Weltmeisterschaft Ding Liren – Gukesh Dommaraju 6,5 : 7,5

Posted by Sebastian in Saison 24/25 | Kommentare deaktiviert für Weltmeisterschaft Ding Liren – Gukesh Dommaraju 6,5 : 7,5

Gukesh Dommaraju setzt sich mit 7,5:6,5 gegen Titelverteidiger Ding Liren durch und ist damit der 18. Weltmeister der Schachgeschichte und das als mit 18 Jahren jüngster Titelträger aller Zeiten. In der Pressekonferenz enthüllte er sein Team, zu dem auch Vincent Keymer gehört.

Vom 25. November – 13. Dezember findet in Singapur der nächste Kampf um die Weltmeisterschaft zwischen Titelverteidiger Ding Liren und dem mit 18 Jahren jüngsten Herausforderer der Geschichte Gukesh Dommmaraju statt. Ding hatte sich 2022 in einem spannenden Duell gegen Ian Nepomniachtchi durchgesetzt und zum 17. Weltmeister der Schachgeschichte gekrönt. Doch die Strapazen forderten ihren Tribut, Ding kämpft seitdem mit physischen und psychischen Problemen und war bei seinen wenigen Auftritten am Brett weit von seiner Bestform entfernt. Deshalb sehen viele den jungen Herausforderer in der Favoritenrolle. Gukesh hatte sich etwas überraschend beim Kandidatenturnier 2024 durchgesetzt, wobei er erstaunliche Nervenstärke bewies. Bei der Schacholympiade im September führte er Indien am Spitzenbrett mit 9/10 (Leistung 3056) zur ersten Goldmedaille und war im Oktober kurz davor die 2800 ELO-Marke zu knacken. Gukesh macht einen abgeklärten Eindruck, doch ein Zweikampf um den WM-Titel ist nochmal eine andere Geschichte. Der derzeitige Schach-Boom in Indien (Podcast Sport Inside zu diesem Thema führt zu hohen Erwartungen und die Bilanz im direkten Vergleich ist mit nur einem Remis aus drei Partien negativ, u.a. unterlag Gukesh im Januar in Wijk aan Zee einem Ding außer Form. Nichtsdestotrotz wird Ding diese dringend benötigen, insbesondere wenn Gukesh keine Nerven zeigt. Ab Montag wird sich zeigen, wer seine Fähigkeiten besser aufs Brett bekommt.

Gespielt werden bis zu 14 Partien, im Falle eines Gleichstands müssen am 13. Dezember Stichkämpfe in Schnell- und Blitzschach eine Entscheidung bringen. Die Bedenkzeit beträgt 2h für 40 Züge und danach 30 Minuten mit einem Zeitaufschlag von 30 Sekunden ab Zug 61.

Live-Übertragung bei Chess24 mit GM Judit Polgar / GM Peter Leko und GM Daniel Naroditsky / GM Robert Hess / GM Anish Giri
Live-Übertragung FIDE mit GM David Howell und IM Jovanka Houska
Live-Übertragung bei Chess24 Deutsch mit GM Jan Gustafsson und IM Steve Berger
Live-Übertragung bei Chessbase India mit IM Sagar Shah und IM Tania Sachdev
Live-Übertragung bei TakeTakeTake mit GM Jon Ludvig Hammer


Normalerweise ist die Auftaktpartie bei einer Schach-WM eher ein Abtasten – zuletzt holte Veselin Topalov gegen Viswanathan Anand 2010 einen Sieg – doch diesmal gab es Spektakel. Ding wählte Französisch, womit er gegen Nepo Partie sieben verloren hatte und Gukesh überraschte mit 6. Sce2. Dies führte dazu, dass Ding an Zug sieben über 27 Minuten überlegte und es schienen die Stimmen Recht zu behalten, die Ding einen schweren Stand bescheinigten. Ding zögerte und wirkte unsicher, seine Körpersprache ließ nichts Gutes erahnen. Gukesh ist bekannt dafür immer auf Sieg zu spielen und sicher wollte er mit Weiß gleich ein Ausrufezeichen setzen, um Ding gleich einen schweren Schlag zu versetzen. Entsprechend expandierte Gukesh am Königsflügel, doch Ding fand einen guten Aufbau und hielt am Damenflügel dagegen. Allerdings hatte er bis zu eine Stunde weniger auf der Uhr, doch nun überlegte auch Gukesh an einem Zug eine halbe Stunde lang. Trotzdem hatte er den Zug 18. Sb2 unterschätzt, wonach Ding die Inititaitve übernahm. Die Stellung wurde unangenehm und auch der Zeitvorteil war dahin. Ding sammelte zwei Bauern ein und als Gukesh im 30. Zug Lc5 ausließ, was ob des in der Mitte verbliebenen schwarzen Königs noch Chancen bot, war die Messe gelesen. Allen Unkenrufen zum Trotz hat Ding damit erstmals seit Januar wieder eine klassisches Partie gewonnen und nun muss Gukesh zeigen, ob er mit diesem Rückschlag ähnlich souverän umgeht wie beim Kandidatenturnier nach seiner Niederlage gegen Alireza Firouzja.

Partie 1: Gukesh – Ding 0:1 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Die zweite Partie verlief in wesentlich ruhigeren Bahnen. Dabei hatte Ding mit 9.a5 provoziert, doch Gukesh ließ sich nicht dazu verleiten, einen Bauern zu nehmen und sich von einem bestens vorbereiteten Ding die Kompensation zeigen zu lassen. Nach 13 Zügen waren die Damen vom Brett, es gab eine offene Linie und beide hatten ein schönes Zentralfeld auf d4 bzw. d5 für ihre Springer. Die Stellung sah unscheinbar aus, hatte aber das Potential schnell für eine Seite in die Binsen zu gehen. Entsprechend wollte keiner ins Risiko gehen und nach einer Zugwiederholung war nach 23 Zügen das Remis besiegelt.

Partie 2: Ding – Gukesh 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

In der dritten Partie eröffnete Gukesh mit d4 und diesmal sorgte er mit h3 und g4 im abgelehnten Damengambit für die Provokation. Ding nahm sich Zeit, tauschte die Damen und schickte seinen Läufer nach c2, was wie eine Reise ohne Wiederkehr aussah. Nach 13 Zügen hatte Ding eine Stunde weniger auf der Uhr, aber nach einer Ungenauigkeit seitens Gukesh war er drauf und dran diesen vor Probleme zu stellen. Doch er wählte nicht die beste Fortsetzung, da er 23. Se2 übersehen hatte, wie er auf der Pressekonferenz berichtete. Nun musste er den Lc2 für zwei Bauern geben, wonach Gukesh seinen Vorteil präzise ausbaute. In schon aussichtsloser Stellung überschritt Ding im 37. Zug die Bedenkzeit und damit ist der Wettkampf wieder ausgeglichen. Nach einem Ruhetag am Donnerstag folgen die nächsten drei Partien.

Partie 3: Gukesh – Ding 1:0 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Auch in seiner zweiten Weißpartie hatte Ding mit der Keymer-Eröffnung eine Überraschung parat, aber Gukesh fand eine gute Aufstellung und alsbald musste Ding aufpassen, nicht noch in Schwierigkeiten zu geraten. Am Ende war ein Turmendspiel auf dem Brett, in dem für keinen der beiden mehr etwas zu erreichen war.

Partie 4: Ding – Gukesh 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Wie in der Auftaktpartie wählte Gukesh wieder e4 und zur Überraschung – und Kritik – vieler die Abtauschvariante gegen den Franzosen von Ding. Das unvermeidliche g4 ließ zwar etwas auf sich warten, kam aber im 17. Zug wieder aufs Brett, wodurch Gukesh die Partie am Leben halten wollte. Doch ein paar Züge später entschied er sich für den falschen Schlagzug, da er 23. Sd3 unterschätzte. Dadurch bekam Ding einen gedeckten Freibauern auf d3 und Gukesh drohten ernsthafte Schwierigkeiten. Aber Ding übersah die beste Fortsetzung, Gukesh bekam ein wichtiges Tempo um den Freibauern loszuwerden und nach der Abwicklung ins Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern war das Remis unterschriftsreif.

Partie 5: Gukesh – Ding 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

In Partie sechs wählte Ding das Londoner System und Gukesh ließ sich auf eine Variante ein, in der er eine ganze Reihe von einzigen Zügen finden/wissen musste. Gukesh meisterte diese Aufgabe und nach 20 Zügen war ein Schwerfigurenendspiel auf dem Brett. Hier bot Ding eine Zugwiederholung an, aber Gukesh wich aus, wonach Ding hätte Druck ausüben können. Doch wie schon zuvor gelang ihm das nicht und schließlich gab es doch ein Remis durch Zugwiederholung. Nach drei Remispartien in Folge ist am Montag der zweite Ruhetag, ehe ab Dienstag der nächste „Runden-Dreierpack“ ansteht.

Partie 6: Ding – Gukesh 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Hatte zuletzt zweimal Ding die Chance auf Sieg zu spielen, war es diesmal Gukesh der eine Möglichkeit verpasste in Führung zu gehen. Mit 7.Te1 beschritt Gukesh neue Pfade (anscheinend hat Rasmus Svane diese Variante schon beim Titled Tuesday gespielt) und es entsponn sich eine spannende Partie. Im Mittelspiel fand Gukesh einen Weg unangenehme Fragen zu stellen, doch in Richtung erster Zeitkontrolle verflachte der Vorteil wieder. Nach einem Klassiker – Fehler im 40. Zug – hing Ding wieder in den Seilen und das Endspiel mit Mehrbauer und besserer Bauernstruktur machte den Anschein, als würde sich Gukesh diese Chance nicht entgehen lassen. Allerdings gab es eine erste Ungenauigkeit, Ding fand eine starke Verteidigungsidee, woraufhin direkt der nächste Zug den ganzen Vorteil vergab. 26 Züge später war bis auf einen Läufer alles abgetauscht und damit steht es zur Halbzeit 3,5:3,5.

Partie 7: Gukesh – Ding 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

In der achten Partie wartete Gukesh mit einem interessanten Eröffnungskonzept auf und wieder war es Ding, der deshalb auf der Uhr unter Druck geriet. Das harmlos anmutende 22. Tb1 brachte ihn dann auch auf dem Brett in Schwierigkeiten, Gukesh gewann einen Bauern und hatte ein Freibauernpärchen auf a5 und b5. Doch Ding hatte ein starkes Läuferpaar und nachdem der falsche schwarze Sppringer nach c5 gezogen wurde, kosteten die Fesselungen eine Qualität. Ding dachte aber wie schon in anderen Partien zuvor nicht, dass er besser stehen würde und bot eine Zugwiederholung an. Zur Überraschung aller wich Gukesh aus, aber nachdem Ding die Quali zurückgegeben hatte um die Freibauern vom Brett zu bekommen, waren einzig ungleichfarbige Läufer verblieben.

Partie 8: Ding – Gukesh 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Nach zwei hochinteressannten und spannenden Partien, ließen es die beiden Kombattanten heute etwas ruhiger angehen. Gukesh wählte im Gegensatz zu den letzte beiden Tagen eine gängige Eröffnungsvariante, was Ding nicht davon abhielt wieder bis zu 40 Minuten auf der Uhr in Rückstand zu geraten. Im Mittelspiel sah es kurz danach aus, als würde Gukesh Druk ausüben können, aber Ding fand erneut eine gute Verteidigung und hatte nach der Abwicklung ins Endspiel sogar Raumvorteil. Er probierte es noch ein wenig bis im 54. Zug nur noch die Könige auf dem Brett standen. Damit endete auch dieser Dreierpack mit drei Punkteteilungen. Es folgt der dritte Ruhetag, ehe von Samstag bis Montag die Runden 10 – 12 auf dem Programm stehen.

Partie 9: Gukseh – Ding 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Ein ruhiges Remis ohne besondere Vorkommnisse gab es bislang noch nicht bei diesem Wettkampf, am zehten Spieltag war es soweit und damit steht es vier Runden vor Schluss nun 5:5.

Partie 10: Ding – Gukesh 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Nach der ereignisarmen Partie gestern war heute Drama angesagt. Gukesh überraschte Ding früh, so dass dieser für Zug 4 38 und Zug 5 22 Minuten investierte. Jedoch brachte Gukesh seine Vorbereitung durcheinander und tauchte in Zug 11 selbst für 60 Minuten ab, um den Schaden zu begrenzen. Die Stellung war kompliziert und im 15. Zug schlug Ding mit g6 anstatt e6 den falschen Weg ein, wonach er auf der Uhr und am Brett unter Druck geriet. Dies mündete in einen kapitalen Einsteller in Zug 28 und damit übernimmt Gukesh erstmals die Führung.

Partie 11: Gukesh – Ding 1:0 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Die große Frage vor der heutigen Partie war, würde Ding nach dem Einsteller am Vortag psychisch einbrechen. Und wieviel Risiko ist Gukesh bereit einzugehen, um das Match bereits heute zu entscheiden? Tatsächlich wählte Gukesh nicht den soliden Ansatz, aber seine Stellung sah zunächst unverdächtig aus. Ding koordinierte seine Figuren für den Zentrumsvorstoß und in dieser Phase kam Gukesh vom Weg ab. Danach entfalteten alle weißen Figuren ihre Wirkung und es war ein Spiel auf ein Tor. Damit geht es mit einem Gleichstand in den letzten Ruhetag, ehe die letzten beiden Partien zu spielen sind.

Partie 12: Ding – Gukseh 1:0 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

In der vorletzten Partie wiederholte sich das bekannte Szenario: Gukesh wartete mit einer neuen Idee in der Eröffnung auf, Ding muss daraufhin eine gute Stunde investieren, findet einen guten Ansatz und Gukesh verliert den Zeitvorsprung wieder. Diesmal wiederholte Gukesh die Variante aus der Auftaktpartie aber ohne f4 und stattdessen mit a3. Er übte Druck aus und Ding vermittelte teilweise den Eindruck, als würde er auf Verlust stehen. Die beste Chance gab es in Zug 31, als Gukesh den folgenden Turmzug übersah und deshalb vorher ein Turmpaar hätte tauschen müssen. So entstand ein Turmendspiel mit 3:2 Bauern für Gukesh auf dem Königsflügel, das nicht zu gewinnen war.

Partie: 13 Gukesh – Ding 0,5 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Gleichstand vor der letzten Partie und der Titelverteidiger hat Weiß. Ding kommt gut ins Spiel und übt Druck aus. Aber er möchte die Partie ins Remis abwickeln und opfert dafür einen Bauern. Mit je einem Turm und gleichfarbigen Läufern hat Gukesh drei gegen zwei Bauern am Königsflügel und versucht zu gewinnen. Und tatsächlich versagen Ding die Nerven, im 55. Zug ermöglicht er eine Abwicklung ins Bauernendspiel und das ist für Gukesh gewonnen.

Partie 14: Ding – Gukesh 0:1 Nachbericht mit GM Magnus Carlsen und IM Levy Rozman

Vorbericht bei Chessbase

Vorbericht Ding Liren
Vorbericht Gukesh
Magnus Carlsen & Co über den WM-Kampf

Pressekonferez am 23.11.
Eröffnungsfeier am 23.11.

Related Images:

Comments are closed.