Bezirksliga 2a – 6.Spieltag

Posted by Mattias Birkner in Allgemein, Saison 24/25 | Kommentare deaktiviert für Bezirksliga 2a – 6.Spieltag

Mit einer knappen 3,5:4,5 Niederlage endete für unsere zweite Mannschaft der 6. Spieltag der Bezirksliga 2a gegen den leicht favorisierten SC Heilsbronn 1951. Der alte Meister André Philidor („Die Bauern sind die Seele des Schachspiels“) hätte seine Freude an den Partien gehabt, und unter das Bauern-Seelen- Motto kann man die entscheidenden Partien den Wettkampfs auch stellen. Und weil dieser Beitrag kein schnödes Runterbeten der Ergebnisse sein soll, werden wir die lehrreichsten Momente aus Sicht der Bauernseele genauer betrachten.

Nach 2:30 Stunden musste unser Andi Hierl an Brett 1 die Waffen strecken, nachdem er frühzeitig einen nicht offensichtlichen Fehler begangen hatte, der dem Gegner einen starken Freibauern auf der c-Linie einbrachte.

Die schwarze Bauernstruktur ist schon verdächtig labil mit
den zwei rückständigen Bauern c6 und e6. Das natürliche
Rückschlagen 15..Sxe4?? ist schon der Verlustzug, weil nach
16.cxd5 nicht Zurückgeschlagen werden kann
(es droht 17.Dc6 mit Läufergewinn).

0:1 gegen uns. Praktisch zeitgleich musste Ersatzmann Philipp Kaufmann (Brett 8) aufgeben, weil er kompensationslos einen Springer verlor, woran die Bauern gänzlich unschuldig waren. 0:2.

Nach 3 Stunden folgte der umjubelte Sieg von Winnie Weber (Brett 2) – sein erster Sieg für die zweite Mannschaft. Winnie konnte seine 4-gegen-3 Bauernmehrheit am Damenflügel in Bewegung setzen und den Gegner genüsslich zerquetschen. 1:2

Mit dem Raumvorteil der Bauernmajorität am D-Flügel war
Winnies Plan: Tc3-a3-a6 ,dann a- und d-Bauern schieben bis ein
Freibauer entsteht. Mittlerweile war Schwarz auch damit beschäftigt,
den weißen Läufer von der wichtigen Diagonale h2-b8 abzuhalten.

Es folgten zwei sichere Remisen von Thomas Hummel (Brett 6) und Ivan Krushevsky (Brett 5). 2:3.

Nach gut 4 Stunden punktete Paul Neppert (Brett 7), nachdem sein Gegner die Gefahr von Pauls 3-gegen-2-Bauernmehrheit nicht vorausahnte und aktives Gegenspiel vermissen ließ. 3:3.

Eigentlich sollte die Stellung halten mit 38.Tc3 oder Td3.
Aber anstatt aktiv zu spielen, erlaube Weiß Paul die Bildung eines
Freibauern, der den Sieg einbrachte. Man beachte, dass in der
abgebildeten Stellung der weiße Läufer nicht ziehen kann wegen Tf2 Matt.

Die unrühmliche Rolle des Züngleins an der Waage blieb leider an mir hängen (Brett 4). Nachdem mein Gegner die eigene Königsstellung durch kühne Bauernvorstöße gelockert hatte, und bei heterogenen Rochaden hätte es nur noch eines „sprühenden Funkens“ in die „gludernde Lot“ bedurft, um ein Inferno heraufzubeschwören.

Ziemliches Chaos bedarf in der Regel sofortiges Handeln. Mit 20. h4!
wäre Schwarz in schweres Fahrwasser gekommen, das auch ein
Bauerngewinn auf g4 oder selbst die Gabel auf f2 nicht kompensiert hätte.
Stattdessen überdeckte Mattias mit 20. Tdg1? hasenfüßig den Bauern g4….
… und auch nach dem schwarzen Konter 22…b5 wäre nach 23.cxb5
noch alles ok gewesen. Aber in einem Anflug von Wahnsinn schlug
ich mit 23.dxc6??, wonach mit 23…bxc4 alles zusammenfällt, weil der
Bauer wegen der Gabel d5 nicht zurückgeschlagen werden kann,
und eine drohende Bauernwalze nichts Gutes verspricht. Ich opferte
dagegen mit 24.Sd5 eine Figur in der vergeblichen Hoffnung auf Gegenspiel.

Mattias schleppte das Spiel in der Hoffnung auf ein wundersames Dauerschach mit dem Turmpaar lange hin, bis Weiterspielen sinnlos und peinlich war. 3:4. Mit diesem ersten Punktverlust in der Saison bleibt dem Berichterstatter immerhin der von der Schachjugend angedrohte Ehrentitel „Goldopa“ erspart (in Anlehnung an unseren „Goldjungen“ Noah Lehner), ein Titel, dessen Bürde ich gerne getragen hätte.

Blieb im Rennen nur noch der zweite „Opa“ F.X. Beer (Brett 3), der die ganze Partie über einen schweren Stand hatte und gegen eine aktive Damen/Läufer-Combo zu kämpfen hatte, so dass er zwischenzeitlich seinen Läufer für zwei Bauern und einen Freibauern opferte. Die Stellung war eigentlich „dead lost“, hätte sein Gegner mit einem Mehrbauern nur eine Grundregel des Bauernendspiels beherzigt: ein Randbauer ist immer Remis.

Hier entschloss sich Weiß unerkläerlicherweise zu 58.g4??.
Nach dem Tausch und dem Tausch von e- und f- Bauer verbleibt
nur der h-Bauer, der immer Remis ist. Stattdessen hätte der
weiße König die lange rote Route nehmen sollen (nach der h-Bauer
mit g3 gedeckt ist). Der schwarze König könnte dann seine Bauern
wegen des h-Freibauern nicht verteidigen.

Mit diesem glücklichen Remis zum Abschluss war also der 3,5:4,5 Endstand besiegelt, und wir sind weiterhin im Mittelfeld der Liga unterwegs. Am nächsten Spieltag könnte gegen den Vorletzten Büchenbach/Roth ein wichtiger Schritt zum Klassenerhalt gelingen.

Bezirksliga 2a

Related Images:

Comments are closed.