Am Freitag, dem 30. März 2012, fand der letzte Auswärtskampf der Saison gegen die sechste Mannschaft von SW Nürnberg Süd statt. Die Ausgangslage war dabei eindeutig: Da der Tabellenzweite aus Mögeldorf mit 15 Mannschaftspunkten noch gegen den Dritten (SW Nürnberg Süd 5, 14 MP) und gegen uns (16 MP) antreten musste, würden uns zwei Mannschaftspunkte aus den letzten beiden Runden genügen, um aufzusteigen. Weil allerdings die Mögeldorfer Mannschaft stärker als unsere eigene einzuschätzen war, wollten wir mit einem Sieg gegen den Tabellenvierten (11 MP) den Aufstieg vorzeitig sichern.
Leider war Peter Markoff diesmal verhindert, und auch mein Einsatz war aufgrund einer Mandelentzündung fraglich. Im Sinne der Mannschaft entschloss ich mich dann aber, dennoch zu spielen, und so fuhren wir zu sechst gen Südstadtforum. Da Christians Wagen über kein Navigationsgerät verfügt, gab F.X. Benedikt kurzerhand eine „topaktuelle“ Landkarte mit (Zitat nach der Ankunft: „Schmeiß’ sie bloß weg! Ich hab’ trotz Gleitsichtbrille die Straße nicht gefunden!“) und verständigte sich mit Christian darauf, seinem Auto möglichst durchgehend zu folgen. Die Anfahrt verlief dann ohne besondere Vorkommnisse; warum am Spielort eine erhöhte Polizeipräsenz (ein Polizeibus in jeder Seitenstraße) herrschte, blieb offen. Thomas Simon wartete bereits auf uns und stärkte sich bei einer „Ostermahlzeit“ (hart gekochte Eier), und während der Begrüßung stieß dann auch unser Brett eins, Nicolas Gössnitzer, zu uns. Die Süder, deren Mannschaft sich durch eine meiner Meinung nach sehr gute Mischung aus vier erfahrenen und auch spielstarken Erwachsenen und vier aufstrebenden Jugendspielern (Melina Siegl, mittelfränkische Meisterin U14, DWZ 1755, Brett eins; Valentin Krasotin, DWZ 1549, 5,5/7 (!), Brett vier; Adrian Siegl, mittelfränkischer Vize-Einzelmeister U12, DWZ 1473, Brett fünf; Marty Ehmer, DWZ 1498, 6/7 (!), Brett acht) auszeichnet und die trotz eines vergleichsweise geringen DWZ-Durchschnitts schon für einige starke Mannschaften ein Stolperstein war, traten erwartungsgemäß in Bestbesetzung an; schließlich benötigte die fünfte Mannschaft ja Schützenhilfe.
Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit gab es dann die ersten Ergebnisse: Nicolas erzielte am Spitzenbrett ein (zu erwartendes) Remis, und auch F.X. teilte wenig später in einem ausgeglichenen Läuferendspiel mit Werner Müller (DWZ 1733) den Punkt. Bald darauf remisierte Benedikt gegen seinen erst elfjährigen Gegner. (Zitat: „Wenn ich weitergespielt hätte, hätte er mich zusammengeschoben.“) Leider hatte Zlatko am sechsten Brett zu diesem Zeitpunkt gegen Horst Bertram (DWZ 1673) bereits einen Bauern weniger, und bei Thomas, der schon in der Eröffnung unter Druck geraten war, sah es noch schlechter aus. Folglich musste ich das Remisangebot meines dreizehnjährigen Kontrahenten ablehnen; allerdings hätte ich wohl ohnehin weitergespielt, da ich eine druckvolle Stellung am Damenflügel aufgebaut hatte. Während Thomas seine Partie im 21. Zug aufgab, gelang es Zlatko mit Glück und Geschick, das entstandene Leichtfigurenendspiel trotz zweier Minusbauern im Gleichgewicht zu halten und ein weiteres Unentschieden zu erzielen. Nun liefen beim Stand von 3:2 für Nürnberg Süd noch die Partien von Christian und Rudi sowie meine eigene. Mir war es mittlerweile gelungen, am Damenflügel durchzubrechen und im weiteren Verlauf vier Bauern zu gewinnen. Doch Valentin Krasotin steckte nicht auf und schaffte es sogar noch, im Turmendspiel Mattdrohungen gegen meinen König aufzustellen. Nach einiger Überlegung entschloss ich mich dann dazu, zwei Bauern zurückzugeben, dafür noch den weißen h-Bauern zu erobern und das Turmendspiel mit drei Mehrbauern heimzuspielen. Als mein Gegner gegen 23.30 Uhr dann aufgab, hatte Christian die Angriffsbemühungen Dietrich Pahlens (DWZ 1663), der bereits in der Eröffnung einen Bauern geopfert hatte und später noch eine Figur für zwei Bauern gab, widerlegt und eine Figur für einen Bauern mehr. Diesen Vorteil ließ er sich nicht mehr nehmen und brachte uns mit 4:3 in Führung. Jetzt kämpfte nur noch Rudi im Doppelturmendspiel mit Minusbauer um den entscheidenden halben Punkt. Sein Kontrahent Harald Rost (DWZ 1683) schuf allerdings nach dem Tausch eines Turmpaares einen Freibauern auf der c-Linie, und als Rudi dessen Vormarsch bis c2 nicht verhinderte und in der Folge forciert seine Königsflügelbauern einbüßte, sprach alles für einen Endstand von 4:4. Thomas und ich stellten uns innerlich schon auf ein zähes Ringen gegen Mögeldorf ein, als Rost eklatante Konditionsschwächen offenbarte. Zunächst gab er den c2-Bauern ersatzlos auf, um mithilfe seiner Königsflügelbauern den Sieg zu erringen. Als er dann aber nach einer Unachtsamkeit auch noch den g-Bauern einstellte, keimte wieder Hoffnung auf, weil nun neben Königen und Türmen nur noch die beiden a-Bauern (auf a5 und a6) und der schwarze h4-Bauer übrig waren. Rudi offerierte allerdings trotz mehrmaligen Hinweises keine Punkteteilung und verpasste leider eine Möglichkeit, die Türme zu tauschen und ein Randbauernremis zu erzwingen. Mit nunmehr 90 Sekunden auf der Uhr reklamierte er dann wegen Zeitspiels auf Remis, woraufhin zuerst die FIDE-Regeln konsultiert und im Anschluss über das weitere Vorgehen diskutiert wurde. Welche Erfolgsaussichten eine Reklamation aufgrund Zeitspiels gehabt hätte, kann ich nicht einschätzen; die Abbruchstellung wäre laut Fritz aber remis gewesen. Man kam schließlich überein, bis zum Fall eines Blättchens weiterspielen und dann bei Uneinigkeit der Mannschaftsführer über den Ausgang der Partie den ersten Spielleiter (Sebi) entscheiden zu lassen. So weit kam es allerdings gar nicht mehr, da Rost auf Thomas‘ Frage, ob sich die Spieler denn nicht unter sich einig wären, das mit der Reklamation verbundene Remisgebot mit den Worten: „Ich nehm‘ es an, ich hab‘ einen Tunnelblick, ich kann nicht mehr!“, akzeptierte. Durch diesen Friedensschluss und den damit einhergehenden knappen und glücklichen, aber aufgrund des gezeigten Einsatzes auch nicht ganz unverdienten 4,5:3,5-Sieg sicherten wir uns am Samstagmorgen um 0.45 Uhr vorzeitig den Aufstieg in die höchste Spielklasse des Schachkreises Mittelfranken-Mitte. Auch für unseren Mannschaftsführer F.X. schließt sich hier ein Kreis, weil ihm nach dem unglücklichen Abstieg vor mittlerweile fünf Jahren (damals in seinem ersten Jahr als Mannschaftsführer) nun der Wiederaufstieg gelungen ist. Ich spendierte Rudi für seine kämpferische Leistung einen kleinen Schokohasen, bevor es im Gesindehaus dann eine kleine Aufstiegsfeier gab. Da gleichzeitig Nürnberg Süd fünf gegen Mögeldorf 3,5:4,5 verloren hatte, steht mit Mögeldorf auch der zweite Aufsteiger bereits fest. Weil nun die siebte Mannschaft der Süder nicht aus der Kreisliga drei aufsteigen darf (nicht mehr als zwei Mannschaften desselben Vereins in einer Liga), hat unsere dritte Mannschaft als Dritter den Aufstieg nun sogar noch selbst in der Hand. Am letzten Spieltag geht es für uns beim Heimkampf gegen Mögeldorf nun noch um die Meisterschaft in der Kreisliga zwei; wenn wir hier eine Chance haben wollen, müssen wir aber in Bestbesetzung antreten und vor allem auf den hinteren Brettern punkten.
Kevin Beesk