Jugend Europameisterschaft 2012

Posted by Sebastian in Jugend 11/12 | Kommentare deaktiviert für Jugend Europameisterschaft 2012

In jüngster Vergangenheit durften wir über viele Höhepunkte berichten: Erfolge bei Bezirksmeisterschaften, Bayerischen Meisterschaften und sogar Deutschen Meisterschaften. Ein Highlight jagte das nächste und unser Nachwuchs setzte immer noch einen drauf und das ganze in Dimensionen, wie es sie in unserer Vereinsgeschichte noch nicht gegeben hatte. Jetzt folgt das Sahnehäubchen mit der Teilnahme von Lorenz und Maria Schilay an den Jugend Europameisterschaften in Prag vom 16. – 26. August.

Lorenz hatte sich mit seinem sensationellen fünften Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Oberhof ein Startrecht in der U10 erspielt. Dort trifft er nun auf 134 Konkurrenten, größtenteils aus den osteuropäischen Ländern. Da die Setzliste nach ELO sortiert ist und die 70 Spieler ohne ELO dahinter alphabetisch einsortiert wurden, kann man schwer einschätzen wo Lorenz einzuordnen ist. Wie stark das Feld ist unterstreicht die Tatsache, dass zwei Spieler über 2100 aufweisen…

Maria wurde aufgrund ihrer starken Performance-Leistungen im Frühjahr vom DSB als offizielle Starterin in der U8w nominiert. Als aktuelle Deutsche Nummer 2 in ihrer AK darf sie sich als Pionierin fühlen, denn der DSB besetzt zum ersten Mal die jüngste Altersklasse. Von den 55 Konkurrentinninen haben vier schon eine ELO-Zahl (die topgesetzte Russin hat 1703!), aber bei den Jüngsten ist eine Einschätzung der Spielstärke natürlich noch schwieriger als in der U10.

Ebenfalls mit von der Partie ist Lorenz Kumpel Ruben Mantel (Zabo-Eintracht Nürnberg), der sich als Dritter der Deutschen für die EM qualifiziert hatte. Er bildete zusammen mit den Geschwistern Schilay in den letzten Wochen eine Trainingsgemeinschaft, die sich unter Anleitung vom langjährigen Jugendtrainer Herrmann Krauß (Noris Tarrasch Nürnberg) intensiv auf das Turnier vorbereitet hat. Die drei sind also gut gerüstet – mal sehen welche Überraschungen sie diesmal auf Lager haben.

Mehr Infrormationen gibt es auf der Turnierseite. Wir werden versuchen tagesaktuell über die Geschehnisse in Prag zu berichten. Seid gespannt und drückt die Daumen!

U8w:
R1: Ginovart Camille (FRA) – Schilay Maria 0:1
R2: Djordjevic Nevena (SRB) – Schilay Maria 0:1
R3: Schilay Maria – Guillo Longares Cecilia (ESP) 0:1
R4: Schilay Maria – Gnilorybova Victoria (RUS) 0:1
R5: Garska Lenka (TCH) – Schilay Maria 1:0
R6: Schilay Maria – Malkova Adriana (TCH) 1:0
R7: Misiuk Emilija (LTU) – Schilay Maria 0:1
R8: Allahverdiyeva Ayan (AZB) – Schilay Maria 0:1
R9: Schilay Maria – Horkovaya Alina (UKR) 0:1

Tabelle U8w

U10:
R1: Haase Pavel (TCH/1553) – Schilay Lorenz remis
R2: Schilay Lorenz – Kugappi Tomi (FIN/1778) 0:1
R3: Asensio Ramos Diego (ESP/1520) – Schilay Lorenz 0:1
R4: Schilay Lorenz – Brnusak Andrej (SVK) remis
R5: Demko Robert (TCH) – Schilay Lorenz 0:1
R6: Schilay Lorenz – Cengiz Acar Utku (TUR/1607) 0:1
R7: Alivodic Dario (MNE) – Schilay Lorenz 1:0
R8: Schilay Lorenz – Viczencz Peter (SVK/1458) remis
R9: Serpetsidakis Nikolaos (GRE/1534) – Schilay Lorenz remis

R1: Mantel Ruben – Oboladze Luka (GEO/1678) remis
R2: David Bogdan-Emanuel (ROU/1671) – Mantel Ruben remis
R3: Mantel Ruben – Yasinovskiy Aleksandr (RUS/1665) 1:0
R4: Rockmann Jan-Okke (GER/1767) – Mantel Ruben remis
R5: Mantel Ruben – Bango Lukas (SVK/1759) 0:1
R6: Mantel Ruben – Olsen Filip Boe (DÄN/1621) 0:1
R7: Semjonovs Ilja (LAT/1526) – Mantel Ruben 0:1
R8: Kotov Arseny (BLR/1652) – Mantel Ruben 1:0
R9: Mantel Ruben – Rilova Fernando Estefano (ESP/1523) 1:0

Tabelle U10

Bilder

Fazit – Gelungene Premiere auf internationalem Parkett:

Zufrieden und mit insgesamt 50% der möglichen Punkte kehrte die Neumarkter Delegation von ihrer ersten Europameisterschaftsteilnahme der Vereinsgeschichte in die Heimat zurück. Es war spannend zu beobachten wie sich unser Nachwuchs mit der europäischen Spitze messen und das ein oder andere Ausrufezeichen setzen konnte. Am Ende belegte Maria mit 5/9 einen starken 23. Platz, Lorenz klassierte sich mit 4/9 auf Rang 88.
Maria spielte nur eine schlechte Partie als sie in Runde fünf in der unbekannten Eröffnung daneben griff (umso bitterer, da die Gegnerin letztlich nur auf 3,5 Punkte kam). Dafür steigerte sie sich danach von Runde zu Runde und zeigte klasse Partien. Es war sogar noch ein Punkt mehr drin und wenn man bedenkt, dass sie die sechstplatzierte Russin eigentlich schon am Wickel hatte, wäre ein Top 10 Resultat nicht unrealistisch gewesen. Die Einschätzung dass die osteuropäische Konkurrenz sehr stark sein würde bestätigte sich natürlich auch: unter den ersten acht sind alleine fünf Russinnen. Hinter der an zwei gesetzten Spanierin Maria Eizaguerri Floris (die hat immerhin schon 1544 ELO) die Vierte wurde, war Maria auf Rang 23 die zweitbeste Westeuropäerin… Insgesamt ein bärenstarkes Turnier von Maria, v.a. wenn man bedenkt, dass sie zum ersten Mal neun Tage am Stück Schach gespielt hat, erstmals auf jede Partie vorbereitet wurde und im Prinzip fast ohne Eröffnungswissen angetreten ist.
Lorenz war eigentlich keinem Gegner schachlich unterlegen, agierte aber etwas unglücklich und wurde unter Wert geschlagen. Nach dem holprigen Start lag er mit 3/5 ausgezeichnet im Rennen, doch der Knackpunkt war die sechste Runde gegen den Türken Cengiz Acar Utku. Dort hatte er aus der Eröffnung heraus die gewünschte Angriffsstellung bekommen, dann aber die Öffnung der h-Linie verpasst, woraufhin er ausgekontert wurde. Schon in dieser Runde hätte er vier Punkte haben können und nach der siebten eigentlich müssen als er in Gewinnstellung unnötig die Bedenkzeit überschritt. War er schon davor etwas aus dem Tritt, hallte diese Partie noch mehr nach und Lorenz kam gerade noch auf vier Punkte. Ein oder eineinhalb Punkte mehr waren sicher keine Utopie und dann geht es schnell auf Rang 50 oder gar 35 nach vorne. Müßig zu erwähnen, dass auch in der U10 Osteuropa dominiert: ein Italiener (15.) und ein Franzose (18.) kamen immerhin unter die ersten Zwanzig.
Auch für Ruben gilt, dass mehr als 4,5/9 und Platz 68 drin gewesen wäre. Er hatte leider mehrfach Probleme seine sehr guten Stellungen zu verwerten und ließ hier den einen oder anderen Punkt liegen.
Letzten Endes können wir auf ein spannendes Turnier mit vielen schönen Momenten zurückblicken und hatten jede Menge Spaß (und natürlich jede Menge Hühnchen mit Reis…). Lassen wir uns überraschen wie es mit unserem Nachwuchs weitergeht – aber gegen eine Wiederholung würden wir uns sicher nicht wehren 😉

Bericht bei neumarktonline
Bericht im Neumarkter Tagblatt
Bericht in den Neumarkter Nachrichten


Runde 9 – Kein Sahnehäubchen obendrauf:

Heute musste alles ein bisschen schneller gehen, denn die letzte Runde begann schon um 13h, weshalb zumindest die Kinder auf das Mittagessen verzichteten. Viel verpasst haben sie natürlich nicht: es gab das „Altbewährte“, diesmal eben in der Variante versalzen…
Für Maria hatte sich Herrmann zum Abschluss etwas Besonderes ausgedacht. Da die Ukrainerin Alina Horkovaya (UKR) bislang in jeder Partie etwas Anderes auf e4 erwidert hatte und wir Maria nach dem langen anstrengenden Turnier nicht mit zu vielen Varianten verwirren wollten, sollte sie erstmals in ihrer Schachkarriere nicht e4 spielen. Der Aufbau von Herrmann war leicht zu verstehen und versprach Angriffsmöglichkeiten. Trotz mehrmaliger Warnung („denk dran – nicht e4 im 1.Zug) hätte Maria dann beinahe doch e4 gespielt. Nachdem Schwarz die Uhr gedrückt hatte, ging ihre Hand reflexartig zum e-Bauern. Sie bemerkte es gerade noch rechtzeitig (es war verdammt knapp) und zog den anderen Bauern. Die Gegnerin jedoch hob sofort die Hand und reklamierte beim Schiedsrichter (das ist in der G8 Thomas, so dass sie auf Deutsch reden konnten) „berührt geführt“. Nach Rückfrage bei Maria ob sie denn den Bauern berührt hatte, wies er die Gegnerin an weiterzuspielen. Diese zog unabhängig von Maria Eröffnungswahl ihre Vorbereitung durch (kein Stein kam zunächst über die sechste Reihe hinaus) und Maria verfolgte ebenfalls den Angriffsplan. Dieser sah auch sehr vielversprechend aus, aber nachdem sie beim Angriff am Königsflügel in eine Fesselung geriet, verlor sie eine Figur. Der Computer zeigte allerdings, dass eigentlich Schwarz eine Figur verloren hätte, doch diese hochkomplizierten taktischen Verwicklungen waren nur schwer zu sehen. So verlor Maria leider und beendete das Turnier mit sehr starken fünf Punkten auf Rang 23. Ein Sieg heute hätte Rang elf bedeutet, einen halben Buchholzpunkt hinter der Zehntplatzierten.
Lorenz bekam es gegen den Griechen Nikolaos Serpetsidakis (1534) mal wieder mit d4 zu tun und es blieb die ganze Zeit über ausgeglichen. Kurz vor der ersten Zeitkontrolle büßte Lorenz einen Bauern ein, den er im Springerendspiel aber dank aktivem Spiel mit dem König zurückbekam. Einmal gab es sogar noch einen schwer zu sehenden Gewinnweg mit Bauernopfer, so blieb Lorenz am Ende der blanke Springer übrig. Damit verpasste Lorenz knapp die 50% und landete mit vier Punkten auf Rang 88. In dem engen Feld hätte ein Punkt mehr gleich einen Sprung von über 30 Plätzen bedeutet…
Ruben erarbeitete sich gegen den Spanier Fernando Estefano Rilova (1523) eine bessere Stellung mit sehr guten Gewinnchancen und holte schließlich auch den vollen Punkt als sein Gegenüber die Zeit überschritt. Damit klassierte sich Ruben mit 4,5 Punkten auf Rang 68.
Am Nachmittag reiste der Rest der Familie Schilay an, die noch bis Dienstag in Prag bleiben. Damit konnten auch sie der Schlussfeier beiwohnen, bei der die zwölf Titelträger standesgemäß mit Nationalhymne geehrt wurden. Wie erwartet dominierten die osteuropäischen Länder: alleine fünfmal erklang die russische Hymne, zudem gingen zwei Titel nach Polen, sowie je einer nach Weißrussland, Bulgarien, Ukraine und Armenien. Der Ausreißer ist der Titel einer Griechin in der G12. Westeuropäische Podestränge gab es für Spanien (1x 2.,1x 3.), Niederlande (1x 2.), Frankreich (1×3.) und England (1x 3.). Wenn man sich aber da manche Namen anschaut, weiß man auch wo die Spieler ihre Wurzeln haben…

Runde 8 – Noch ein Highlight von Maria!:

Das Turnierende ist langsam in Sicht und nun wird es auch eine Frage der Kondition. Sieben Tage Vorbereitung, Turnierpartien und Nachbereitung gehen insbesondere bei Maria langsam an die Substanz. Doch ausgerechnet bei ihr wird die Vorbereitung immer verzwickter, weil die Gegnerinnen viele Sachen spielen, die Maria nicht kennt. Trotzdem haben wir uns heute selbstbewusst entschieden gegen Ayan Allahverdiyeva (Aserbaidschan) den Kampf in ihrer Lieblingseröffnung aufzunehmen. Herrmann hatte große Bedenken, doch letztlich riskierten wir es. Und was passierte? Maria setzte nach der gestrigen Glanzpartie noch einen drauf! Obwohl die Gegnerin alles kannte und richtig spielte, kam Maria aus der Eröffnung heraus in eine Angriffsstellung. Beide Spielerinnen spielten stark, wieder gab es Drohungen und Gegendrohungen. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, befanden sich die beiden in einem Turmendspiel mit zwei Mehrbauern für Maria auf a- und c-Linie. Da aber der weiße König rechtzeitig am Damenflügel war schienen die beiden Bauern verloren zu gehen. Maria hatte aber weiter gerechnet und packte eine sensationelle Gewinnvariante aus. Sie zog den Bauern einfach weiter und als der Turm von hinten die Umwandlung verhinderte, fesselte Maria den gegnerischen Turm, lenkte diesen somit von der c-Linie ab und holte sich eine Dame. Nach fast vier (!) Stunden Spielzeit (wobei die Gegnerin unsportlich einen Zug vor dem Matt ihre verbleibenden 20 Minuten ablaufen ließ) war der fünfte Punkt im Sack!
Eine kuriose Anekdote gab es auf dem Weg zum Turniersaal. Wir gingen den Hotelflur entlang als jemand auf deutsch sagte „da ist ja die Maria“ und sie danach fragte wie viele Punkte sie hätte und wie sie heute spiele (Antwort: „gewinnen!“). Zuerst dachten wir es sei ein deutscher Vater, aber es war der Delegationsleiter von Luxemburg. André kannte ihn auf jeden Fall nicht, anscheinend ist Maria schon über die Landesgrenzen hinaus berühmt (es liegt die Vermutung nahe, dass Maria als U8-Meisterin bei den Offenen Niederländischen Meisterschaften 2011 in den Benelux-Ländern keine Unbekannte mehr ist)…
Bei Lorenz war sein Gegenüber Peter Viczencz (SVK/1458) gut auf ihn vorbereitet und er fühlte sich in der Stellung sehr unwohl. Er kam zwar ungeschoren heraus, hatte aber viel Bedenkzeit investiert und nach 20 Zügen nur noch knapp zwölf Minuten auf der Uhr. Prompt übersah er in Zeitnot einen möglichen Damengewinn per Abzugsangriff und später wäre gegen den schwarzen c-Bauern eigentlich kein Kraut gewachsen gewesen. Doch nach der ersten Zeitkontrolle übersah der Gegner, dass Lorenz den gedeckten Freibauern einfach wegen einer Fesselung nehmen konnte. Im entstandenen Endspiel mit je einem Turm und ungleichfarbigen Läufern bot Lorenz Remis, was sein Gegenüber trotz Mehrbauers sofort annahm.
Rubens Gegner Arseny Kotov (BLR/1652) überraschte ihn in der Eröffnung, doch mit einigen Zugumstellungen gelang es ihm dennoch in seine Systems zu gelangen. Im Endspiel hatte er zunächst Vorteil, am Ende hatte aber leider der Gegner das bessere Ende für sich.
Immerhin ist es unseren Jungs erspart geblieben, dass sie morgen gegeneinander antreten müssen, sie verpassten sich um ein Brett. Nun können beide noch auf 50% kommen und einige Ränge gutmachen. Derzeit liegt Ruben auf Platz 82 und Lorenz drei Ränge dahinter. Maria hat jetzt schon starke 5 Punkte und befindet sich auf dem sechzehnten Platz.
David und Sebi hatten sich während der Runde aufgemacht um Prag ein wenig zu erkunden. Auf ihrem dreistündigen Fußmarsch kamen sie u.a. am Platz der Republik, Altstädter Rathaus, Wenzels Platz, Karlsbrücke und natürlich der Burg vorbei.

Runde 7 – Glanzpartie von Maria:

Die Wolken hatten sich über Nacht wieder verzogen und uns erwartete der gewohnt sonnige Tag. Es ist zwar nach wie vor sehr drückend, aber der Montag ist nicht zu toppen. Ansonsten gibt es vom Essen nichts Neues, allerdings zieht Maria in der Kuchenwertung sukzessive davon. Und neben den gefühlten 250 Runden UNO haben wir tatsächlich auch etwas Zeit für Schach…
Bei Maria haben wir heute mal ein bisschen gezockt und sie gegen das d4 von Emilija Misiuk (Litauen) etwas Neues probieren lassen. Diese ließ sich auf nichts ein und wählte einen ruhigeren Aufbau, wonach Maria problemlos zu Ausgleich kam. Danach entwickelte sich ein spannender taktischer Kampf mit Drohung, Gegendrohung und Gegengegendrohung, bei der beide Mädels klasse Züge aufs Brett zauberten. Zu unser aller Begeisterung (Herrmann war komplett aus dem Häuschen!) fand Maria eine herrliche Gewinnkombination und setzte Matt. Das war sicherlich eine der besten Partien ihrer noch jungen Schachkarriere.
Lorenz kam gegen den Montenegriner Dario Alivodic ebenfalls gut aus der Eröffnung und hatte das aktivere Spiel. Leider übersah er im Mittelspiel einen möglichen Figurengewinn, konnte aber einen Bauern erobern und hatte ein gewonnenes Leichtfigurenendspiel mit entferntem Freibauern auf dem Brett. Doch dann behielt er die Uhr nicht im Blick und verlor unnötigerweise durch Zeitüberschreitung.
Dagegen kam Ruben zu seinem zweiten Sieg. Sein Gegner Ilja Semjonovs (Lettland/1526) wählte gegen den Franzosen einen falschen Aufbau und so kam Ruben einfach mit normalen Zügen Stück für Stück in eine immer bessere Stellung und gewann problemlos.
Den Sieg feierten Hubert, Ruben und Herrmann im Centrum Chodov beim Italiener, da Hubert kein Hühnchen mit Reis mehr sehen konnte… André und Maria nutzten den späten Nachmittag zu einem Besuch im Schwimmbad, der für Maria blutig endete, da sie sich an einer rasiermesserscharfen Beleuchtung im Becken die Zehe aufriss.

Runde 6 – Verpasste Chancen und Maria in style:

In der Nacht gab es erneut Regen und diesmal auch ein Gewitter, trotz des mediterranen Flairs das wir am Vorabend wieder genossen haben. Tagsüber war es ausnahmsweise mal zumeist bewölkt und am Nachmittag gab es sogar einen kurzen Regenschauer – geschwitzt haben wir trotzdem wieder.
Marias heutige Gegnerin Adriana Malkova (Tschechien) gab in der Eröffnung schon einen Bauern her und tauschte obendrein ihren Fianchetto Läufer ab. Diese Einladung zum Königsangriff nahm Maria natürlich umgehend an, öffnete die Rochadestellung, ließ einfach eine Figur am Damenflügel ungedeckt und setzte inklusive Turmopfer matt.
Lorenz hatte nach zehn Zügen gegen den Türken Acar Utku Cengiz (1607) ebenfalls eine vielversprechende Angriffsstellung am Brett: er hätte die h-Linie öffnen können und nach der langen Rochade hätte der Gegner erst beweisen müssen, dass man das noch halten kann. Leider zog Lorenz die Dame zu früh nach h6 woraufhin sein Kontrahent mittels g5 deren Rückweg abschnitt. Nun musste Lorenz höllisch aufpassen, dass seine Dame nicht gefangen werden konnte, wählte hierbei nicht die beste Variante und verlor einen Bauern und eine Qualität. Danach gab es keine Chance mehr zurück in die Partie zu kommen und Lorenz musste seine zweite Niederlage hinnehmen.
Ruben kam gegen Filip Boe Olsen (DÄN/1621) aus der Eröffnung heraus sofort zu aktivem Spiel und sah bereits wie der sichere Sieger aus. Selbst als eine Figur verloren ging hatte er dank eines gefährlichen Freibauers noch alle Chancen, bis er einen Mattangriff übersah.
Nach zwei Dritteln des Turniers liegt Maria mit 3/6 derzeit auf Rang 30 etwas unter Wert. Nur in der fünften Partie spielte sie in der unbekannten Eröffnung schlecht, ansonsten war sie immer mindestens auf Augenhöhe. Lorenz hat ebenfalls 3/6 und befindet sich aktuell auf Platz 66. Erstaunlicherweise hat er bislang mit 0,5/3 eine miserable Weißbilanz (bei der Deutschen waren es 5/5!), dafür aber 2,5/3 mit Schwarz (bei der DEM 3/6). Beide Verlustpartien waren eigenen Ungenauigkeiten geschuldet, die Gegner waren auf jeden Fall in Reichweite. Ruben ließ leider auch einige Chancen aus und liegt mit 2,5/6 auf Rang 84. In den verbleibenden drei Runden ist für alle auf jeden Fall noch einiges möglich – Daumen drücken!
Am Abend waren wir zusammen mit dem U8 Spieler Johannes Schade (SV Dresden-Striesen 1990) noch ein wenig Fussball spielen. Nach einiger Zeit kam noch eine größere Schar Russen sowie zwei türkische Mädchen und ein türkischer Junge hinzu und wir spielten ein Match GER/TUR vs RUS. Bester Spieler der Russen war dabei David, der zwar vorne eine 100%ige versemmelte, dafür aber als Torwart einen Ball durch die Beine ließ und später einen Abwurf unseres neuen Torhüters gnadenlos ins eigene Tor köpfte. Immerhin konnte Johannes auf 2:4 verkürzen ehe zwei Mitarbeiter der Hotel-Security auftauchten und uns verscheuchten: „we have a SERIOUS problem … football is not allowed … 200 €…“. Dazu muss man sagen, dass seit Freitag jeden Tag Kinder auf dem schmalen Rasenstreifen (naja – eher ein Acker) zwischen Tenniscourts und Japanese Garden Fussball gespielt haben, aber das ist ihnen vorher wohl nicht aufgefallen. Aber man kann schon verstehen, dass Fussball verboten ist, denn wenn ein Ball das Hotel trifft könnte die Pappmaché ja einstürzen…
Nachdem wir das Feld geräumt hatten, dauerte es auch nicht lange bis die nächsten rumtobten und diesmal rückte die Security sogar mit dem Orga-Chef an (das ist übrigens der Kasper der Sebis gebuchtes Einzelzimmer nach einer Anfrage von David per Mail OHNE Rückfrage bei Sebi in ein Doppelzimmer umgebucht hat…). Es muss nicht extra erwähnt werden, dass die Security noch öfters anrücken musste und auch nach 21h war wieder eine ganze Horde zu Gange.
Stichwort Hotel und „serious problem“ – da würde uns schon noch Einiges einfallen: zumindest das Zimmer von Sebi und David hat Absteige-Niveau, dreckige Handtücher, Boden und Dusche schaut man lieber auch nicht so genau an, dasselbe gilt für das gespülte Geschirr, die Stühle im Speisesaal sind voller Flecken, usw. …

Runde 5 – Lorenz kommt in Fahrt:

Die große Überraschung des Tages beim morgendlichen Blick aus dem Fenster: es hatte tatsächlich geregnet! Angesichts von den gefühlten tropischen Temperaturen gestern, als es selbst um Mitternacht draußen noch sehr warm war (und die Mitarbeiter der Hotelbar eiskalt die Türen zugesperrt haben obwohl noch drei Tische auf der Terrasse voll besetzt waren…), kam die leichte Abkühlung sehr gelegen. Nicht dass die Temperatur im Laufe des Tages nicht wieder anstieg, aber an den Vortag reichte es glücklicherweise nicht heran. Somit konnten wir zwischen Vorbereitung und Rundenbeginn mal wieder etwas Ball spielen, nachdem man gestern wirklich niemanden im Japanese Garden gesehen hatte…
Maria bekam es heute mit der Tschechin Lenka Garska zu tun, die in ihren bisherigen Partien eher passiv agierte. Daher rechneten wir uns für Maria gute Chancen aus, jedoch spielte die Gegnerin Schottisch, was Maria noch nie auf dem Brett hatte. Wie befürchtet griff sie schon in der Eröffnung fehl und hätte eine Figur einbüßen können, die Gegnerin begnügte sich aber mit einem Bauerngewinn. Kurz drauf kam ein Zweiter hinzu und sie konnte obendrein alle Figuren tauschen. Trauriger Höhepunkt der Partie war aber, dass Maria die Kontrahentin durchs Schach rochieren ließ… Sehenswert war dafür die Gewinnführung der Weißspielerin im Bauernendspiel: sie opferte zwei Bauern für einen Durchbruch, wobei Maria zwar noch im Quadrat blieb und so zwei weitere Bauern abholen konnte, wodurch sie selbst zwei verbundenen Freibauern am Königsflügel hatte. Allerdings hatte Weiß ja noch die Majorität am Damenflügel und diesen Freibauern konnte der schwarze König auf der anderen Seite natürlich nicht mehr stoppen.
Bei Lorenz wurde sein Kontrahent Robert Demko (Tschechien) Zeuge einer Weltpremiere, denn Lorenz spielte zum ersten Mal einen Sizilianer. Und es wurde nicht nur der erhoffte Bauerngewinn, sondern der Gegner stellte im elften Zug gleich eine ganze Figur ein. Diesen Vorteil baute Lorenz im weiteren Verlauf der Partie sukzessive aus, auch wenn er wieder unnötigerweise eine Qualität hergab um einen „lästigen Läufer“ vom Brett zu bekommen. Nach dem folgenden Damentausch spielte er mit drei Figuren für den Turm und setzte alsbald matt.
Ruben stand gegen den Slovaken Lukas Bango (1759) die ganze Partie über ausgeglichen, versuchte dann aber mit Gewalt auf Sieg zu spielen und entblößte dabei seine Grundreihe derart, dass der Gegner ihn dort kalt erwischte.
Eine Neuerung gab es auch beim Abendessen: mit Schnitzel stand mal ein neues Gericht zur Auswahl, wenn auch wahlweise mit Nudeln oder Reis.

Runde 4 – Erstmals kein Sieg:

Heute verzichteten wir auf unseren obligatorischen Besuch im Japanese Garden da es schlichtweg draußen nicht auszuhalten war. Die Luft stand den ganzen Tag und es war noch mal spürbar heißer als gestern. So wagten wir uns zunächst nur zum Delegationsfoto aus dem Hotel.
Maria traf auf die Russin Victoria Gnilorybova und kam gegen deren Aljechin Verteidigung super aus der Eröffnung. Nach einem Bauernopfer waren keine Verteidiger mehr auf dem Königsflügel und als Dg4 folgte blickte die Gegnerin ratlos umher. Maria bekam auf g7 ihren Bauern zurück und hätte danach auch die Qualität einheimsen können, wollte aber kurioserweise lieber das Läuferpaar behalten und entschied sich nicht zu schlagen. Auch so stand sie immer noch besser, aber die Kontrahentin konnte sich langsam aber sicher befreien. Später hatte Maria einen Bauern mehr als Victoria entweder Glück im Unglück oder einfach eine schwer zu sehende Falle aufgebaut hatte. Zweimal wurde Marias Dame angegriffen und als sie den hängenden Springer nahm, hatte diese nach einem Läuferrückzug plötzlich kein Feld mehr zur Verfügung. Danach brachen schnell die Dämme und Maria musste leider zum zweiten Mal die Segel streichen, obwohl sie aussichtsreich stand.
Lorenz bekam gegen den Slovaken Andrej Brnusak ein Vierspringerspiel aufs Brett in dem der Gegner sich auf nichts einließ und die Stellung geschlossen hielt. Im Mittelspiel wählte Lorenz nicht den besten Plan und sein Gegenüber bekam auf der halboffenen c-Linie Spiel gegen c2. Zu allem Überfluss stellte Lorenz plump einen Bauern ein, weil er nicht bedachte, dass der d-Bauer ja auch en passant schlagen kann… Zu seinem Glück tauschte Schwarz gleich die Schwerfiguren und wickelte in ein Springerendspiel mit Mehrbauern am Damenflügel ab. Hier schaffte es Lorenz mit genauem Spiel den gefährlichen Freibauern im Tausch für seinen f-Bauern zu erobern und hielt das Endspiel mit zwei gegen drei Bauern am selben Flügel problemlos Remis. Der Gegner wollte es aber erst wahrhaben als nur noch die beiden Könige am Brett waren.
Ruben bekam aus deutscher Sicht ein blödes Los, nämlich den amtierenden Deutschen Meister Jan-Okke Rockmann (SK Bremen-Nord/1767). Dieser überraschte ihn mit einer Spezialvariante die Ruben noch nicht kannte, weshalb er an einem Zug eine gute Stunde überlegen musste. Dies war auch notwendig, da er sonst schnell hätte baden gehen können. So stand er zwar die ganze Partie über unter Druck, doch der Gegner fand nichts Zählbares. In Zeitnot brachte Ruben dann ein Figurenopfer, dass tatsächlich die Partie gekippt hätte. Da er sich ob der Korrektheit des Opfers nicht sicher war und auch kaum mehr Bedenkzeit übrig war, bot er vorsichtshalber remis, was auch akzeptiert wurde.
David möchte noch unbedingt darauf hingewiesen haben, dass ihn Maria heute in der Kuchenwertung überholt hätte, auch wenn das kaum zu glauben ist… Dafür stellte er einen neuen Hausrekord bei UNO auf (>200…).

Runde 3 – „Ich hab dem Gegner extra noch ne Quali gschenkt“

Tag vier in Prag und es wird von Tag zu Tag heißer. Sonnenkind André hält das natürlich nicht davon ab trotzdem vor und während der Runde im Freien zu verbringen was insbesondere Hubert im wahrsten Sinne des Wortes ins Schwitzen bringt.
Das schaffte auch Lorenz, denn als wir nach den obligatorischen zehn Minuten den Spielsaal verlassen mussten waren sich Herrmann und Sebi einig, dass er gegen Diego Asensio Ramos (1520) schon breit steht. Er hatte noch nicht rochiert, die weiße Dame stand bedrohlich auf h6 und gerade hatte ein Springer auf g6 geschlagen, der wegen der Fesselung des h-Bauern nicht zu nehmen war. Lange Gesichter bei uns bis Herrmann auf einmal sinnierte, dass Lorenz Glück im Unglück haben könnte, da er ja die Dame verfolgen könnte. „Das ist evtl. Remis“, nach nochmaligem Nachdenken „das ist Remis“, drei Minuten später „Schmarrn, der kriegt die Dame net raus oder muss die Figur geben, das ist gewonnen!“. Alle waren sich einig, dass eine der Varianten wohl zutreffend sein müsste…
Wir hatten es uns gerade auf der Wiese im Japanese Garden bequem gemacht, da tigerte auch schon Lorenz ums Eck uns konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Tatsächlich war der Gegner zu forsch ans Werk gegangen und verlor in der Variante eine Figur. Dies ließ sich Lorenz nicht mehr nehmen und war bereits nach einer Stunde fertig (sein Gegenüber hatte am Ende übrigens mehr Bedenkzeit auf der Uhr als zu Partiebeginn…). Dabei hatte er „dem Gegner extra noch eine Qualität geschenkt, denn mit zwei Läufern gegen Turm gewinn ich auch“ (der Freibauer auf f2 war dabei natürlich auch hilfreich).
Somit war Lorenz diesmal also bereits nach einer Stunde fertig, dafür spielte Maria heute über 2 ½ Stunden. Ihre spanische Gegnerin Cecilia Guillo Longares spielte Sizilianisch, womit wir nicht gerechnet hatten (ist auch schwierig wenn nur eine Partie bekannt ist). Aber Maria spielte eine klasse Partie, kam besser aus der Eröffnung und gewann einen Bauern. Diesen verlor sie wenig später zwar wieder, hatte dafür jedoch das Läuferpaar und obendrein stand bei Schwarz noch der Läufer auf c8. So hatte Maria selbst dann noch die bessere Stellung als sie einen Bauern hinten lag, verpasste es aber dann aus ihren dominierenden Figuren das notwendige Kapital zu schlagen. Daher konnte sich die Kontrahentin im 30.(!) Zug endlich fertig entwickeln und nach kleineren Ungenauigkeiten wurde es doch ein gesunder Mehrbauer. Trotz harter Gegenwehr war gegen diesen kein Kraut mehr gewachsen, da die Gegnerin das Endspiel sicher runterspielte und nach 73 Zügen war leider die erste Niederlage besiegelt. Schade da Maria heute wesentlich besser gespielt hat als in den beiden Runden zuvor, aber nicht dafür belohnt wurde.
Auch Ruben kam heute zu seinem ersten Sieg (damit haben alle Deutschen Spieler mindestens eine Partie gewonnen) gegen den Russen Aleksandr Yasinovskij (1665). Nachdem er zunächst die etwas vorsichtigere Variante gewählt hatte und sich erst einmal ruhig aufgebaut hatte, griff er durchschlagend mit einem schönen Turmopfer den gegnerischen König an und setzte matt.
Damit liegen alle drei nach dem ersten Turnierdrittel gut im Rennen. Maria und Ruben haben 2/3 und Lorenz ist mit 1,5/3 bei sehr guten 50%. Unangefochtener Spitzenreiter in der Kuchenwertung ist nach wie vor David, der seine Tabellenführung heute nochmals ausbauen konnte… A propos Essen: wir alle sind sehr gespannt ob das Büffet nächste Woche abwechslungsreicher wird, da es bislang wahlweise ausschließlich Huhn, Rind, Schwein und Fisch mit Nudeln, Reis, Kartoffelbrei oder Pommes gab.

Runde 2 – Maria 2, Europa 0!:

Heute gestaltete sich die Vorbereitung viel relaxter, da die Auslosungen gestern schon vor 22 Uhr bekannt waren. So holte Herrmann ab 10h (ja da ist er ausnahmsweise schon wach…) nacheinander seine Schäfchen zu sich und auch der Rest der Truppe nutzte die Zeit um noch mal das Repertoire durchzugehen.
Anschließend spielten wir etwas Ball im Japanese Garden und machten uns dann über das Mittagsbüffet her, wobei Maria der Erfolgsformel von gestern (3 Stück Kuchen = 1 Punkt) treu blieb. Unangefochtener Kuchenspitzenreiter ist aber eindeutig David…
Nach dem Essen genossen wir noch ein wenig das herrliche Wetter ehe wir ein letztes Mal die Varianten durchgingen.
Maria bekam es heute mit der Serbin Nevana Djordjevic zu tun und hatte dabei das zweite Mal schwarz. Deren Vater musterte das Namensschild von unserem „Coach“ David sehr streng, vmtl. grübeln sämtliche Delegationen schon über den mysteriösen neuen Geheimtrainer der Deutschen, der sich als 1200er in der DWZ-Datenbank tarnt…
In der Partie spielte die Gegnerin nicht ganz wie erhofft, aber Maria kam trotzdem ordentlich aus der Eröffnung. Danach griff sie wie gewohnt beherzt am Königsflügel an und opferte ohne mit der Wimper zu zucken ihren Läufer auf h3. Da sie noch nicht rochiert hatte, wäre das Opfer zu widerlegen gewesen, aber die Gegnerin war von der Offensive so beeindruckt, dass die prompt eine Springergabel mit Damenverlust übersah. Diesen Vorteil ließ sich Maria nicht mehr nehmen und sackte den zweiten Punkt ein.
Lorenz war wieder einer der Letzten im Turniersaal. Gegen den Finnen Tomi Kugappi (1778/21. der Setzliste) übersah er leider im siebten Zug einen möglichen Bauerngewinn per Läuferopfer auf f7, danach war die Stellung immer ausgeglichen. Im Endspiel wurden zwei Remisgebote von Lorenz abgelehnt und zu allem Übel verpasste er es eine dreifache Stellungswiederholung zu reklamieren… Auch danach war die Stellung immer ausgeglichen bis Lorenz im 70. Zug seinen König auf das falsche Feld zog und elf Züge später nach über fünf Stunden aufgeben musste. Sehr schade – der harte Kampf wurde nicht belohnt.
Ruben kam auch gegen den Rumänen Bogdan-Emanuel David (1671) in eine ausgezeichnete Stellung und konnte in ein gewonnenes Turmendspiel mit Mehrbauern abwickeln, das er dann aber doch remis gab.
Morgen kommt es zweimal zum Duell Schilay vs. Spanien, Ruben bekommt es mit einem Russen zu tun. Spielbeginn ist wieder 15h!

Runde 1 – Gelungener Auftakt:

Da bei der Europameisterschaft im Gegensatz zur Deutschen nur eine Runde pro Tag auf dem Programm steht und diese erst um 15h beginnt, kann man etwas entspannter in den Tag gehen und so waren David und Sebi kurz vor 9h die ersten unserer Truppe beim Frühstück. Nach und nach gesellte sich der Rest dazu und da die Paarungen erst gegen 12h bekannt gegeben wurden, war sowieso noch nicht groß etwas zu tun. Wir vertrieben uns die Zeit mit dem Spiel Heckmeck, ehe um 12h ein Treffen der Deutschen Delegation stattfand. Dort erläuterte Bernd Vökler die wichtigsten Regeln (Nullkarenz, kein Remisgebot vor Zug 40 etc.) und zudem bekamen Lorenz und Maria ihre Deutschland „Trikots“.
Danach machte sich Herrmann an die Vorbereitung und wurde mit den Dreien gerade so fertig, musste aber selbst auf das Mittagessen verzichten…
Punkt 15h saßen alle Teilnehmer an ihren Brettern und für unsere Youngster begann die erste Runde auf internationalem Parkett. Überraschenderweise waren die Jüngsten (U8, 10 und 12) in ihrem Saal doch ziemlich eng geschlichtet und die Bretter in der U8w hatten auch schon mal bessere Tage erlebt (das scheint aber durchaus JugendEM-Standard zu sein). Kurioserweise hatten sie sogar einen breiteren grauen Streifen in der Mitte – fast wie eine Grenze zwischen den beiden Lagern…
Nach zehn Minuten mussten alle Eltern und Betreuer den Saal verlassen und durften auch während der ganzen Spielzeit nicht wieder zurück. Deshalb saßen oder standen Elterntrauben vor den Sälen und warteten ungeduldig auf ihren Nachwuchs. Wir genossen dagegen erst einmal die Sonne auf der Terrasse beim Japanese Garden (nur Hubert wurde es bald zu warm). Nach einer guten Stunde kam Maria zurück und berichtete stolz von ihrem Sieg. Gleich in der ersten Runde also ein Sieg für unsere Jüngste – ein super Auftakt! Sie hatte es mit der Französin Camille Ginovart zu tun bekommen, von der es erwartungsgemäß keine Partien in der Datenbank gab. Aber bei ihrem Bruder fanden wir einen Anhaltspunkt und bereiteten sie auf Spanisch vor. In der Tat kam ein Spanier aufs Brett und Maria spielte den vorbereiteten Aufbau. Im Mittelspiel schwenkte sie ihre Figuren gewohnt zum Königsflügel und griff an ohne Rücksicht auf hängende Bauern am Damenflügel bzw. im Zentrum. Dem Computer gefiel die schwarze Stellung nicht besonders, aber Maria behielt recht, da ihre Gegnerin nach einem Angriffszug fehlgriff und einen Turm einbüßte. Danach hätte Maria den Sack schon zu machen können, begnügte sich aber mit dem Mehrturm und spielte auf Abtausch. Kurz vor der ersten Zeitkontrolle konnte Maria mit einem Hinlenkungszug eine Springergabel mit Damengewinn anbringen und wenig später setzte sie matt.
Lorenz bekam es ausgerechnet mit einem der drei Spieler zu tun, denen er in diesem Jahr schon einmal begegnet war. Gegen den Tschechen Pavel Haase (1553) verlor er beim Jugendturnier in Ergolding. Im Damengambit schloss Pavel früh mittels c5 den Damenflügel, jedoch verpasste Lorenz das sofortige e5 um seinen Läufer ins Spiel zu bekommen. So versauerte dieser analog zur Auftaktpartie bei der Deutschen und sein Kontrahent konnte hinter der Bauernkette munter lavieren und den Bauernsturm am Damenflügel vorbereiten. Lorenz verteidigte sich zäh und nach über 30 Zügen konnte er tatsächlich einen Bauern erobern und diesen im Anschluss auch behalten. Kurz vor der Zeitkontrolle übersah Lorenz noch eine bessere Fortsetzung, doch auch so waren im Doppelturmendspiel sicherlich Siegchancen vorhanden. Doch sein Gegenüber verteidigte ebenfalls umsichtig und so kam es nach 56 Zügen zum Friedenschluss – nach 4 ½ Stunden Spielzeit, wobei die Beiden die längste Partie der U10 spielten.
Auch Ruben holte gegen einen starken Georgier einen halben Punkt. Er bekam das vorbereitete Bauernopfer aufs Brett und war am Drücker (Herrmann ist sich sicher, dass es Gewinnvarianten gab, die aber schwer zu sehen waren), doch die gegnerische Verteidigung hielt stand.
Ein guter Auftakt ist uns also gelungen – morgen steht um 15h Runde 2 auf dem Programm.

Anreisetag: Coach David on tour

Gegen 13h machte sich heute die Neumarkter Delegation bestehend aus André, Lorenz und Maria Schilay sowie Sebastian Mösl und David Hofmann auf zum bedeutendsten Schachturnier in unserer Vereinsgeschichte. Begleitet von anhaltenden Regenschauern ging es zunächst nach Brunn um das zweite „mittelfränkische“ Auto mit Hubert und Ruben Mantel sowie Herrmann Krauß und Thomas Strobl (er fungiert in Prag als Schiedsrichter) abzuholen, ehe es gen tschechische Grenze ging.
Nach problemloser Fahrt (auch Herrmann wurde wider Erwarten ins Land gelassen…) erreichten wir kurz vor 17h das Top Hotel Praha und es begannen die ersten Schwierigkeiten… Zunächst gestaltete sich die Parkplatzsuche problematisch, danach wurden wir von einem Mitarbeiter zur Reception South geschickt („all Germans have to go there“) nur um dort zu erfahren, dass alle Deutschen zur Main Reception müssten… Also dort in die Schlange eingereiht und nachdem der Engländer davor nach endloser Diskussion eine Umbuchung vornehmen konnte, wurden weder Mantels noch David und Sebastian vom System gefunden! Nach weiterem Warten, Irrungen und Wirrungen haben wir dann doch alle unsere Zimmer beziehen können. Allerdings nicht alle wie gebucht: Herrmann bekam jetzt doch ein Einzelzimmer und David und Sebastian haben ein drittes Bett im Zimmer stehen. Noch kurioser wurde das Ganze übrigens als uns Delegationsleiter Bernd Vökler über den Weg lief und weitere Zimmerkartenschlüssel für uns hatte. D.h. wir hätten uns gar nicht erst stundenlang anstellen müssen…
Für den Brüller des Tages sorgte die Ausgabe der Akkreditierungen. Während bei André ganz normal „Parent“ draufsteht und bei Sebi „Others“ haben sich die Organisatoren bei David wohl einen Scherz erlaubt und tatsächlich „Coach“ draufgeschrieben…
Nachdem sich alle beim Abendessen gestärkt hatten stand um 20h die Eröffnungsfeier auf dem Programm, die zu unserer Überraschung im sogenannten Japanese Garden also im Freien stattfand. Angesichts des regnerischen Wetters den ganzen Tag mutete das sehr selbstbewusst an und es nieselte auch die ganze Zeit aber größere Regenschauer blieben zum Glück aus.
Die Begrüßung der Offiziellen ging relativ zügig über die Bühne, wobei wir sowieso nicht so viel verstanden haben. Das lag aber nicht nur an der Akustik, zumindest die vom Zettel abgelesene holprige englische Rede des Prager Bürgermeisters blieb auch inhaltlich ein Rätsel… Besser machte es hier der Hoteldirektor der gleich zugab, dass er von Schach keine Ahnung habe („chess is not my cup of tea“) und einfach nur die Teilnehmer begrüßte.
Das folgende Showprogramm begann mit etwas typisch tschechischem (???): einer Bauchtanzvorführung. Was diese bei einer Jugend EM zu suchen hat lässt sich zwar nicht nachvollziehen, aber Herrmann und Thomas hat es gefallen. Danach musste ein weißer König gegen drei schwarze Figuren am Gartenschachbrett antreten, wobei alle Beteiligten in historischen Kostümen gewandt waren. Natürlich kam es zu dramatischen Schwertkampfszenen, in denen der weiße König einen Konkurrenten nach dem anderen in seine Schranken verweisen konnte. Interessanterweise kam es in der „Schachpartie“ sogar zu einer Bauernumwandlung des Weißen, wobei kurzerhand die bereits geschlagene schwarze Dame das Lager wechselte. Im Anschluss traten zwei Tänzerinnen mit brennenden Stäben auf und zum großen Finale gab es ein imposantes Feuerwerk (in Deutschland wären diese Feuerwerkskörper definitiv verboten…).
Anschließend versuchte die Neumarkter Delegation das Internet zum Laufen zu bringen, was sich wie befürchtet als Herkulesaufgabe herausstellte. Zunächst wurde das hoteleigene W-LAN angezeigt, aber es kam keine Verbindung zu Stande, danach wurde die Verbindung nicht einmal mehr angezeigt. Nach fast 90 minütigem Gefiesel konnten immerhin ein paar Bruchstücke gen Heimat gesendet werden – wir hoffen auf Besserung.

Vorbericht NT
Vorbericht bei neumarktonline

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