le Quang unentschieden. Danach hielt er auch die Partie gegen den Weltranglistendritten Ding Liren remis.<br \/>\nMit einem glatten 6:0 gegen den Tabellenletzten Simbabwe begann Tag drei f\u00fcr das deutsche Team, ehe das Duell gegen die Top-Mannschaft auf Indien anstand. Aus zwei guten Stellungen konnte man nur einen halben Z\u00e4hler erzielen und Rasmus Svane musste gegen Vidit Gujrathi riskieren und verlor. Somit stand am Ende eine 1,5:4,5 Niederlage zu Buche. Zum Abschluss h\u00e4tte nun ein 3:3 gegen Usbekistan zur Qualifikation f\u00fcr die Play-Offs gereicht. Aber die Stellungen versprachen von Anfang an nichts Gutes und man kassierte eine 1,5:4,5 Niederlage. Doch man bekam Sch\u00fctzenhilfe: zwar holte der Iran gegen die Mongolei an den vorderen Brettern 2,5 Punkte, aber hinten gewann die Mongolei alle Partien und rettete dem deutschen Team damit Rang drei. Gruppensieger wurde Indien, die in der letzten Runde dank Erfolgen an den beiden Jugendbrettern China in Bestbesetzung (mit Ding Liren, Wei Yi, Hou Yifan und Ju Wenjun) 4:2 besiegen konnten. <\/p>\n<p>Die Playoff-Phase beginnt am 27. August, hier trifft Deutschland auf den Zweitplatzierten aus Pool B Ungarn.<\/p>\n<p>Im Kampf um einen Platz im Viertelfinale musste sich das deutsche Team Ungarn hauchd\u00fcnn geschlagen geben. Das erste Match verlor man mit 2,5:3,5, doch danach behielt man mit 3,5:2,5 die Oberhand. Somit stand es 1:1 und das Reglement sah nun eine Armageddon-Partie vor. Als Kategorie wurden die M\u00e4nner ausgelost und Bundestrainer Dorian Rogozenco schickte Dennis Wagner ins Rennen, Ungarn nominierte Tamas Banusz. Dieser musste mit f\u00fcnf gegen vier Minuten die Partie gewinnen, Wagner reichte ein Remis. In einem dramatischen Finish hatte Wagner zwar die schlechtere Stellung auf dem Brett, aber es sah so aus, als ob er auf Zeit gewinnen w\u00fcrde. Doch dann fiel seine Bedenkzeit, w\u00e4hrend Banusz noch 0,3 Sekunden auf der Uhr hatte.<\/p>\n<p>Preliminary round:<br \/>\nGriechenland &#8211; Armenien 0:2 (1,5:4,5; 2,5:3,5)<br \/>\nBulgarien &#8211; Polen 0:2 (2,5:3,5; 2:4)<br \/>\nUngarn &#8211; Deutschland 2:1 (3,5:2,5; 2,5:3,5; 1:0)<br \/>\nChina &#8211; Ukraine 1:2 (3:3; 3:3; 0:1)<\/p>\n<p>\u00dcberraschend schied China aus. Nachdem man zweimal 3:3 spielte, gewann Jugend-Spieler Kirill Shevchenko f\u00fcr die Ukraine die Armageddon-Partie gegen Liu Yan. Im Leichtfigurenendspiel setzte er solange Nadelstiche bis dem Chinesen die Zeit ausging.<\/p>\n<p>Viertelfinale:<br \/>\nIndien &#8211; Armenien 2:0 (3,5:2,5; +:-)<br \/>\nAserbaidschan &#8211; Polen 1:2 (2:4; 4,5:1,5; 0:1)<br \/>\nRussland &#8211; Ungarn 1,5:0,5 (5:1; 3:3)<br \/>\nUSA &#8211; Ukraine 2:0 (4,5:1,5; 4:2)<\/p>\n<p>Russland und die USA wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und setzten sich durch. Gro\u00dfe Dramen spielten sich dagegen in der Zeitnotphase zwischen Indien und Armenien ab, viele Partien kippten, u.a. stellte Gabriel Sargissian einz\u00fcgig die Dame ein. Nihal Sarin hatte im L\u00e4uferendspiel einen Mehrbauern, der wohl nicht zu verwerten gewesen w\u00e4re, aber Haik Martirosyan verlor mit 53 Sekunden auf der Uhr die Verbindung und \u00fcberschritt die Zeit. Damit gewann Indien 3,5:2,5, doch Armenien legte Protest ein, da ihr Spieler im Video-Call die Verbindung nicht verlor und daher der Fehler auf der Seite des Organisators liegen m\u00fcsste. Nach rund zwei Stunden wurde der Protest abgelehnt, da von Server-Seite keine Probleme gefunden werden konnten. Daraufhin trat Armenien zum zweiten Match nicht mehr an.<br \/>\nPolen schlug Aserbaidschan in Match eins mit 4:2, verlor dann aber 1,5:4,5, so dass eine Armageddon-Entscheidung notwendig war. Hier hatte Gunay Mammadzada mit Schwarz gegen Monika Socko im Endspiel die bessere Zeit, \u00fcbersah aber eine einfache Taktik zur Vorentscheidung. Kurz darauf verpasste sie ein wichtiges Springerschach, womit sie den gegnerischen L\u00e4ufer h\u00e4tte tauschen k\u00f6nnen und sah sich danach mit elf gegen sechs Sekunden auf der Uhr in einem unentrinnbaren Mattnetz zappeln.<\/p>\n<p>Halbfinale:<br \/>\nIndien &#8211; Polen 2:1 (2:4; 4,5:1,5; 1:0)<br \/>\nRussland &#8211; USA 1,5:0,5 (3,5:2,5; 3:3)<\/p>\n<p>Gestern setzte sich Polen im Viertelfinale gegen Aserbaidschan durch, nachdem man das erste Match mit 4:2 gewonnen, danach 1,5:4,5 verloren und letztlich Monika Socko die Armageddon-Partie gl\u00fccklich gewinnen konnte. Heute gewannen die Polen auch Match eins des Halbfinales gegen Indien mit 4:2. Der Aseri Teimour Radjabov prognostizierte daraufhin im Live-Stream bei Chessbase India denselben Verlauf wie gestern, nur mit umgekehrten Ausgang der Armageddon-Partie. Und was passierte? Indien setzte sich nach einigen Auf und Abs mit 4,5:1,5 durch und erzwang eine Armageddon-Entscheidung. Das Los fiel auf die Frauen-Kategorie und so musste erneut Monika Socko mit Wei\u00df die Partie gewinnen. Ihre Kontrahentin Koneru Humpy spielte sehr solide und gab keine Angriffsfl\u00e4che. Im Endspiel eroberte sie eine Figur und f\u00fchrte Indien ins Finale. Dort wartet mit Russland einer der beiden Top-Favoriten, die sich knapp gegen die USA durchsetzen konnten.<\/p>\n<p>Finale:<br \/>\nIndien &#8211; Russland 1:1 (3:3)<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Finale zwischen Indien und Russland wurde zum gro\u00dfen Drama mit \u00fcberraschendem Ausgang. Im ersten Match war Indien drauf und dran den favorisierten Russen die erste Niederlage im Turnier beizuf\u00fcgen, aber Vidit Gujrathi und insbesonder Koneru Humpy konnten ihren klaren Vorteil nicht verwerten und so endeten alle sechs Partien remis. Der zweite Wettkampf sah Russland leicht in Vorteil: nach drei Remisen standen sie auf zwei Brettern besser, auf einem deutlich schlechter. Als Nihal Sarin die Stellung wieder in Ausgleich gebracht hatte, verlor er die Verbindung, genauso wie seine beiden Teamkolleginnen. Einzig Koneru Humpy fand die Verbindung wieder, an den beiden anderen Brettern lief jedoch die Zeit ab, was die Niederlage besiegelte. Koneru Humpy k\u00e4mpfte noch lange in schlechter Stellung, verlor letztlich zum 1,5:4,5. Das indische Team bat um Pr\u00fcfung und bald stellte sich heraus, dass das Content Delivery Network &#8222;Cloudflare&#8220; gro\u00dffl\u00e4chig ausgefallen war, wovon nicht nur Indien, sondern auch weite Teile Europas und der USA betroffen waren. Wie sollte nun entschieden werden? Normalerweise ist jeder Spieler selbst f\u00fcr die Verbindung verantwortlich und wenn man sie verliert und die Zeit l\u00e4uft ab, hat man halt Pech gehabt. Hier lag aber ein globaler Netzwerk-Ausfall vor, das ist eine andere Hausnummer. Die beiden Partien fortzusetzen ist nicht praktikabel, insbesondere nach \u00fcber einer Stunde Diskussion. Eine Neuauflage der beiden Partien ist auch nicht des R\u00e4tsels L\u00f6sung und das komplette Match neu anzusetzen gestaltete sich ebenfalls schwierig, da man weiter damit rechnen musste keine stabile Verbindung zu haben. Das Turnier-Komitee konnte sich zu keiner Entscheidung durchringen, also f\u00e4llte FIDE-Pr\u00e4sident Arkady Dvorkovich ein Urteil und erkl\u00e4rte beide Mannschaften zu Gewinnern der ersten Online-Olympiade. Witzigerweise hatte Vladimir Kramnik im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kJLyFSVuRnk\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Live-Stream<\/a> bei Chessbase India w\u00e4hrend des ersten Matches auf die Frage wie es denn ausgehe geantwortet, dass er sich w\u00fcnscht das beide Teams gewinnen, woraufhin er Gel\u00e4chter erntete&#8230;  <\/p>\n<h3>Related Images:<\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schacholympiade ist eines der gr\u00f6\u00dften Sportevents weltweit &#8211; 2018 in Batumi nahmen 184 Mannschaften im Offenen Turnier teil und 149 bei den Frauen &#8211; und h\u00e4tte im August in Moskau stattfinden sollen. 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