Lorenz Schilay gewinnt 1.Wittelsbacher Weihnachts-Online-Open!

Posted by Sebastian in Online-Schach | Kommentare deaktiviert für Lorenz Schilay gewinnt 1.Wittelsbacher Weihnachts-Online-Open!

Seit acht Jahren findet zwischen Weihnachten und Neujahr das Wittelsbacher Weihnachts-Open in Kelheim statt. Diesmal gab es den Umständen geschuldet eine besondere Ausgabe, das 1.Wittelsbacher Weihnachts-Online-Open. 96 Teilnehmer traten im KO-Modus an, wobei zunächst zwei Schnellschach-Partien mit 10+5 gespielt wurden. Im Falle eines 1:1 folgten zwei Blitzpartien 3+2, bei erneutem Unentschieden stand 1+0 Bullet bis zur ersten Gewinnpartie auf dem Programm. Ausgeschiedene Spieler hatten in drei Arena-Turnieren (3+2) die Möglichkeit sich mit einem Sieg zurück ins Turnier zu spielen.

Unter den 96 Teilnehmern befand sich Lorenz Schilay (#15 der Setzliste), der in Runde eins mit Christoph Eichinger (DWZ 2241) gleich auf den Setzlistenzweiten traf. Doch Lorenz kam in der ersten Partie zu einem druckvollen Königsangriff mit Dame und Läuferpaar und ging in Führung. In Partie zwei eroberte er per Ausschalten der Verteidigung entscheidendes Material und zog somit mit 2:0 in die zweite Runde ein.
Dort wartete mit Maximilian Lohr ein Top-50 Schnellschachspieler auf Lichess. Wiederum war Lorenz taktisch auf der Höhe und ging mit zwei Mehrbauern ins Endspiel, wo sich sein verbundenes Feribauernpaar durchsetzte. In der zweiten Partie brachte Maximilian ein aktiver Königszug in Schwierigkeiten, wonach Lorenz mit tempo zu einer Fesselung kam, die ihm eine Figur für zwei Bauern einbrachte. In Zeitnot gelang es Lorenz bis auf ein Bauernpaar und ungleichfarbige Läufer alles vom Brett zu bekommen und qualifizierte sich mit dem resultierenden Remis für die nächste Runde.
Hier ging es gegen Manuel Kues und Lorenz konnte erneut in Führung gehen, nachdem er die Königsstellung geöffnet und den Monarchen über das halbe Brett gejagt hatte. Doch diesmal konnte Lorenz den Vorsprung nicht konservieren, da er im T+S-Endspiel einen Bauern verlor und die weißen Figuren im Anschluss über seinen König herfielen. In den Blitzpartien dasselbe Bild: Lorenz ging in Führung, Manuel gelang der Ausgleich. Somit musste Bullet die Entscheidung bringen und Lorenz war die ganze Partie über auf der Uhr unter Druck mit konstant um die zehn Sekunden Rückstand und letztlich war die Zeit abgelaufen.
Dank des Formats war das Turnier für Lorenz aber nicht vorbei. Während sich die zwölf Sieger der dritten Runde sowie die beiden Qualifikanten aus den Arenen 1 und 2 in Runde vier um den Einzug ins Viertelfinale duellierten, kämpfte Lorenz mit neun anderen Spielern in Arena 3 um den letzten Platz im Viertelfinale. Nach einer Stunde 3+2 hatte Lorenz mit sieben Siegen und zwei Niederlagen das Turnier mit 14 Punkten für sich entschieden und damit einer der acht Viertelfinalisten.
Der Gegner im Viertelfinale hieß Robert Wagner, der auf seinem Weg in acht Partien nur zwei Unentschieden abgegeben hatte. Doch Lorenz setzte seine Serie der gewonnenen ersten Partien fort: er wehrte den Bauernangriff auf seine Rochadestellung ab und behielt im folgenden taktischen Gemenge die Übersicht. In Partie zwei war Lorenz ebenfalls auf Kurs mit besserer Stellung und deutlichem Zeitvorteil. Aber beides entglitt ihm und als beide unter 30 Sekunden angekommen waren, fand sich Lorenz in einem Turmendspiel mit zwei Minusbauern wieder. Dies bedeutete zwei Blitzpartien, wobei Lorenz in der ersten im Schwerfigurenendspiel Druck auf den rückständigen c3-Bauern machte, in Zeitnot aber den möglichen Bauerngewinn übersah und die Züge wiederholte. Im Anschluss gewann Lorenz früh einen Bauern und Robert war bald unter zehn Sekunden angekommen. In seiner Zeitnot gelang es Lorenz seine Dame zu fangen und Robert musste das Handtuch schmeißen.
Im Halbfinale kam es zum erneuten Aufeinandertreffen mit Manuel Kues und der Matchverlauf war zunächst wie derjenige in Runde drei. Lorenz hatte in Partie eins ein angenehmes Endspiel erreicht wo sein Läuferpaar stärker war als die Kombination L+S. Mit einem taktischen Trick eroberte er einen Bauern, schuf sich einen Freibauern und wickelte in ein gewonnenes Bauernendspiel ab. In der zweiten Partie kam Lorenz gut aus der Eröffnung und nannte wiederum das Läuferpaar sein eigen. Aber Manuel setzte ihn mit seinen Springern unter Druck, so dass Lorenz viel Bedenkzeit verbrauchte. Er setzte zum Gegenspiel am Damenflügel an und gewann auch einen Bauern, doch gab er eine Quali für einen weiteren Bauern, da der einzige Zug der die Springerdrohungen abwehrte schwer zu finden war. Die Engine zeigte Ausgleich, aber wenn man weniger als eine Minute in einer komplizierten Stellung mit materiellen Ungleichgewichten hat, passiert das, wovor auch die Top-GMs nicht gefeit sind: es unterlaufen einem Fehler und die Verteidigung brach auseinander. Dies bedeutete erneut zwei Blitz-Partien zwischen den Beiden und Lorenz ging wie in Runde drei in Führung. In der Eröffnung opferte er einen Bauern und sein Angriff brachte eine Quali sowie einen Mehrbauern ein. Im Gegensatz zum vorherigen Duell konnte Manuel diesmal nicht zurückschlagen. Lorenz nutzte seine L-D-Batterie auf der langen Diagonale für den entscheidenden taktischen Schlag und zog damit ins Finale ein.
Sein Gegner dort war der topgesetzte Tobias Kolb (DWZ 2261), der in letzter Zeit sowohl am Brett als auch online starke Resultate erzielt hatte und Ende Oktober in Willingen Deutscher Vize-Meister in der U16 geworden war. Tobias musste nur in Runde zwei eine Niederlage hinnehmen und in den Blitzentscheid, gewann ansonsten alle Duelle mit 2:0. Doch die erste Partie hatte kaum begonnen, da hatte Lorenz schon das Kunststück geschafft auch im sechsten Duell Partie eins für sich zu entscheiden, nachdem Tobias in der Eröffnung eine Figur eingebüßt hatte. In Partie zwei hatte Lorenz wieder Mal das Läuferpaar und machte damit Druck auf die gefesselten Springer. Doch dann gab er beide Läufer für die Springer, weil er dachte dass sein Springer dem gegnerischen Läufer überlegen sei. Allerdings büßte er genau wegen diesem agilen Läufer einen Bauern ein und musste in ein Turmendspiel mit Minusbauer und passiven Figuren gehen. Dort spielte Tobias mit wenig Bedenkzeit auf der Uhr den ein oder anderen ungenauen Zug und Lorenz schaffte es seinen Turm zu aktivieren und gerade rechtzeitig Gegenspiel zu kreieren. Am Ende kam der letzte Bauer von Tobias durch und Lorenz musste seinen Turm geben, da aber auch sein letzter Bauer kurz vor der Umwandlung stand, blieben nur die blanken Könige übrig. Damit hatte Lorenz das gut besetzte und hervorragend organisierte Turnier gewonnen – starke Leistung!

Turnierseite

Im Halbfinale und Finale gab es eine Live-Übertragung kommentiert von Constantin Blodig und GM Leon Mons.

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