Vereinspokal Tag 4

Posted by Mattias Birkner in Allgemein, Saison 23/24, Saison 23/24, Turniere 23/24, Turniere 23/24 | Kommentare deaktiviert für Vereinspokal Tag 4

Am vierten Tag des Vereinspokals wurden nur wegen Verlegungen und Absagen nur drei Partien gespielt.Wolfgang Brunner muss sich leider aus persönlichen Gründen vom Turnier zurückziehen, was Sebastian sein drittes kampfloses Weiterrücken beschert. Man witzelt schon, wie viele Partien Sebi verlieren müsse, um am Ende den Pokal zu gewinnen (nach aktuellem Stand: 2 Niederlagen, ein Sieg würden reichen).

Philipp vs. Thomas – Aljechins feuchter Traum

In der Partie von Philipp Kaufmann gegen Thomas Hummel probierte Thomas es mal wieder mit der Aljechin-Verteidigung, wobei sich die Grundidee des vierten Weltmeisters auf Trefflichste erfüllte: die weißen Bauern nach vorne locken, damit sie anfällig werden und der Schutzwall der weißen Stellung porös wird.

Nach Philipps 13.Kc3 sind nur der König und ein Läufer „entwickelt.“
Hier hätte 14…Txd4 schnell gewonnen, aber auch Thomas 14…f6 sorgt
für einen schnellen Zusammenbruch.

Nach 18 Zügen war das Gemetzel zu Ende und Thomas belegt in der Schlusstabelle Rang 13, Philipp Rang 14.

F.X. vs. Ivan – Waagschalen

Anfang der 1990er Jahre brachte ChessBase sein Schachprogramm Fritz 3 (unter DOS) auf den Markt. Als damals begeisterter Schachjünger hatte ich meinen Spaß an der automatischen Textkommentierung von eingegebenen Partien. Einer von Fritzens Lieblingssprüchen bei der Kommentierung meiner juvenilen Kreisklassepartien war:“wild schwanken die Waagschalen.“ An der Partie von F.X. Beer gegen Ivan Krushevsky hätte Fritz seine helle Freude gehabt. Der Enginebalken zeigt wilde Ausschläge von -2 nach +2, ehe das Spiel in ein ruhiges Endspiel verflachte und der Punkt geteilt wurde.

Nachdem F.X. ein Bauernfrühstück am Damenflügel ausgelassen hatte,
hätte Ivan nach 14.Lc4? mit 14…Se5! (mit Angriff auf den Läufer und g2)
den Bauern g2 gewinnen können, weil die Deckung mit 15. Lf1 wegen
der drohenden Gabel auf d3 nicht funktioniert.

Im anschließenden Tiebreak zeigte sich wieder einmal, dass gepflegte Seniorität gegen jugendliches Schnelldenkertum einen schweren Stand hat, gewann Ivan doch beide Blitzpartien auf Zeit, um es nicht mit Goethe zu sagen:

Hat einer dreyßig Jahr vorüber, So ist er schon so gut wie todt. Am besten wärs, euch zeitig todtzuschlagen.

J.W. v. Goethe, Faust II

Mattias vs. Martin – logisch

Ich liebe das Schachspiel, weil es so logisch ist.

Efim Bogoljubow

Früher mal – in des Autor Jugend – galt die russische Verteidigung als „Remis-Autopilot“. Dass das eine krasse Fehleinschätzung ist, zeigte die Halbfinalbegegnung zwischen Mattias und Martin Simon, wo bereits nach 10 Zügen eine IQP-Struktur entstanden ([ei kjuh pih] isolated queen’s pawn , isolierter Damenbauer auf d4, keine Bauern auf der c- und e-Linie). Diese Struktur verspricht Weiß ein aktives Spiel gegen den Königsflügel mit den logischen Plänen:

  • Batterie Dame – Läufer auf der Diagonale b1-h7
  • Springervorposten auf e5
  • evtl Turmtransfer über e1 und e3 nach g3
  • ggf. Durchbruch mit d4-d5

Aber auch die schwarzen Pläne ergeben sich logisch aus der Struktur:

  • Abtausch des starken weißfeldrigen Läufers
  • generell Figurentausch, weil im Endspiel der isolierte Bauer schwach wird
  • Blockade des Bauern mit Sd5

Mit der Ei Kjuh Pih war die Bühne bereitet für eine interessante Partie, spätestens um den 14. Zug Fahrt aufnahm.

Nach Martins 14…Lb4 wäre 15.Ld2 natürlich gewesen, aber der Abtausch
des nach h6 schielenden Läufers wäre im Sinne des Schwarzen gewesen,
weshalb das Qualitätsopfer 15.Txe6 logisch ist. Auch wenn daraus nichts Konkretes
folgt, schwächt es die weißen Felder um den schwarzen König und nötigt
Schwarz zu großer Vorsicht.

Martin verbrauchte in der Folge einen Großteil seiner Bedenkzeit und Mattias hatte im Mittelspiel meistens 20 Minuten mehr auf der Uhr. Beide Spieler verpassten in der Folge Möglichkeiten zum Vorteil, aber immerhin konnte Mattias die Qualität zurückgewinnen, und das Spiel mündete in ein Endspiel Läufer gegen Springer mit entfernten Freibauern.

Um den fünfzigsten Zug machte sich Mattias noch Hoffnung in
Martins Zeitnot (<1 Minute) mit dem langreichweitigen Läufer
und dem aktiven König etwas rauszuholen. Aber nach den
Gesetzen der Logik ist diese Stellung totremis.

Nach dem fälligen Friedensschluss stand also auch hier ein Tiebreak an. Da kann man sich noch so jugendlich und schnelldenkerisch fühlen, gegen Martin hilft das alles nichts. Mattias verlor die erste Blitzpartie in guter Stellung auf Zeit, in der zweiten war nicht mehr als ein Remis drin.

Irgendwie unlogisch.

Ich liebe das Schachspiel, weil es so unlogisch ist.

Savielly Tartakower

Martin steht somit im zweiten Halbfinale mal wieder gegen Andi Hierl und durch Wolfgangs Rückzug endet Mattias Turnier auf Platz 7.

Nächste Runde

Die nächste Runde findet am Freitag, 26.04.2024 um 20 Uhr statt.

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