Wenn man dem „Liga-Orakel“ (Auf- und Abstiegsprognose bis in niedere Ligen aller Landesverbände) glauben konnte, war für unsere Begegnung mit der 5.Mannschaft von Noris-Tarrasch Nürnberg kein großer Kampf zu erwarten, da wir den Klassenerhalt schon gesichert hatten und NT 5 bereits sicher abgestiegen war. Kam dann aber doch anders.
Nach gut 2 Stunden endete zunächst die Partie von Winfried Weber (Brett 2) mit einem Remis. In einem Franzosen konnte er aus der Eröffnung nichts rausholen und verfolgte zunächst den falschen Plan. Als schließlich die ersten Figuren ausgetausch waren und sich der Pulverdampf verzogen hatte, waren beide des Kämpfens müde und vereinbarten Frieden. 0,5:0,5
Es folgte ein souveräner Sieg von Ivan Krushevsky (Brett 5), der seine Figuren schnell entwickelt hatte und den Gegner einzuschnüren drohte. Dieser sah sich zu einem
„Befreiungs-„Bauernopfer gezwungen, nach dem Ivan das Läufer-Springerendspiel mit Mehrbauer souverän herunterspielte und den Sieg einfuhr. 1,5:0,5
Unserem Mannschaftkapitän F.X. Beer gelang es gleich darauf die Führung auszubauen, nachdem seine Gegnerin eine Fesselung übersehen hatte und F.X. eine Figur gewann. Die Umwandlung in einen Sieg erfolgte ziemlich problemlos. 2,5:0,5
Unser Christian Junker (Brett 7) hatte sich eine gute aber komplizierte Stellung erspielt mit diversen Fesselungen und Röntgenangriffen. Beim Versuch, die komplizierten Schlagfolgen zu berechnen, kam Christian vom rechten Weg ab und geriet schnell in Nachteil, außerdem ging ein Großteil seiner Bedenkzeit drauf. Im 22. Zug, in ohnehin verlorener Stellung überschritt er dann die Zeit. 2,5:1,5
Nach 3 ¼ Stunden musste etwas überraschend unsere Maria Schilay (Brett 8) die Waffen strecken. Sie hatte früh die Möglichkeit eines günstigen Damentauschs ausgelassen, der ihr entweder einen Mehrbauern oder die bessere Bauernstruktur eingebracht hätte. Stattdessen manövrierte Sie ihren Springer auf das entlegene Randfeld h3, von wo er es nicht mehr lebend zurück schaffte. 2,5:2,5
Blieben noch die Partien von Andi (1), Mattias (4) und Thomas (6) mit unklarem Verlauf.
Mattias hatte es mit dem Noris-Tarrasch-Veteranen Helmut Süß zu tun und behandelte die Anfangsphase ziemlich mies. Schließlich ergriff er die „Chance“, zwei Figuren für einen Turm und zwei zentrale Bauern zu geben, eine äußerst zweifelhafte Entscheidung, verließen doch drei seiner aktivsten Figuren das Brett und was blieb, war ein jämmerliches Häufchen. Obwohl Mattias Stellung objektiv verloren war, gelang es seinem Gegner nicht, den entscheidenden Schlag zu finden (der immer mit einem Opfer verbunden war). Allmählich stabilisierte sich Mattias Stellung und als sich am Ende Weiß doch zu einem Figurenopfer entschied, konnte ein „Gegenopfer“ jede Hoffnung des Weißen zerstören. 3,5:2,5
Für Thomas Hummel (Brett 6) ging es an diesem letzten Spieltag tatsächlich um etwas: den Spitzenplatz in der Bestenliste der Liga zu verteidigen! Außerdem war 125-jähriges Club-Jubiläum, was für weitere Motivation gesorgt haben dürfte (obwohl der Club nicht unbedingt für seine große Kampfmoral gefeiert wird). Es entwickelte sich eine typische „Hummel-Partie“, die er bis zum Ende kneten kann. (Man kann mitunter den Eindruck haben, der Thomas fühlt sich erst dann wohl, wenn einer seiner Springer kein Feld mehr hat.) In einer an sich geschlossenen Stellung gelang es Thomas eine Linie gegen den gegnerischen König zu öffnen. Den folgenden fatalen Dameneinbruch hätte der Gegner zwar einfach verhindern können, verfiel aber der Verlockung eines scheinbar gefährlichen Bauernvorstoßes und konnte schließlich das Matt nicht mehr verhindern. 4,5:2,5
Damit hat Thomas Hummel mit sagenhaften 7,5 aus 9 den ersten Platz der Liga-Bestenliste mit 1,5 Punkten Vorsprung verteidigt!!!
Unser Jungstar Andi Hierl (Brett 1) kämpfte zum Schluss noch gegen die Noris-Tarrasch- Jungstarin Nese Albayrak und ein für sein Kaliber ziemlich unerklärlicher Fehler kostete im Mittelspiel eine Figur, weil das Zurückschlagen den fatalen Einfall einer Dame-Turm-Batterie auf der zweiten Reihe bedeutet hätte. Andi schleppte das hoffnungslose Endspiel noch fast 4 Stunden hin (länger als nötig), bevor er schließlich das Partieformular unterschrieb. 4,5:3,5
Mit diesem letztlich verdienten Sieg schließt die zweite Mannschaft die Saison auf dem 5. Platz, punktgleich mit dem Dritten ab. Die beste Platzierung in der Bezirksliga!
Neben Thomas Hummel (7,5 aus 9!) ist das starke Saisonergebnis von Ivan Krushevsky (5 aus 9) gegen starke Gegner hervorzuheben, das mit einem satten DWZ-Zuwachs von 144 Punkten belohnt wird. Eine positive Punkteausbeute aus der Stammmannschaft erzielte außerdem noch meine Wenigkeit (3 aus 4). Neben Thomas und Ivan spielte allein Captain F.X. Beer alle 9 Kämpfe mit. Besonders starke Ersatzspielerleistungen lieferten insbesondere Paul Neppert (3 aus 3) und Christoph Reger (1,5 aus 2) ab.
Bravo, zweite Mannschaft!
