Vom 12. – 15. August findet die dritte Etappe der Challengers Chess Tour statt. Bei der Kramnik Challenge nehmen trotz dreier neuer Gesichter nur 16 Spielerinnen und Spieler teil, da derzeit viele Turniere wie bspw. die Frauen-Europameisterschaft parallel stattfinden.
Chess24 überträgt live, Spielbeginn ist jeweils um 16h.
Beim dritten Anlauf hat es geklappt. Nach den Rängen sechs und drei, konnte Vincent Keymer das dritte Turnier mit 11,5/15 gewinnen und qualifizierte sich damit für die nächste Etappe der Champions Chess Tour ab 28. August. Dabei glich die letzte Runde einer Achterbahnfahrt und war nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven…
Am ersten Tag holte Keymer 3,5/4 und übernahm die Führung. Dabei hatte er mit Christopher Yoo einen seiner ärgsten Kontrahenten bezwungen, benötigte aber auch viel Glück gegen Polina Shuvalova. Gegen sie stand Keymer vollkommen aussichtslos mit einem eingesperrten Läufer auf b1. Also griff er zu drastischen Maßnahmen: opferte zwei Bauern und den Läufer, um seine Dame aktiviert zu bekommen. Objektiv wurde dadurch seine Stellung zwar schlechter, aber die praktischen Chancen stiegen und tatsächlich entschlüpfte er ins Remis. Tag zwei begann mit einem weiteren Erfolg, aber in Runde sechs konnte er seinen Vortei im Endspiel nicht verwerten. Das Duell gegen den Setzistenersten Nodirbek Abdusattorov endete ebenfalls unentschieden, auch wenn Keymer mit zwie Mehrbauern im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern alles versuchte. Der große Dämpfer kam danach gegen Volodar Murzin, gegen den er in den beiden anderen Turnieren jeweils verloren hatte: im ausgeglichenen Endspiel griff Keymer fehl und verlor. Somit ging es mit einem halben Zähler Rückstand auf Awonder Liang und Abdusattorov in den dritten Turniertag. Keymer erzielte wiederum 3,5/4, wobei er diesmal sogar einen halben Zähler liegen ließ. Doch auch Liang holte 3,5 Punkte und verteidigte damit seinen Vorsprung. Zum Auftakt des letzten Turniertags gewann Keymer seine Partie, doch Liang drehte eine schlechte Stellung gegen Murzin. In Runde 14 kam es dann zum direkten Duell und Keymer baute seinen positionellen Vorteil Schritt für Schritt aus und ließ seinem Gegenüber keine Gegenspielmöglichkeiten. Damit hatte Keymer mit 11 Punkten die Führung übernommen, vor Liang (10,5) sowie Abdusattorov und Yoo (je 10). Dank des gewonnenen direkten Vergleichs, reichte Keymer ein Remis in der letzten Runde und für den Fall dass Liang nicht gewinnt, war Keymer in jedem Zweier- und Dreiervergleich dank der besseren Feinwertung (nach dem direkten Vergleich kommt die Anzahl der Siege) vorne. Aber die Achterbahn der letzten Runde nahm Fahrt auf… Keymer übersah einen taktischen Schlag gegen Dinara Saduakassova, musste eine Quali geben und stand auf Verlust. Daher richteten sich die Blicke auf die Partie zwischen Liang und Balaji Daggupati, in der Letzterer langsam die Initiative übernahm. Zudem war es Keymer gelungen mit seinem Läuferpaar die Turmlinien zu verstopfen, einen Bauern zu gewinnen und damit die Stellung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aber er ließ sich zu einem Springermanöver hinreißen, das ihm letztlich eine Minusfigur für zwei Bauern bescherte und ob der Königsstellung sah es nun wieder zappenduster aus. Zu allem Überfluss hatte Daggupati zuerst seinen klaren Vorteil verspielt und dann eine Figur eingebüßt, so dass Liang die Führung übernahm. Zum Glück tauschte Saduakassova die Damen und nach langen vergeblichen Versuchen Keymers Verteidigung zu knacken auch die Türme, so dass das notwendige Remis zum Turniersieg unter Dach und Fach war.
