Nach der Premiere im Vorjahr richtet die FIDE auch 2021 eine Online Olympiade aus, die vom 20.August bis 15. September mit 153 Nationen stattfindet. Die Teams wurden in vier Divisionen aufgeteilt, wobei die besten Drei sich für die nächst höhere qualifizieren können. Aufgrund des Einzugs in die Preliminary round 2020 war Deutschland für die Top Division gesetzt und tritt nun vom 8. – 10.September in Pool C an. Gegner sind Israel, Argentinien, Italien, Spanien, Russland, Ukraine, Tschechien, Paraguay und Lettland – die ersten Beiden qualifizieren sich für das Viertelfinale. Gespielt wird an sechs Brettern, wobei immer zwei Frauen, ein U20-Spieler und eine U20-Spielerin dabei sein müssen, mit eine Bedenkzeit von 15+5. Die erste Runde beginnt jeweils um 16h.
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Partien auf Lichess
Es war ein schwerer erster Tag für das deutsche Team. Zwar konnte man sich zum Auftakt dank der beiden Erfolge auf den Jugend-Brettern etwas glücklich gegen Spanien mit 4:2 durchsetzen. Doch danach gab es gegen Top-Favorit Russland – mit Dubov, Artemiev, Goryachkina, Kosteniuk, Esipenko und Shuvalova – ein deutliches 0:6, wobei es an drei Brettern in der Zeitnotphase munter hin und her gegangen war. In Runde drei folgte das wohl mit vorentscheidende Duell um die Quali für das Viertelfinale gegen die ebenfalls topbesetzte Ukraine, die gegen Russland mit 1,5:4,5 den Kürzeren gezogen hatte. Rasmus Svane erspielte sich gegen den Weltklassemann Anton Korobov eine ausgezeichnete Stellung, verlor aber aufgrund von Verbindungsproblemen komplett den Faden und musste sich geschlagen geben. Sarah Papp und Lara Schulze quittierten ebenfalls eine Niederlage, dafür konnte Alexander Donchenko den Angriff seines Kontrahenten erfoglreich kontern. Elisabeth Pähtz und Frederik Svane gelang es sich aus schwieriegen Stellungen zu befreien und hatten Gewinnchancen, doch es kam nur noch ein Remis von Pähtz auf die Habenseite.
Tag zwei brachte drei Erfolge für das deutsche Team. Zunächst wurde Lettland mit 4:2 bezwungen, danach Tschechien mit 5,5:0,5 und zum Abschluss Paraguay mit 6:0. Damit kletterte Deutschland auf den dritten Rang, muss morgen alle Wettkämpfe gewinnen und auf einen Ausrutscher der Ukraine hoffen.
Eine Top-Performance des deutschen Teams am dritten Tag reichte leider knapp nicht. Nach einem 4:2 gegen Israel, folgte ein 5,5:0,5 gegen Argentinien sowie ein 5:1 gegen Italien. Da sich aber die Ukraine mit einem 3:3 gegen Italien sowie einem 3,5:2,5 gegen Spanien ins Ziel schleppte, reichte es als Dritter mit 14:4 Punkten nicht zur Qualifikation für das Viertelfinale.
Im Vorjahr hatte Gruppenplatz drei noch für die Playoff-Phase gereicht, da nur die Gruppensieger direkt ins Viertelfinale einzogen, während die Zweit- und Drittplatzierten deren Gegner ermittelten. Mit Titelverteidiger Russland war die Favoritenrolle auf den Gruppensieg klar vergeben und Russland demonstrierte seine Stärke mit neun souveränen Siegen. Das Duell mit Vorjahres-Viertelfinalist Ukraine entschied dann wie erwartet das Rennen um Rang zwei. Trotzdem kann Deutschland auf ein starkes Turnier zurückblicken, sieben Siege in diesem Feld sind alles andere als selbstverständlich und die Tatsache, dass man trotz der 1,5:4,5 Niederlage im direkten Vergleich am Ende zwei Brettpunkte mehr als die Ukraine hatte iste ebenfalls ein Fingerzeig.
Sechs der acht Viertelfinalisten standen schon im Vorjahr im Viertelfinale. Armenien und Aserbaidschan haben es diesmal nicht geschafft, dafür Kasachstan und China.
Viertelfinale:
Kasachstan – USA 1:2 (4:2; 2,5:3,5; 2:4)
Indien – Ukraine 2:1 (4:2; 2,5:3,5; 5:1)
Russland – Ungarn 2:0 (3,5:2,5; 3,5:2,5)
Polen – China 0:2 (1,5:4,5; 2:4)
Im Viertelfinale setzten sich die Favoriten durch. China wurde im Vorjahr von der Ukraine in der Preliminary round aus allen Titelträumen gerissen und wäre diesmal in der Top-Division nach Niederlagen gegen Kasachstan und Armenien beinahe ausgeschieden, hätte der Iran nicht zwei Unentschieden gegen Rumänien und Griechenland abgegeben. Doch jetzt gab es zwei souveräne Siege gegen Polen, die 2020 erst im Armageddon des Halbfinales unterlagen. Russland musste sich erstmals in diesem Turnier strecken, um Ungarn zweimal mit 3,5:2,5 zu bezwingen. Indien war nach einem 4:2 im ersten Match und einer 2,5:0,5 Führung im zweiten schon so gut wie durch, doch dann kippten die Partien und die Ukraine glich aus. Im Gegensatz zum Vorjahr wird beim Stand von 1:1 nicht gleich eine Armageddon-Partie gespielt, sondern erst ein Blitz-Match (3+2). Hier setzte sich Indien dann deutlich mit 5:1 durch. Kasachstan gelang es gegen die USA zwei Partien zu drehen und Match eins mit 4:2 für sich zu entscheiden. Auch in Match zwei hätten sie den Rückstand beinahe noch ausgeglichen, doch die USA erzwang den Blitz-Entscheid. Hier gewannen beide Männer der USA und beide Frauen aus Kasachstan, so dass die Jugend-Bretter den Ausschlag gaben. Dort hatte Kasachstan zuvor alle vier Partien gewonnen, doch nun gingen beide an die USA, was besonders für Bibisara Assaubayeva bitter war, hatte sie zuvor doch alle ihre neun Partien gewonnen.
Halbfinale:
USA – Indien 2:1 (1:5; 4:2; 4,5:1,5)
Russland – China 2:0 (3,5:2,5; 4:2)
Russland setzte seine Siegesserie auch im Halbfinale fort und bezwang China mit 3,5:2,5 und 4:2. Damit war alles bereitet für eine Wiederauflage des Vorjahresfinales, das nach einem Ausfall eines großen Content Delivery Network, von dem ein Großteil der Welt und eben auch Indien betroffen war, abgebrochen werden musste, woraufhin beide Teams als Co-Sieger ausgerufen wurden. Die USA hat im Gegensatz zu den drei anderen Halbfinalisten bei den Herren nicht die Elite am Start und ging als Außenseiter ins Rennen. Trotzdem sah es lange nach Problemen für Indien aus, ehe sich doch der Reihe nach die Favoriten zum 5:1 durchsetzten. In Match zwei neigte sich die Waage sukzessive auf die Seite der USA, beginnend mit einem Fehler von Ex-Weltmeister Viswanathan Anand, der eine Anriffschance seines Kontrahenten übersehen hatte. Damit ging es in den Blitz-Entscheid, den beide schon aus dem Viertelfinale kannten. Auch da nach einer Führung Indiens und einem Rückstand der USA. Zunächst sah alles gut aus für Indien, doch dann häuften sich die Fehler, die ersten drei Bretter gingen allesamt verloren, am Juniorinnen-Brett setzte mit Matt in drei auf dem Brett obendrein die Verbindung aus und die USA zog mit einem 4,5:1,5 ins Finale ein.
Finale:
USA – Russland 0:2 (2,5:3,5; 2,5:3,5)
Es hat nicht viel gefehlt und die USA hätten auch gegen den nächsten Favoriten etwas holen können. Doch letztlich setzte sich Russland zweimal mit 3,5:2,5 durch und verteidigte damit den Titel. In 15 Wettkämpfen gab es 15 Siege, eine beeindruckende Performance.

