Mit einer Veränderung zur Vorwoche – Kevin Beesk ersetzte Christian Junker – traten wir am zweiten Spieltag an, der beim SV Lauf ausgetragen wurde. Da wir in den ersten drei Runden überraschend ungeschlagen geblieben waren, wollten wir den Klassenerhalt trotz der starken Konkurrenz möglichst schnell in trockene Tücher bringen.
Zunächst ging es gegen den Gastgeber (Schnitt 1971) und es sah lange Zeit sehr gut aus. Kevin brachte uns mit einem schönen Erfolg inklusive Damenopfer gegen Andreas Zach in Führung und auch im Duell zwischen Martin und Oliver Puschak waren die Vorteile auf Neumarkter Seite. Vorne stand Sebastian die ganze Partie über etwas gedrückt, bekam aber nach dem Abtausch aller Türme mit zwei unscheinbaren Angriffszügen auf einmal die Möglichkeit ein durchschlagendes Figurenopfer anzubringen, das vier Bauern brachte und letztlich auch die Figur zurück. Leider fand Sebastian in Zeitnot nicht die besten Züge und musste obendrein permanent die gegnerischen Drohungen mit Dame und Läuferpaar im Auge behalten. Mit Müh und Not fand er auf eine gegnerische Attacke gerade noch eine Möglichekit die Damen vom Brett zu bekommen (allerdings war beiden Spielern entgangen, dass Sebastian seine Dame einfach mit Schach hätte wegziehen und dann die gegnerische schlagen können…), stellte dann aber mit einem Katastrophenzug einen wichtigen Bauern ein. So blieb beiden Kombattanten je ein Freibauer sowie eine Leichtfigur um den gegnerischen zu stoppen – ergo remis. Der vergebene halbe Punkt war umso ärgerlicher, da Martin im Turmendspiel seine vielversprechende Stellung sogar noch verlor und Wolfgang am Ende dem Freibauernpaar von Friedrich Hanisch nichts mehr entgegenzusetzen hatte.
Nach der ärgerlichen Niederlage wartete der Vorjahresmeister SK Herzogenaurach (Schnitt 1996) auf uns. Martin übernahm gegen Helmar Bock im Mittelspiel die Initiative und diesmal verwertete er seinen Vorteil ohne Schnörkel. Trotz der Führung im Rücken kam kein Neumarkter Punkt mehr hinzu. Sebastian wusste nicht so recht wie er sich gegen Stefan Sattler aufbauen sollte und brachte sich nach einem positionellen Klops in eine Stellung ohne eine einzige aktive Figur. Mit einem Figurenopfer und folgendem Rückgewinn per Abzugsangriff versuchte er sich zu befreien, doch das kostete letztlich doch einen Bauern. Da Weiß auch weiterhin wesentlich aktiver stand, kam bald ein zweiter Bauer dazu und die Stellung war aufgabereif. Kevin hätte mit dem richtigen Springerschlag seinen Gegner Reinhard Walther vor Schwierigkeiten stellen könne, doch so musste er sich am Ende genauso geschlagen geben wie Wolfgang Martin Glitz.
Mit dem Spitzenreiter SK Schwanstetten (Schnitt 1990) wartete danach der nächste Hochkaräter auf uns. Kevin erspielte sich gegen Lothar Cipra materiellen Vorteil, musste aber aufgrund von Zeitnot ins Remis einwilligen. Martin und Wolfgang verteidigten sich gegen Frank Manthey bzw. Christian Kroneder zäh und hielten ebenfalls das Unentschieden. Nun lag es an Sebastian, der in Michael Arlt ausnahmsweise mal einen Gegner unter 2000 hatte. Mit dessen Eröffnung kam Sebastian nicht so zurecht: auf der Suche die anfängliche Passivität auszunutzen verbrauchte er viel zu viel Bedenkzeit. Als Schwarz zu kontern drohte, probierte Sebastian es mit einem riskanten Zug aus dem Bauch heraus gespielt (laut Computer tatsächlich der Stärkste), damit auch sein Gegenüber mal nachdenken musste. In der folgenden Schlagvariante hätte Sebastian tatsächlich vorteilhaft herauskommen können, fand in beginnender Zeitnot aber nicht die besten Züge. Das entstandene Turmendspiel bewertet der Computer ausgeglichen, ob es mit 1,5 gegen 5 Minuten auch zu halten gewesen wäre ist aber eine andere Frage. Den Turmtausch anzubieten war aber definitiv die schlechtere Alternative, denn das Bauernendspiel war verloren und nachdem ein letzter Durchbruch-Trick durchschaut wurde, hisste Sebastian die weiße Fahne.
Nach drei Niederlagen ensuite war der Klassenerhalt nochmal in Gefahr geraten. Zwar hatte unser Abschlussgegner SK Rothenburg nur einen Punkt auf dem Konto und konnte uns nicht mehr einholen, aber der SK Nürnberg 1911 war uns bis auf einen Punkt nahegerückt. Also war ein Sieg eigentlich Pflicht und tatsächlich hatten wir sogar mal knapp den besseren Schnitt (1821:1793). Allerdings muss man dabei bedenken, dass Julian Shen auf Brett vier wesentlich besser als seine aktuelle Zahl spielen kann. Dies bekam Kevin dann auch zu spüren, der diesmal von Anfang an nicht in die Partie fand und nach eigener Aussage einfach schlecht spielte. Mit großem Kampfgeist rettete er sich noch ins Remis. Genau wie Kevin hatte sich auch Sebastian die schlechteste Leistung für die letzte Runde aufgehoben. Gegen Ottmar Zeltner vertauschte er in der Eröffnung die Varianten und spielte ab Zug 5 mit einem Minusbauern. Deshalb versuchte er jedem weiteren Abtausch aus dem Weg zu gehen, was die Sache nur noch schlimmer machte. Sein Gegner bekam eine komfortable Angriffsstellung und konnte sich sogar den Luxus eines Qualieinstellers erlauben ohne dass es sich bemerkbar machte. Sebastian kämpfte zwar verbissen, aber letztlich brach seine Stellung auseinander. Dafür hatte Wolfgang gegen Marianne Diller zwei Mehrbauern und verwertete diesen Vorteil problemlos. Die Entscheidung musste nun die Partie zwischen Martin und Peter Diller bringen: Martin hatte zwei Figuren für einen Turm, dafür stand sein König unsicher. Einziger Trumpf war eine Mattdrohung auf b7, die Peter im Auge behalten musste. Deshalb bot Martin mit 50 Sekunden gegen 1:40 remis. Das Angebot wurde abgelehnt, doch nach einigen Zügen hatte Martin auf einmal 39:32 Sekunden. Die Stellung war schwierig und leider inverstierte Martin nicht nur 20 Sekunden, sondern wählte auch noch eine fehlerhafte Variante, so dass wir auch diesen Wettkamof 1,5:2,5 abgaben.
Da zeitgleich 1911 dem neuen Meister SK Schwanstetten überraschend ein 2:2 abgetrotz hatte, waren wir mit den 11ern punkt- und brettpunktgleich. Doch da wir immerhin einen Wettkampf gewonnen hatten (gleich in der ersten Runde gegen die nominell stärkste Mannschaft Postbauer) und 1911 gar keinen, rangieren wir in der Endtabelle auf Rang sechs. Da im Normalfall nur ein Team absteigt (dies richtet sich nach den Absteigern der Landesliga im September) sollte dies zum erneuten Klassenerhalt gereicht haben.
Einzelbilanzen: Mösl 2,5/7, Simon 3/7, Brunner 4/7, Junker 0,5/3, Beesk 2/4
Auch in der Pegnitz-Zeitung sind die Neumarkter zu finden.