Zum Auswärtskampf ins entfernte Rothenburg o.d. Tauber musste unsere zweite Mannschaft, um gegen die erfahrene zweite Mannschaft des SK Rothenburg zu spielen, die schon seit vielen Jahren in der zweiten Bezirksliga spielt. Trotzdem gehört Rothenburg 2 zur nominell schwächeren Hälfte der Liga und wir machten uns Hoffnungen auf einen Sieg.
An Brett 1 kam Andi Hierl zu seinem ersten Spitzenbretteinsatz in der Bezirksliga, bei dem er seinen Gegner mit einem ruhigen, positionellen Aufmarsch am Königsflügel unter Druck setzte. Mit einem feinen Bauernopfer erzwang er die „Halböffnung“ der Linie vor dem gegnerischen König, und dem Druck konnte Andis Gegner schließlich nicht mehr standhalten.

und der Druck gegen den schwarzen König führt schnell zum Zusammenbruch.
In die Zwischenzeit war Winfried Weber an Brett 2 mit zwei Bauern in Rückstand geraten, weil er einen Bauern geopfert und einen verloren hatte, so dass hier zunächst mal eine unerfreuliche 3 gegen 1 Bauernmehrheit gegen Winnie stand.
Mattias Birkner hatte sich an Brett 4 anstatt für die Rochade für unnütze Damenzüge entschieden, so dass sich eine Batterie von Türmen und Dame gegen seinen in der Mitte steckengebliebenen König aufbaute. Mit einer gefühlten „plus 10″ Stellungsruine gegen sich war Mattias‘ primäres Ziel:“nur nicht als erster verlieren“. Die Schachwelt ist voller Bonmots zum Thema „Aufgeben“:
Durch Aufgeben wurde noch nie eine Partie gewonnen. [Tartakower]
Das Reich des Schachproblems beginnt da, wo die Schachpartie zum Aufgeben reif ist. [Otto Dehler]
Man sollte niemals aufgeben – oder verzweifelt sein – solange nicht völlig sicher ist, dass der Gegner einen zwingenden Weg zum Sieg hat. [Andrew Soltis]
Es ist überraschend, dass man in vielen Fällen die Partie zweimal gewinnen muss, bevor man seinen Zähler verbuchen kann. Zuerst muss der Spieler seinen Gegner strategisch schlagen, indem er ihn in klaren Stellungsnachteil bringt oder ihm einen Bauern oder mehr abnimmt. Veranlasst dies den Gegner nicht zum Aufgeben, muss er ihn auch in taktischer Hinsicht besiegen. In der Praxis erkennen die Schachfreunde nicht immer die Bedeutung dieser zweiten Partiephase. Sie neigen zu der Überzeugung, dass sie nach Erlangen eines strategischen Sieges ohne ihr Zutun gewinnen müssten. [Max Euwe]

baldigem Zusammenbruch aus.
Zwischenzeitlich hatte F.X. Beer an Brett 3 ein Remis gemacht, und sich damit von seinem Fauxpas in Runde 1 erholt gezeigt.Ivan Krushevsky an Brett 5 war trotz einer zwischenzeitlichen Mehrfigur in ein verlorenes Turmendspiel geraten. Dafür sah es an den Brettern 6 bis 8 gut für uns aus.
Nach etwa 4 Stunden Spielzeit stand es 3,5:1,5, weil Ivan verloren hatte und Thomas und Christian an den Brettern 6 und 7 überzeugend den vollen Punkt holten.
Winnie hätte am Schluss noch einen schwer zu sehenden Trick ins Remis gehabt, musste aber dann doch die Waffen strecken. 3,5:2,5.

1. entweder beide Springer vom Brett verschwinden und der wK den
Bauern c7 wegen dauernder Schachgebote nicht unterstützen kann und
Schwarz eigene Freibauern bildet (Durch die Mattdrohung Kf3 entflieht
der sK rückwärtigen Schachgeboten)..
2. oder ein Endspiel T+S gegen Turm+ 2 Bauern entsteht.
Maria Schilay bewies unterdessen, dass sie an Brett 8 eine Bank ist. Mit einer Bauernwalze rollte sie den weißen Königsflügel auf und setzte ihren Gegner nach 29 Zügen Matt. 4,5:2,5.

nachdem sein letzter Schutzbauer entfernt wurde.
Mattias konnte sich inzwischen aus der Umklammerung seines Gegners lösen, und weil dieser – angesichts des Spielstandes – ein Remis durch Dauerschach verschmähte in ein besseres Endspiel überleiten. Leider tauschte Mattias hier vorschnell die Läufer für ein reines Turmendspiel. „Alle Turmendspiele sind Remis!“, sagte Dr. Tarrasch, was natürlich nicht stimmt, aber das Remispotential liegt immer in der Luft, wie die folgende lehrreiche Stellung zeigt:

Weiß zog den Verlustzug 57. Ke3?? und erreicht g2 nicht schnell genug:
57…a2 58.Kf2 Th1 59. Txa2 Th2+ mit Turmverlust.
So einen Sieg will man eigentlich nicht geschenkt haben, aber – um mit Max Euwe (s.o.) zu sagen: Es reicht eben nicht die Partie strategisch zu gewinnen oder theoretisch Remis zu halten…
So steht am Ende ein wohlverdienter 5,5:2,5 Sieg mit einer kompakten Mannschaftsleistung, die Spaß auf mehr macht.