U20 Bayernliga – Runde 2+3: Springer, Damen, Sensationen!

Posted by Sebastian in Jugend 15/16, _Saison 15/16 | Kommentare deaktiviert für U20 Bayernliga – Runde 2+3: Springer, Damen, Sensationen!

20151219_U20BAYLI201516 (0)Eine überragende Leistung bot unsere U20 Mannschaft in der ersten Doppelrunde der Bayernliga in Kelheim. Gegen den nominell in etwa gleichstarken Gastgeber konnten wir uns für die knappe 1,5:2,5 Niederlage in der Landesliga Nord im Vorjahr revanchieren und einen ganz wichtigen 4:2 Sieg einfahren. Danach ging es gegen den SK München Südost, einen der „Big Three“ der Liga und zweimal Vize-Meister in den vorangegangenen Saisons (jeweils nur aufgrund weniger Brettpunkte). Der Topfavorit musste zwar zwei Stammspieler ersetzen, brachte aber immer noch knapp 250 DWZ im Schnitt mehr auf die Waage. Doch mit einer klasse Leistung rangen unsere Jungs und Mädels den großen Favoriten mit 3,5:2,5 nieder! Damit gehen wir vollkommen überraschend als Tabellendritter ins neue Jahr (bemerkenswerte Momentaufnahme: die fünf Teams der Schachjugend Mittelfranken belegen aktuell die Ränge eins bis fünf!), in dem wir am 23. Januar alle Mannschaften in Neumarkt begrüßen dürfen. Dann treffen wir auf die beiden anderen dominanten Teams der vergangenen Jahre: Forchheim und Erlangen.


Nach der knappen Auftaktniederlage gegen Nürnberg Süd wollten wir gegen Mitaufsteiger Kelheim unbedingt gewinnen, ist es doch die einzige Mannschaft in der Liga die einen leicht schlechteren DWZ-Schnitt aufweist. Aber schon am Tag vor dem Wettkampf gab es schlechte Nachrichten, da unser Brett 3 Yannick Beesk mit Grippe absagen musste. So kam die elfjährige Maria Schilay zu ihrem Debüt in der höchsten Jugendspielklasse. Bei ihrem Premiereneinsatz baute sie sich gut auf, spielte den Angriff am Königsflügel aber nicht direkt genug. So gewann ihr Gegenüber Zeit und kam mit einem Gegenschlag in Vorteil. Nach einer weiteren Ungenauigkeit gewann dieser weitere Tempi wonach taktische Motive nicht mehr zu vermeiden waren. Dafür brachte Schwester Eva mit dem gewählten Aufbau ihren Gegner dazu sich unwohl zu fühlen. Deswegen beurteilte er die Situation nicht richtig und Eva kam zu bequemem Spiel, machte Druck auf die Schwäche im Zentrum und entschied die Partie taktisch. Lorenz Schilay überraschte seinen Kontrahenten mit einem Läuferschlag auf h6, der einen Bauern einbrachte. In einer hochtaktischen Stellung mit vielen Möglichkeiten für beide Spieler fehlzugreifen, behielt Lorenz die Übersicht und wickelte ins Bauernendspiel ab, wo er seinen Mehrbauern sicher verwertete. Paul Neppert legte seine Partie sehr offensiv an und riskierte mit dem Vormarsch seiner Bauern am Königsflügel zu viel. Sein Gegner stand schon sehr gut als eine Fesselung auf der langen Diagonalen eine Figur kostete. Simon Drechsel kam gut aus der Eröffnung und konnte durch einen Schlag auf f3 die Bauernformation am Königsflügel sprengen. Im Anschluss nutzte er seine aktiven Figuren um den h-Bauern zu erobern und konnte danach in ein gewonnenes Bauernendspiel abwickeln. Nun war es an Maximilian Lutter beim Stand von 3:2 den Mannschaftssieg in trockene Tücher zu bringen. Allerdings stand er von Anfang an passiv und konnte nicht verhindern, dass sein Gegenüber die einzige offene Linie unter Kontrolle brachte. Im Schwerfigurenendspiel musste Maxi zwar einen Bauern geben, bekam dafür aber aktives Spiel. Als er den König ins Freie jagen konnte zeigt die Engine sofort klaren Gewinn an. Den entscheidenden Schlag verpasste Maxi zwar und die Bewertung ging auf 0.00 zurück, aber im Gegenzug lief der Gegner ins zweizügige Matt. Damit hatten wir einen eminent wichtigen Sieg eingefahren – und der Letzte lag ja auch schon einige Zeit zurück (in unserer letzten Bayernliga-Saison gab es am 27.11.1999 ein 3:1 gegen den TSV Dietfurt).
Nach der Mittagspause wartete dann der amtierende Vize-Meister München Südost auf uns, die zuvor gegen Nürnberg Süd nach spannendem Kampf etwas unglücklich 2,5:3,5 verloren hatten. Nüchtern betrachtet hieß die Devise mitnehmen was geht und es ging gleich optimal los. Maria jagte der ehemaligen Bayerischen U10-Meisterin und Deutschen U10-Vize-Meisterin Sonja Kukulina die Dame für zwei Figuren ab und spielte die Partie schnörkellos nach Hause. Paul spielte gegen einen 400-DWZ-stärkeren Gegner eine Klassepartie. Zwar hatte er am Ende mit zwei Türmen gegen die Dame zwei Bauern weniger, aber dank einer Mattdrohung erzwang er eine Zugwiederholung. Lorenz brachte seinen Gegenüber mit einigen Ungenauigkeiten in eine sehr gute Stellung die zunächst einen Bauern einbrachte. Auf der Suche nach Kompensation wählte er den falschen Plan und letztlich entschied ein Läuferschlag auf h5 die Partie, da danach weder Dauerschach möglich war, noch eine Mattdrohung geholfen hätte, da Weiß schneller ist. Simon berechnete eine Schlagvariante falsch und stellte früh ersatzlos zwei Bauern ein. Allerdings agierte sein Kontrahent danach etwas zu sorglos und aus heiterem Himmel erhielt Simon aktives Spiel. Somit blieb Schwarz nichts anderes übrig als einen Bauern zurückzugeben um seinen Damenflügel zu entwickeln. Überraschenderweise akzeptierte er kurz darauf ein Remisgebot. Im Endspiel T+T+L vs T+T+S hätte man aufgrund des entfernten Freibauers schon noch was probieren können, aber vmtl. spielten auch die nur noch neun Minuten für 13 Züge eine Rolle. Somit ergaben sich für uns vollkommen neue Perspektiven, die Sensation wurde langsam greifbar. Zumal Eva nach einem Bauerngewinn einen starken Angriff auf der h-Linie lancierte, der die schwarze Verteidigung innerhalb kurzer Zeit kollabieren ließ. Damit hatte die Mannschaft zum zweiten Mal an diesem Tag Maxi in die komfortable Situation gebracht beim Stand von 3:2 „nur“ noch halten zu müssen. Dies war gegen den ehemaligen Bayerischen Meister Constantin Müller natürlich leichter gesagt als getan. Zwar wurde schnell viel getauscht, aber im Endspiel mit Dame und Springer versprach die Bauernmajoriät am Damenflügel doch noch Gewinnpotential, zumal Maxi bis zu eine halbe Stunde weniger auf der Uhr hatte. Aber er verteidigte sich umsichtig, selbst als der entstandene entfernte Freibauer auf dem Brett Sorgen bereitete. Maxi organisierte das notwendige Gegenspiel und schuf seinerseits einen Freibauern, der bei beiderseitigem Durchmarsch sogar noch gefährlicher gewesen wäre. Daher blieb Constantin nichts anderes übrig, als die Freibauern abzutauschen und ins Remis einzuwilligen. Damit war der 3,5:2,5 Sensationssieg offiziell – eine Riesenleistung unseres Teams!

U20 Bayernliga

Comments are closed.