Deutsche Schnellschachmeisterschaft 2019

Posted by Sebastian in Saison 19/20 | Kommentare deaktiviert für Deutsche Schnellschachmeisterschaft 2019

Am 21./22.09. heißt es wieder Spitzen-Schach in Neumarkt! Nach der Ausrichtung der Deutschen Blitz-Meisterschaft 2009 und der DVM U16 2016 richten wir anlässlich unseres 70jährigen Bestehens die Deutsche Schnellschachmeisterschaft sowie die Deutsche Frauen-Schnellschachmeisterschaft 2019 im Landratsamt Neumarkt aus.

Beide Turniere sind stark besetzt – 32 Titelträgerinnen und Titelträger werden in Neumarkt ihre Visitenkarte abgeben. Unter den Top-Spielern befinden sich illustre Namen. So nimmt Nationalspieler GM Rainer Buhmann teil, der 2011 mit dem deutschen Team sensationell Mannschaftseuropameister geworden ist. Mit GM Alexander Donchenko und GM Andreas Heimann sind die Nummer 4 und Nummer 7 der Deutschen Rangliste am Start, zudem bereichern der U16-Weltmeister von 2015 Roven Vogel sowie die U16-Weltmeisterin von 2018 Annmarie Mütsch die Turniere.

Vom SK Neumarkt dürfen sich die Nachwuchskräfte Eva Schilay (18), Lorenz Schilay (17) sowie der mehrfache Stadtmeister Kevin Beesk (24) in dem hochkarätigen Teilnehmerfeld beweisen.

Erstmals wird es von den Deutschen Schnellschachmeisterschaften Live-Bilder auf der Plattform SportDeutschlandTV geben, es werden sieben Partien pro Runde auf Chess24 übertragen und im Landratsamt gibt es eine Live-Kommentierung.

Live-Bretter DSEM
Live-Bretter DFSEM

Die Begrüßung ist am Samstag um 14h, danach stehen die Runden 1-5 auf dem Programm. Am Sonntag folgen die Runden 6-9, die Siegerehrung ist um 14:30h geplant. Wir freuen uns auf viele Zuschauer – der Eintritt ist frei.

Vorbericht beim Deutschen Schachbund

Vorbericht im Neumarkter Tagblatt

Trailer zur Meisterschaft

Ergebnisse DSEM
Ergebnisse DFSEM

Bei den Herren führt nach dem ersten Tag GM Alexander Donchenko mit 4,5/5. Knapp dahinter lauern GM Andreas Heimann, GM Hagen Poetsch und IM Aljoscha Feuerstack mit 4/5. Lorenz Schilay kam schon in R2 zu einem überraschenden Erfolg über FM Nikolas Pogan, der ihm eine taktische Möglichkeit auflegte, die Lorenz zu verwandeln wusste. Kevin Beesk holte gegen die durchweg starke Gegnerschaft drei Remis, u.a. gegen FM Dmitrii Marcziter.
Auch bei den Frauen haben wir mit WIM Ulrike Rößler eine Spitzenreiterin mit 4,5 Punkten gefolgt von einem Trio mit einem halben Zähler Rückstand, bestehend aus WFM Dr. Anita Stangl, Melina Siegl und WIM Annmarie Mütsch. Eva Schilay holte in R3 gegen Rabea Schumann ihr erstes Remis und bekam danach das Freilos. Leider verlor sie in Runde 5 in aussichtsreicher Stellung im Zeitnotduell den Faden, sonst wären sogar starke 50% zu Buche gestanden.

Live-Stream SportDeutschlandTV Tag 1

Die neuen Deutschen Schnellschachmeister stehen fest. GM Alexander Donchenko musste sich zwar in Runde 7 erstmals geschlagen geben, wodurch GM Rainer Bumhmann nach Punkten aufschließen konnte. Doch danach holten beide 1,5 Zähler und Donchenko hatte letztlich drei Buchholzpunkte mehr auf dem Konto. Rang drei sicherte sich GM Andreas Heimann mit 6 Zählern dank der besseren Zweitwertung vor Ferenc Langheinrich, Lev Yankelevich und Tobias Jugelt.
Für das Highlight aus Neumarkter Sicht sorgte Kevin Beesk. Zwar gelang der erhoffte Premierensieg erst in Runde 8, aber er musste auch nur zweimal als Verlierer vom Brett aufstehen. Sechs Punkteteilungen gegen die starke Gegnerschaft bedeuteten am Ende ganz starke vier Punkte und Rang 25, womit er seinen Setzlistenplatz um zehn Ränge verbesserte und fünf Titelträger hinter sich ließ! Lorenz Schilay vermied erfolgreich die rote Laterne mit 3 Punkten auf Rang 35. Nach seinem Überraschungserfolg gegen einen FIDE-Meister in Runde 2 kamen am zweiten Tag noch zwei Unentschieden sowie das Freilos hinzu.
Bei den Damen setzte sich WIM Annmarie Mütsch mit sieben Siegen und nur einer Niederlage und somit 7,5 Zählern durch. WGM Jessica Schmidt und WIM Ulrike Rößler komplettierten mit 6,5 Punkten das Podest vor WFM Lara Schulze, Melina Siegl und WFM Dr. Anita Stangl mit einem halben Zähler weniger.
Eva Schilay fand in diesem Turnier leider nicht zu ihrem Spiel, ganz anders als zuletzt bei der Bayerischen Frauen-Schnellschachmeisterschaft. Zu viele Denkfehler kosteten den ein oder anderen möglichen Punkt. Mit einem Erfolg in der letzten Runde feierte sie doch noch ihren ersten Sieg und kam mit 2,5 Punkten auf ihren Setzlistenplatz 18.

Live-Stream SportDeutschlandTV Tag 2

Bericht beim Deutschen Schachbund

Bilder bei den Neumarkter Nachrichten

Bericht bei NeumarktTV (ab 8:36min)


Bereits zum dritten Mal gab es spannenden Spitzen-Schachsport im Landratsamt Neumarkt zu sehen. Nach der Deutschen Blitzmeisterschaft 2009 und der Deutschen Vereinsmeisterschaft für U16-Mannschaften 2016 bewarb sich der Schachklub Neumarkt anlässlich seines 70jährigen Bestehens erfolgreich um die Ausrichtung der Deutschen Schnellschachmeisterschaft sowie der Frauen-Schnellschachmeisterschaft. Dafür gab es anerkennende Worte der beiden Schirmherren Landrat Willibald Gailler und Oberbürgermeister Thomas Thumann, dank deren Unterstützung das Turnier in Neumarkt stattfinden konnte. Der Schachklub Neumarkt ist aber nicht nur als hervorragender Turnierorganisator mittlerweile deutschlandweit bekannt, sondern auch als „Deutscher TOP-Schachverein“ in den Kategorien Kinder- und Jugendschach sowie Mädchen- und Frauenschach für seine engagierte und erfolgreiche Jugendarbeit, wie die Vize-Präsidentin des Deutschen Schachbundes Olga Birkholz bei der Begrüßung betonte.
Der 1.Vorsitzende des SK Neumarkt Sebastian Mösl freute sich über die bestbesetzte Meisterschaft seit Jahren mit 31 Titelträgern, darunter fünf GM und eine WGM. Mannschaftseuropameister Rainer Buhmann, die Spitzen-GMs Andreas Heimann und Alexander Donchenko sowie die Jugend-Weltmeister Roven Vogel und Annmarie Mütsch waren dabei mit die bekanntesten Schachgrößen in den illustren Teilnehmerfeldern, in denen sich auch die Lokalmatadoren Eva Schilay, Lorenz Schilay und Kevin Beesk beweisen durften.
Schon in der ersten Runde bekamen die Topgesetzten die Stärke des Teilnehmerfeldes zu spüren: so kam GM Rainer Buhmann (SV Hockenheim) nicht über ein Dauerschach gegen FM Dmitrii Marcziter (DJK Aufwärts St. Josef Aachen) hinaus nachdem er seinen Opferangriff nicht bestmöglich fortgesetzt hatte und GM Michael Prusikin (BCA Augsburg) unterlag sogar Nichttitelträger Manuel Weller (SC Caissa Schwarzenbach). In Runde zwei erwischte es auch den Titelträger von 2011 und 2017 GM Hagen Poetsch (SC Heusenstamm) sowie IM Roven Vogel (USV TU Dresden), die FM Jens Hirneise (SpVgg Rommelshausen) und Rick Frischmann (SC Caissa Schwarzenbach) unterlagen. Der topgesetzte GM Andreas Heimann (SF Deizisau) stand anfangs etwas schlechter gegen IM Tobias Jugelt (SK Bremen-Nord), erspielte sich aber im Endspiel zusehends leichte Vorteile bis Tobias Jugelt der entscheidende Fehler unterlief. GM Alexander Donchenko (SF Deizisau) hatte derweil einen Mehrbauern im Turmendspiel gegen IM Jonas Rosner (SK 1926 Ettlingen). Letztlich brachten beide Spieler einen Bauern zur Umwandlung, aber Alexander Donchenko hatte das erste Schach verbunden mit einem Mattnetz. Ein unerwartet frühes Spitzenduell gab es an Brett 12 zu sehen: Michael Prusikin und Rainer Buhmann trafen nach dem Punktverlust zum Auftakt aufeinander und trennten sich nach hartem Kampf unentschieden.
In der zweiten Runde sorgten erfreulicherweise auch die Neumarkter für Überraschungen: Kevin Beesk erzielte ein Unentschieden gegen den Bayerischen Vize-Meister Oleg Parashchenko (SK Freising/2203) und Lorenz Schilay nutzte eine Unaufmerksamkeit von FM Nikolas Pogan (Heilbronner SV/2211) zum Gewinn. Die Runde darauf hatte auch Kevin Beesk eine Siegchance gegen einen FM (die Engine zeigt Matt in 13), verpasste diese aber und landete in einem verlorenen Turmendspiel. Doch auch Dmitrii Marcziter fand in Zeitnot nicht den einzigen Gewinnzug und die Partie endete remis. In der folgenden Runde stand Kevin Beesk gegen Frank Schwarz (Preetzer TSV/2230) gut, aber der Übergang ins Springerendspiel brachte Frank Schwarz in Vorteil. Kevin Beesk hatte erneut das Glück des Tüchtigen, da ein hübsches Gewinnmotiv unentdeckt blieb und letztlich neutralisierten die Springer jeweils den Freibauern des Kontrahenten und er hatte das dritte Remis ensuite erzielt. Gegen FM Michael Schenderowitsch (SV Koblenz 03/25/2262) kam Kevin Beesk schlecht aus der Eröffnung und musste eine Stellung spielen die keinen Spaß macht. Ein Bauer ging verloren, aber er verteidigte sich zäh. Als aber ein zweiter Bauer über Bord ging stand nach 76 Zügen eine Niederlage zu Buche. Lorenz Schilay musste sich derweil der starken Gegnerschaft in Person von IM Jonas Rosner (SK 1926 Ettlingen/2375), Oleg Parashchenko und Vitaliy Promyshlyanskyy (SC Noris-Tarrasch Nürnberg/2251) jeweils geschlagen geben, wobei er gegen Oleg Parashchenko just nach einem Bauerngewinn seine Figuren so unglücklich aufstellte, dass taktisch eine Quali flöten ging.
An der Spitze hatten nach drei Runden nur noch Andreas Heimann und Alexander Donchenko eine weiße Weste. Andreas Heimann kam dabei zu einem schnellen Erfolg über Jens Hirneise, der in einer Kombination einen Zwischenzug übersehen hatte. FM Carsten Hecht (LSV Turm Lippstadt) hielt die Partie gegen Alexander Donchenko lange ausgeglichen, aber im Endspiel mit Dame und Turm unterlief ihm sich im Inkrement befindend ein Fehler, der einen unparierbaren Königsangriff zur Folge hatte. Manuel Weller – als #23 der Setzliste mit zwei Siegen gestartet – remisierte gegen IM Ferenc Langheinrich (SV Empor Erfurt) und Rainer Buhmann musste auch gegen FM Karsten Schulz (SF Schwerin) den Punkt teilen. Die vierte Runde sah ein schnelles Remis der beiden Spitzenreiter, wodurch Ferenc Langheinrich mit einem Erfolg dank eines Doppelangriffs über IM Dr. Oswald Gschnitzer (SV 1947 Walldorf) nach Punkten gleichziehen konnte. Hagen Poetsch bezwang Manuel Weller und auch Roven Vogel rückte der Spitze mit einem Sieg über IM Lev Yankelevich (SG Speyer-Schwegenheim 2012) näher. Rainer Buhmann kam zu seinem ersten vollen Punkt gegen Michael Schenderowitsch, während Michael Prusikin den Punkt mit Gedeon Hartge (USV Halle) teilte. In der letzten Runde des ersten Turniertags opferte Ferenc Langheinrich eine Figur für zwei Bauern gegen Alexander Donchenko, aber dieser konservierte seinen materiellen Vorteil bis ins Endspiel wo er letzten Endes Springer und Bauer mehr sein Eigen nennen konnte. Andreas Heimann hatte gegen Roven Vogel einen Mehrbauern, den er für Angriff gegen den König zurückgab. Eine ungenauer Zug erlaubte es Roven Vogel die Dame zurück zur Verteidigung zu bringen und den Angriff abzuwehren. Im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern wurde schließlich das Remis vereinbart.
Damit lag Alexander Donchenko nach dem ersten Turniertag mit 4,5/5 einen halben Zähler vor seinen Verfolgern angeführt von Andreas Heimann. Punktgleich dahinter lagen Hagen Poetsch nach einem Sieg über FM Karl-Jasmin Muranyi (SK Landau) sowie IM Aljoscha Feuerstack (FC ST.Pauli 1910 SAbt), der Ferenc Langheinrich bezwingen konnte. Rainer Buhmann hatte sich gegen Carsten Hecht durchgesetzt und kletterte damit auf Rang sechs.

Am nächsten Morgen baute Alexander Donchenko seine Führung auf einen Punkt Vorsprung aus. Er hatte gegen Aljoscha Feuerstack einen Bauern weniger, allerdings in Form eines isolierten Randdoppelbauers. Im Endspiel gelang es Alexander Donchenko den weißen König an den Rand zu treiben und als der einzige Zug der die Stellung noch hielt nicht gefunden wurde, knüpfte er ein Mattnetz mit Bauer und Springer. Im Verfolgerduell kam Hagen Poetsch mit einem entfernten Mehr-Freibauern ins Turmendspiel, was aber nicht zum Gewinn gegen Andreas Heimann reichte. Rainer Buhmann setzte seine Aufholjagd gegen Dr. Oswald Gschnitzer fort, wohingegen Roven Vogel leider aus gesundheitlichen Gründen am zweiten Tag nicht mehr antreten konnte, so dass Ferenc Langheinrich zu einem kampflosen Punkt kam. In Runde sieben brachte Rainer Buhmann Spitzenreiter Alexander Donchenko die erste Niederlage bei und zog somit nach Punkten gleich. Dabei hatte er einen lästigen Springer auf c4 installiert, der später nach f3 wanderte. Als Alexander Donchenko dem Damentausch auswich, ergab sich ein taktischer Schlag auf h4, der Rainer Buhmann einen Bauern einbrachte. Daraufhin verkomplizierte Alexander Donchenko die Sachlage mit einem Figurenopfer, um die gefährlichen gegnerischen Bauern einzusammeln und seinerseits Freibauern zu bekommen. Allerdings gelang es Rainer Buhmann die Bauern zu erobern und nach 82 Zügen den Sieg einzufahren. Ferenc Langheinrich gesellte sich ebenfalls zu den 5,5 Punktern an der Spitze mit einem Sieg über Andreas Heimann. Diesem wurde im Endspiel die Öffnung der a-Linie zum Verhängnis, wonach Turm und Springer seinem König nachstellten und Matt nicht mehr zu vermeiden war. Hagen Poetsch konnte nicht vom Ausrutscher des Spitzenreiters profitieren, er unterlag Tobias Jugelt, der somit mit 5 Punkten erster Verfolger war, zusammen mit Karl-Jasmin Muranyi nach einem Sieg über Aljoscha Feuerstack, sowie Lev Yankelevich nach einem Erfolg über Gedeon Hartge. Im Spitzenduell der achten Runde gewann Rainer Buhmann im Mittelspiel einen Bauern. Daraufhin opferte Ferenc Langheinrich einen weiteren um auf der offenen g-Linie Drohungen gegen den weißen Monarchen aufstellen zu können. Eine Chance zwei Figuren für einen Turm zu erobern blieb ungenutzt und danach verteidigte sich Rainer Buhmann umsichtig und feierte den fünften Sieg in Folge. Alexander Donchenko hatte einen Freibauern auf b6 als großen Trumpf im Endspiel und nach einem falschen Verteidigungszug von Karl-Jasmin Muranyi war der Bauer nur noch unter Figurenopfer zu stoppen. Lev Yankelevich und Tobias Jugelt trennten sich unentschieden, während Andreas Heimann gegen Dr. Oswald Gschnitzer die Oberhand behielt. Damit gingen Alexander Donchenko und Rainer Buhmann mit einem Zähler Vorsprung vor Andreas Heimann, Ferenc Langheinrich, Tobias Jugelt und Lev Yankelevich in die letzte Runde. Dort begegneten sich Rainer Buhmann und Andreas Heimann am Spitzenbrett, doch schon nach zehn Zügen einigte man sich friedlich. Angesichts von drei Buchholzpunkten Vorsprung nutzte dies Alexander Donchenko umgehend zum Remisgebot, was von Tobias Jugelt auch akzeptiert wurde. Im Kampf um die Podest- und Preisgeldränge endeten auch die Partien zwischen Ferenc Langheinrich und Lev Yankelevich sowie zwischen Hagen Poetsch und Aljoscha Feuerstack unentschieden.
An den drei Buchholz-Punkten Vorsprung änderte sich nichts mehr und somit kürte sich Alexander Donchenko mit 7 Punkten zum Deutschen Schnellschachmeister 2019. Er hatte mit sechs Siegen auch die meisten Partien im Feld gewonnen. Rainer Buhmann blieb zwar als einziger ungeschlagen, aber drei Remis zum Auftakt waren dann doch zu viel für den Titel. Das Podest komplettierte Andreas Heimann mit einem Zähler Rückstand vor den punktgleichen Ferenc Langheinrich, Lev Yankelevich und Tobias Jugelt. Letzterer verpasste erst aufgrund der schlechteren Drittwertung die Preisgeldränge. Ein Quartett mit 5,5 Punkten bestehend aus Karl-Jasmin Muranyi, Aljoscha Feuerstack, Hagen Poetsch und FM Tobias Vöge (HSK Lister Turm) landete auf den Rängen sieben bis zehn, wobei Tobias Vöge von Position #29 der Setzliste den größten Sprung nach vorne machte.
Die Neumarkter starteten jeweils mit einem Unentschieden in den zweiten Turniertag. Lorenz Schilay teilte in einer unspektakulären Partie im mittelfränkischen Duell mit Helmut Luther (SW Nürnberg Süd/2007), der tags zuvor eigentlich als Zuschauer gekommen als Geradmacher eingesprungen war, den Punkt. Kevin Beesk war gegen FM Gerald Löw (TSV Bindlach Aktionär/2219) nach ausgeglichenem Verlauf im Endspiel wegen seines immobilen Läufers auf c8 unter Druck geraten, was schließlich Materialverlust zur Folge hatte. Aber er leistete zähen Widerstand und als sein Gegenüber die Vorentscheidung verpasste, ergriff Kevin Beesk den Strohhalm und opferte seinen Läufer für den letzten Bauern, so dass noch Springer und Läufer auf dem Brett verblieben. Prompt fand Gerald Löw, der das Endspiel in einer Turnierpartie noch nie auf dem Brett hatte, sich im Inkrement befindend den Gewinnweg nicht und nach 117 Zügen wurde Remis reklamiert. Das folgende vereinsinterne Duell wurde schnell friedlich mit einer Punkteteilung beendet, um Kraft für den Endspurt zu sparen. Dies machte sich für Kevin Beesk bezahlt und er feierte den erhofften Premierensieg gegen Edwin Fischer (SV Eiche Reichenbrand/2141). Dabei sah es lange nicht so gut aus für Kevin Beesk, stand er doch sehr passiv und verlor einen Bauern. Doch als seine Figuren endlich aktiv wurden, gelang es ihm ein Turmendspiel zu erreichen, in dem seine Freibauern – gleich drei an der Zahl – schneller waren als die beiden seines Kontrahenten.. Mit einem Remis zum Abschluss gegen Olaf Erlach (SSG Lübbenau/2053) kam er auf sehr starke vier Punkte und Rang 25, womit er seinen Setzlistenplatz um zehn Ränge verbesserte und fünf Titelträger hinter sich ließ. Lorenz Schilay unterlag in Runde acht Michael Herrmann (SK Freilassing/2149) nachdem er einen taktischen Schlag übersehen hatte und bekam danach doch noch das Freilos. Mit drei Punkten vermied er erfolgreich die rote Laterne und kam auf Rang 35.

Während beim offenen Turnier die vier DGT-Bretter stabil übertragen haben und alle 36 Partien komplett online gingen, setzte bei zwei der drei Übertragungs-Bretter der Damen das Bluetooth-Signal immer wieder aus, so dass die Partien meist zwischen Zug 10 und 20 verloren gingen und mangels Partiennotation natürlich auch nicht vervollständigt werden konnten.
In der Auftaktrunde setzten sich unisono die Favoritinnen durch und auch in Runde zwei behielt die höhere Wertungszahl zumeist die Oberhand. So gewann WGM Jessica Schmidt (Karlsruher SF 1853) gegen WFM Dr. Anita Stangl (SC Starnberg) und Titelverteidigerin Ulrike Rößler (SC 1994 Oberland) bezwang Carina Brandt (TV Fischbek Suederelbe). Alina Rath (SK König Tegel 1949) musste mit dem Taxi von Nürnberg nach Neumarkt fahren, um zumindest zur zweiten Runde rechtzeitig im Turniersaal zu sein, nachdem der ICE umgeleitet werden musste. Nach der stressigen Anreise gab es dann auch noch eine Niederlage gegen WFM Heike Germann (SC Empor Potsdam 1952). Diese unterlag in der folgenden Runde Ulrike Rößler, nachdem ein Abzug einen Bauern gekostet hatte. Am Spitzenbrett setzte sich Jessica Schmidt gegen WIM Annmarie Mütsch (SC Viernheim 1934) durch und auch WFM Lara Schulze (SK Lehrte von 1919) behielt ihre weiße Weste nach einem Erfolg über Carina Brandt. Einen Außenseitersieg gab es für Anke Freter (SK Norderstedt von 1975) gegen Simona Gheng (SF Deizisau). Im Spitzenduell der vierten Runde behielt Ulrike Rößler die Oberhand gegen Lara Schulze, wohingegen sich Jessica Schmidt der Bayerischen Vize-Meisterin Melina Siegl (SW Nürnberg Süd) geschlagen geben musste. Die Bayerische U12-Meisterin von 2017 Lisa Adelhardt (SC Erlangen 48/88) kam zu ihrem ersten halben Punkt gegen Alina Rath. Zum Abschluss des ersten Turniertags bekam die blütenweiße Weste der Titelverteidigerin doch noch einen kleinen Fleck in Form eines Unentschiedens gegen Jessica Schmidt. Dadurch rückten Dr. Anita Stangl, Melina Siegl sowie Annmarie Mütsch dank Siegen über Lara Schulze, Anke Freter und Simon Gheng auf einen halben Zähler an die Spitzenreiterin heran.
Zu Beginn des zweiten Turniertags musste Ulrike Rößler die Führung abgeben. Sie versuchte mit einer Fesselung einen Qualitätsverlust zu vermeiden, geriet dadurch aber in einen Abzugsangriff, der Annmarie Mütsch zwei Bauern einbrachte. Ulrike Rößler gab die Dame für zwei Türme, doch der zentrale Freibauer kostete am Ende weiteres Material. Dr. Anita Stangl gesellte sich mit einem Sieg über Melina Siegl zu Annmarie Mütsch an die Spitze, während das Verfolgerduell zwischen Jessica Schmidt und Lara Schulze remis endete. In Runde sieben setzte sich Annmarie Mütsch mit einem Erfolg über Dr. Anita Stangl mit einem Punkt von ihren Verfolgerinnen ab, da Ulrike Rößler auch gegen Melina Siegl eine Niederlage quittieren musste. Jessica Schmidt bezwang Anne Lukas (SK 1980 Gernsheim) und gesellte sich damit zum Verfolgerinnentrio und Anke Freter bezwang mit Heike Germann eine Titelträgerin. Die führende Annmarie Mütsch machte in der vorletzten Runde mit einem Erfolg über ihre Verfolgerin Melina Siegl einen Riesenschritt Richtung Titelgewinn, während Dr. Anita Stangl gegen Ulrike Rößler verlor. Einzig Jessica Schmidt war nach ihrem Sieg über Anke Freter noch in Schlagdistanz. Aber Annmarie Mütsch ließ nichts mehr anbrennen und sicherte sich mit einem Remis zum Abschluss gegen Lara Schulze den Meistertitel mit 7,5 Punkten. Jessica Schmidt spielte gegen Alina Rath remis, während die Verfolgerinnen unisono gewannen: Ulrike Rößler bezwang Simona Gheng, Dr. Anita Stangl setzte sich gegen Carina Brandt durch und Melina Siegl behielt die Oberhand gegen Heike Germann. Derweil beendete Lena Mader (SC Ramstein-Miesenbach) einen perfekten zweiten Turniertag mit einem Erfolg über Anke Freter – 4/4 nach 0/5 am Tag zuvor.
Jessica Schmidt wurde mit 6,5 Zählern Vize-Meisterin mit 1,5 Buchholz-Punkten Vorsprung auf Ulrike Rößler. Dahinter klassierte sich ein Trio mit 6 Punkten angeführt von Lara Schulze vor Melina Siegl und Dr. Anita Stangl, wobei die beiden Bayerinnen die einzigen unter den ersten Zehn ohne Remis-Partie waren. Alina Rath und die #16 der Setzliste Margarethe Wagner (Erfurter Schachklub) mit je 5 Zählern sowie Simona Gheng und Miriam Weimert (SG Turm Leipzig) mit 4,5 Punkten komplettierten die Top-10.
Eva Schilay konnte leider nicht an ihre starke Leistung bei den Bayerischen Frauen-Schnellschachmeisterschaften anknüpfen und fand in diesem Turnier nicht zu ihrem Spiel. Zu viele Denkfehler kosteten den ein oder anderen möglichen Punkt. Zum Auftakt hielt sie die Partie gegen die spätere Fünfte Melina Siegl (SW Nürnberg Süd/2018), die sich bei ihrem Duell bei der Bayerischen glücklich ins Remis retten konnte, lange ausgeglichen, riskierte dann aber zu viel und musste sich geschlagen geben. In der folgenden Runde gegen Anke Freter (SK Norderstedt von 1975/1828) übersah Eva Schilay einen Zwischenzug, wonach eine Fesselung eine Figur kostete. Gegen Rabea Schumann (SG Güstrow/Teterow/1922) stand Eva Schilay nach einem Bauernverlust mit dem Rücken zur Wand, aber nachdem ihre Gegnerin die versteckte Gewinnkombination nicht gefunden hatte, bekam Eva Schilay im Leichtfigurenendspiel den Bauern zurück und erzielte ein Remis. Trotzdem bekam sie danach das Freilos ehe sie in Runde fünf auf die aufstrebende Deutsche U12-Vize-Meisterin von 2018 Margarethe Wagner (Erfurter Schachklub/1749) traf. Dank der Kontrolle der e-Linie und der offenen Königstellung stand Eva Schilay sehr aussichtsreich, zumal sie auch zwei Minuten mehr auf der Uhr hatte. Doch im Zeitnotduell verlor sie den Faden und büßte einen Bauern ein. Mit ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett wäre zwar noch nicht aller Tage Abend gewesen, doch Eva Schilay überschritt die Bedenkzeit. Tags darauf geriet sie gegen Miriam Weimert (SG Turm Leipzig/1730) früh unter Druck und nach einem Abzugsangriff konnte sie die Stellung aufgrund der schwachen schwarzen Felder nicht halten. In den Runden sieben und acht kostete jeweils ein taktischer Überseher sowohl gegen Lena Mader (SC Ramstein-Miesenbach/1797) als auch gegen Sonja Noll (SC Caissa Schwarzenbach/1775) die Partie. In der letzten Runde gegen die Dritte der Bayerischen Meisterschaften Lisa Adelhardt (SC Erlangen 48/88/1418) übernahm Eva Schilay dank eines agilen Springers im Mittelspiel das Kommando und gewann letztlich dank einer Fesselung entscheidendes Material. Damit feierte Eva Schilay doch noch ihren ersten Sieg und kam mit 2,5 Punkten auf ihren Setzlistenplatz 18.

Mehr Bilder von Klaus Steffan

Comments are closed.