Offene Bayerische Frauen SchellschachEM 2019

Posted by Sebastian in Saison 18/19, Senioren 18/19 | Kommentare deaktiviert für Offene Bayerische Frauen SchellschachEM 2019

Im Rahmen des Frauen-Schachfestivals 2019 fand am Sonntag die Offene Bayerische Frauen SchnellschachEM statt. Auf der Homepage des Bayerischen Schachbundes findet man keine Ergebnisse früherer Jahre und auch eine weitere Recherche brachte keine Info darüber, wann ein derartiges Turnier denn das letzte Mal stattgefunden hat. Umso schöner ist es, dass es 2019 geklappt hat und 26 Teilnehmerinnen wollten sich diese Meisterschaft nicht entgehen lassen, darunter auch Eva und Maria Schilay sowie Laura Sophie Bauer.

Eva ging als #9 der Setzliste ins Rennen und war daher in Runde eins deutliche Favoritin. Dass sie schon länger keine Schnellschachpartie mehr gespielt hatte, machte sich in der Auftaktpartie bemerkbar, aber nachdem sie im Mittelspiel eine Figur gewonnen hatte, spielte sie ihren Vorteil sicher nach Hause. In Runde zwei wartete mit der #4 Lea Alsheimer (SC Bechhofen) eine nominell stärkere Spielerin auf Eva. Lea packte im Mittelspiel ein Figurenopfer auf e4 aus, wonach sie zwei Bauern und Turm für Läufer und Springer auf dem Brett hatte. Dabei hatte sie aber auch ihren Fianchetto-Läufer abgegeben, so dass die kurze Rochade keine Option mehr war. Allerdings hatte der König auf der anderen Seite angesichts der halboffenen b-Linie und dem Läuferpaar von Eva auch nicht gerade ein beruhigendes Plätzchen, weshalb Eva gute Chancen hatte. Lea goß mit einem Quali-Opfer – wieder auf e4 – noch mehr Öl ins Feuer, aber nachdem sie Eva´s Zwischenzug nicht mit einem Zwischen-Zwischenzug beantwortet hatte, war letztlich ein Turmendspiel mit Mehrfigur für Eva auf dem Brett. Allerdings hatte Eva nicht mehr viel Zeit auf der Uhr und 5 Sekunden Inkrement sind nicht viel. So fand Eva nicht die beste Fortsetzung und wickelte in ein Turmendspiel mit Mehrbauer ab, der es bis nach h7 schaffte. Die Stellung ist am Ende immer noch gewonnen für Weiß, aber Eva verlor die Uhr aus dem Blick und überschritt die Bedenkzeit. Nach dieser ärgerlichen Niederlage gewann Eva die beiden folgenden Partien und gehörte damit mit 3/4 einem Verfolger-Sextett der Spitzenreiterin Marharyta Khrapko (SC Roter Turm Altstadt/DWZ: 2102) an. Die Setzlistenerste ist amtierende Bayerische Blitzmeisterin (da hatte sie nur ein Remis abgegeben) und hatte die ersten vier Partien gewonnen darunter auch gegen die #2 und #4. Eva stand von Anfang an gut und die Favoritin schien unzufrieden mit ihrer Stellung, hatte sie doch bereits sechs Minuten weniger auf der Uhr. Im Mittelspiel kontrollierte Eva die einzige offene Linie, Marharyta suchte mit ablaufender Bedenkzeit ihre Chance mit einer Öffnung der f-Linie und dem Angriff auf f2. Aber Eva fand starke Züge, setzte den Konter und Marharyta fiel in aussichtsloser Stellung auf Zeit. Damit hatte Eva erstmals in ihrer Schachkarriere gegen jemanden mit über 2000 DWZ gewonnen. Zudem gehörte sie nun einem Führungsquartett an und war mittendrin im Kampf um die Podestplätze. In Runde sechs wartete mit der an #2 gesetzten mehrfachen Bayerischen Jugendmeisterin Melina Siegl (SW Nürnberg Süd/DWZ: 2077) die nächste Hochkaräterin. Doch 400 DWZ-Punkte-Differenz waren für Eva kein Grund die Gegnerin nicht zu überspielen. Melina hatte die Partie gewohnt aggressiv angelegt, ihren König in der Mitte gelassen und mit g4 am Königsflügel angegriffen. Aber Eva hatte schnell genug Gegenspiel am Damenflügel organisiert und Melina suchte minutenlang vergeblich nach einer Lösung für die Probleme. So musste sie die Öffnung des Damenflügels zulassen, Eva brachte einen Turm auf a2 in Stellung und sammelte in der Folge drei Bauern ein. Melina befand sich stellenweise bereits im Inkrement, kam dann aber doch noch mit einem blauen Auge davon. Nach dem Damentausch hatte Eva ob des drohenden Grunreihenmatts ihren h-Bauern ein Feld zu weit gezogen und so gab es kein Entkommen aus dem Dauerschach Sg5-f7. Trotz des verlorenen halben Punktes war Eva vor der letzten Runde auf Rang drei geklettert und hatte die Riesenüberraschung – einen Platz auf dem Podest – selber in der Hand. Mit Leonora Weber (SK Rochade Augsburg) wartete zum Abschluss eine lösbare Aufgabe, doch leider hatte Eva einen totalen Blackout: ausgangs der Eröffnung hatte sie einfach nicht wahrgenommen, dass Leonora gerade ihren Springer angegriffen hatte, wonach die Partie in der Tonne war. Zwar versuchte sie noch im Trüben zu fischen und tatsächlich gab ihr Leonora eine Chance in die Partie zurückzukommen, aber danach war die Sache gelaufen. Schade – ein bitterer Abschluss eines ansonsten bärenstarken Turniers. Eva hat als Einzige die Turniersiegerin geschlagen, die sich mit 6/7 den Titel holte und gegen die beiden anderen nominellen Favoritinnen sogar noch Punkte liegen gelassen. Mit einem Sieg in der letzten Runde wäre es die sensationelle Vize-Meisterschaft gewesen, so wurde es ein sehr guter siebter Platz.
Maria war gerade noch in der ersten Setzlistenhälfte und gewann die erste Partie, geriet aber dann gegen Liliane Pavlov (SC Bavaria Regensburg) früh in eine passive Lage aus der sie sich nicht befreien konnte. Danach wurde Marias Angriff in einer scharfen Partie mit unterschiedlichen Rochaden abgewehrt und sie landete in einem Doppelturmendspiel mit Minusbauern, das sie remis hielt. Aus den verbliebenen Runden holte Maria 50%, gegen die favorisierten Gegnerinnen musste sie die Segel streichen, die nominell schlechter einzuschätzenden konnte sie bezwingen. Damit kam sie mit 3,5 Zählern auf Platz 14.
Laura gelangen zwei Siege, während sie gegen drei Kontrahentinnen in Reichweite leider keine weiteren Punkte holen konnte, so dass sie mit 2 Punkten Rang 24 belegte.

Die Deutsche Meisterschaft, für die sich die beiden Erstplatzierten qualifiziert haben, findet übrigens am 21./22. September in Neumarkt statt.

Endstand

Turnierseite

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