Vereinspokal, erste Runde

Posted by Mattias Birkner in Allgemein, Saison 23/24, Turniere 23/24 | Kommentare deaktiviert für Vereinspokal, erste Runde

Gestern startete der erste Vereinspokal in der Geschichte des Schachklubs Neunarkt. Immerhin 15 Teilnehmer fanden sich ein, um das 16er Startfeld zu füllen, Der 16. Startplatz wurde also einem Herrn Bye zugeteilt (aka Freilos), der natürlich kein Mensch ist und auch kein Schach spielt, gemäß der Worte des Weltmeisters Fischerle, die ihm Elias Canetti in seinem 1936 erschienen Roman „Die Blendung“ in den Mund gelegt hat:

Ein Mensch, was ka Schach spielt, ist ka Mensch… Wozu hat ein Mensch den Kopf?…Zum Schach hat er den Kopf

Über den Wirrkopf Fischerle liesen sich Seiten füllen, doch zurück zu uns Normalos. Erfreulicherweise ist das Feld hochklassiger besetzt als üblicherweise bei Vereinsmeisterschaften, was man zwei Aspekten zuschreiben kann. Erstens spielen wir mit verkürzter Bedenkzeit von 60 Minuten pro Partie und 30 Sekunden Zuschlag pro ausgeführtem Zug. Damit werden die Partien am Freitagabend nicht bis in den nächsten Morgen laufen und man kann der Familie am Frühstückstisch vorjammern, was für einen Schrott man gegen den Patzer XY wieder zusammengespielt hat. Zweitens verzichten wir diesmal auf eine DWZ-Auswertung, was hoffentlich ein unbeschwerteres Spiel ermöglicht. Für Nicht-Schachspieler muss man an dieser Stelle erläutern, dass für uns Schachspieler die Spielstärke-Wertungszahl so etwas ist wie der Mühlstein für Hans im Glück: wir halten sie für äußerst wertvoll, aber sie kann uns auch echt runterziehen, und wenn wir ohne sie spielen, sind wir erleichtert und glücklich.
Der Vereinspokal wird als Doppel-KO-System ausgetragen, das heißt man scheidet erst nach der zweiten Niederlage endgültig aus.

Martin vs. Erwin – historisches Drama


Martin Simon und Erwin Hirn trennten sich in ihrer Partie unentschieden nach langem, ausgeglichenen Verlauf. Erst kurz vor Schluss lies sich Martin eine siegbringende Taktik entgehen, die ihm einen ruhigen Abend beschieden hätte.

Nach 37.Te1 hätte 37…Lxg3! Martin den Sieg bringen können,
weil das Dame/Turm-Gespann gegen den entblößten weißen König
fatal gewirkt hätte. Martin zog stattdessen 37…Dg4?.

Stattdessen stand der erste Tiebreak des Turniers an, zunächst mit zwei Blitzpartien (3 Minuten + 2 Sekunden pro Zug). In der ersten Partie stand Martin haushoch auf Gewinn als er einen Turm einstellte und Erwin die Partie für sich entschied. Unter Siegzwang konnte Martin dann die zweite Partie ziemlich souverän für sich entscheiden. Damit war es Zeit für die erste Armageddon-Partie der Vereinsgeschichte. Armageddon ist quasi so etwas wie das Golden Goal im Fußball: Weiß (Erwin) bekommt 5 Minuten (ohne Zeitzuschlag), Martin (Schwarz) nur 4 Minuten. Dafür muss Erwin aber gewinnen, um in die nächste Runde einzuziehen.Die Strapazen sind beiden Spielern anzumerken. Vor allem der fehlende Bonus pro Zug ist ungewohnt und die Uhr tickt unerbittlich runter. Wenn Schach kein Sport sein soll, dann weiß ich auch nicht, was es noch braucht. Letztendlich hatte auch hier Martin das bessere Ende für sich und zieht ins Viertelfinale ein, Erwin rutscht in den „2.Chance-Zweig des Turniers. Nicht umsonst war das Golden Goal wegen „seelischer Grausamkeit“ umstritten, aber unser Armageddon liefert wenigstes den notwendigen Entscheid auf schachsportliche Art (besser als das Ausscheiden Robert Hübners aus dem Kandidaten-Viertelfinale 1983 gegen Wassily Smyslov durch eine Roulettekugel).

Jozef vs. Mattias – ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!

Gegen den an drei gesetzten Jozef Smyk, konnte Mattias eigentlich fast nur auf einen lucky punch hoffen, allerdings machte schwarze Stellung schon bald einen miserablen optischen Eindruck. Das deutsche Vokabular ist fast zu schmal sie angemessen zu beschreiben. Grässlich. Grässlich kommt dem vielleicht nahe. Die Bauernstruktur am Damenflügel sprach früh für ein gewonnenes Endspiel für Weiß.

Schaut grässlicher aus, als es wirklich ist. Sind die Pferdchen
erst richtig postiert und der Läufer im Spiel, ist Die schwarze
Stellung noch spielbar. Allerdings wird letztlich die schwache
Bauernbasis auf b7 das Spiel für Weiß entscheiden.

Durch kuriose Dressureinlagen seiner Pferde (von b8 über d7, f8 nach e6, und von g8 über f6,h5,f6 nach g6) konnte sich Mattias etwas stabilisieren (und hatte auch gut 10 Minuten Vorsprung auf der Uhr) und Jozef brachte sich durch eine Fesselung in ein unangenehme Situation, an deren Ende Mattias einen Bauern gewonnen hatte.Die Stellung hätte alles in allem OK sein sollen, doch Mattias erlaubte Jozef den Einfall seines Turms auf die 8. Reihe und alsbald war die Messe gelesen.
Die verkürzte Bedenkzeit erhöht gegen Ende der Partien den Druck deutlich, weil man dann nur noch von den 30 Sekunden Bonus lebt, was der fleißige Partieneinleser büßen muss.

Partienotation am Anfang (links) und Ende (rechts) der Partie.

Ivan vs. Ralf – auch Du, mein Sohn?

Ivan Krushevsky hat gerade eine ziemlicherfolgreiche Beirksmeisterschaft hinter sich (4. Platz) und entsprechendes Selbstvertrauen getankt, um dem Setzliste-Ersten Ralf Seitner unerschrocken gegenüberzutreten.Die Partie plätscherte zunächst in eher ruhigen Bahnen dahin, mit leichtem Vorteil für Schwarz. Ivan entschied sich dann jedoch aus heiterem Himmel für einen Einschlag auf h6, um dem König, und damit dem Primus, den Dolch in den Rücken zu rammen.

Das verwegene 44. Lxh6? mit anschließender
Springergabel auf f5 geht nicht gut aus, weil der
weiße König auch nicht sicher steht.

Das Vorgehen war nicht ganz korrekt und Ralf konterte den luftigen weißen König aus und holte sich den Sieg.

Christoph vs. Andi – mach Dich nackig, Bro.

Christoph Reger kam die schwere Aufgabe zu, Andi Hierls Höhenflug (dritter Platz bei der Bezirksmeisterschaft) zu stoppen. Die Partie verlief lange Zeit ausgeglichen, bis sich Christoph fatalerweise entschied, mit einem Bauernzug den eigenen König zu entblößen. Die einfallende Dame im Duett mit dem Springer holten für Andi den Punkt.

Lorenz vs. F.X. – Vatermord durch den verlorenen Sohn

Dem in dieser Saison zurückgekehrte Lorenz Schilay gelang gegen F.X. Beer der erste Sieg in einem Vereinspokal des SKN. F.X. übersah früh einen verdeckten Abzug und büßte Material ein, bald darauf ging noch mehr verloren und Weiterspielen war sinnlos.

Paul vs. Thomas – Parlez-vous francais?

Thomas Hummel als Schwarzem misslang gegen Paul Neppert seine Aljechin-Verteidigung gründlich und er fand sich unverhofft in einem grässlichen Franzosen wieder, in dem Paul ihm langsam die Luft abschnürte. Nach einem hübschen taktischen Schlag büsste Thomas Material ein, und der in der Mitte verbliebene König wurde zu Pauls Zielscheibe.

Nach dem Schlag 25. Sxh5 gehen bei Schwarz die Lichter aus.

Wolfgang vs. Philipp – die zwei Türme

Einen souveränen und unspektakulären Sieg holte sich Wolfgang Brunner gegen Philipp Kaufmann, indem er geschickt abtauschte und schließlich seine zwei Türme die einzige offene Linie kontrollierten. Nach einem Bauerngewinn, war die technische Siegführung im Turmendspiel eine Fingerübung.

Der erste Spieltag war unterhaltsam, dramatisch und abwechslungsreich, und macht Lust auf mehr. Der nächste Spieltag findet am kommenden Freitag, 08.03.2024 um 19:30 Uhr statt.

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