Vereinspokal 2025 – Finale 1

Posted by Mattias Birkner in Allgemein, Saison 24/25, Turniere 24/25 | Kommentare deaktiviert für Vereinspokal 2025 – Finale 1

Mit großen Schritten neigt sich der Vereinspokal dem Ende entgegen und es gibt wieder einige taktische und strategische Leckerbissen zu präsentieren, bevor wir einen Sieger ausrufen können.

Jozef vs. Andi – Verliererfinale 1

Der frischgebackene Deutsche Vize-Schulschachmeister Andi Hierl bekam es mit Jozef Smyk zu tun, einem furchteinflößenden Gegner, wenn man gerade eine anstrengende Schulschachwoche hinter sich hat, und dann auch noch das Neumarkter Frühlingsfest ruft. Andi kam etwas müde aus der Eröffnung und übersah prompt einen taktischen Schlag, der einen wichtigen Bauern verlor:

Nach Andis 11.Sbd7?? gewinnt 12. Sxc6! den Bauern, weil
Jozef für den Springer den Läufer auf c7 erhält.

Das Spiel plätscherte noch bis zum 20. Zug vor sich hin, wo dann der taktische Knockout erfolgte:

Die Dame ist in einer prekären Lage und
nach 20. b4! muss der Sc6 die Deckung des
Feldes a4 aufgeben, wonach dann nach 21.Sa4
die Dame kein Fluchtfeld mehr hat. Einzig
das Läuferopfer Lxf3 oder das Springeropfer a6

könnte der Dame noch ein Fluchtfeld verschaffen.

Andi war hier des grausamen Spiels müde und zog das Frühlingsfest der Agonie vor.

Winfried vs. Jozef – Verliererfinale 2

Jozef kam also eine Runde weiter und traf dann auf Winfried Weber, der im kleinen Gewinnerfinale dem Finalisten und Vorjahressieger Lorenz Schilay unterlegen war.

Nach einem verwickelten Mittelspiel erreichten sie bereits bei Zug 30 eine Stellung mit Endspielcharakter, wo sich Jozef die erste taktische Chance bot:

Wie hätte Jozef nach 30. Lb4?? entscheidenden
Vorteil erringen können?
Die Gabel 30..Sd3+ gewinnt entweder den Lb4
oder nach 31.Sxd3 Txg2+ den Tc2.

Jozef zog hier allerdings 30..Ne4+?

Winnies Figuren standen passiv und unkoordiniert Jozefs bedrohlichem Truppenaufmarsch gegenüber und um ein Haar wäre auch hier ein taktisches Ende möglich gewesen:

Au weia! Mit 40. b4 wollte Winnie seinem König
ein Fluchtfeld auf b3 verschaffen und den La3
durch den Turm überdecken.
mit 40…c4! hätte Jozef aber den Sack zumachen können
,
weil Weiß keinen sinnvollen Zug mehr hat.
Z.B. würde 41.Kb1 nach 41..Td3! eine Figur verlieren,
weil nach Turmtausch der Läufer und der Springer hängen.

Jozef spielte hier 40..Lxf3?? und verpasste die Chance.

Jozef gewann im Anschluss zwar noch zwei Bauern, dafür konnte Winnie Läufer und Turm aktivieren:

Trotz zwei Minusbauern droht Weiß hier unangenehm 49.Te7+.
Mit 48..Te2! (nach Txe2 folgt die Gabel Sc3+ mit gewonnenem Endspiel)
hätte Jozef hier Winnies Turm auf das passive Feld f3 zwingen können und
danach mit Te5 den Bauern b5 abholen können.
Jozef zog hier jedoch 48..Sc5?? und nach Lxc5 bxc5 Ta3
fällt auch noch der Bauer a7 und Weiß erhält den
Freibauern auf der b-Linie.

Das resultierende Turmendspiel war für keine Seite mehr zu gewinnen und das Remis logisch. Im anschließenden Tiebreak nutze Jozef seine Chancen souverän und entschied das Blitz-Minimatch mit 2:0 für sich.

Jozef vs. Lorenz – großes Finale 1

Jozef hatte also einen Lauf und konnte somit im großen Finale („Brett 2 gegen Brett 3“ der ersten Mannschaft) antreten. Es ist bekannt, dass Lorenz gerne mal zu unkonventionellen Mitteln greift, aber sein zweiter Zug 2…f5, war dann so „komisch“, weil er als Schwarz riesige und dauerhafte schwarze Felderschwächen in Kauf nimmt, dass man sich fragen musste, ob da mehr dahintersteckte.

Tatsächlich entpuppte sich 2..f5 als früher Fanfarenstoß zum Königsangriff, der auch bald ziemlich bedrohlich aussah.

Die dreifache Schwerfigurenbatterie hätte
Jozef hier mit 23.Le5! (und ggf. Ld6) verhindern können.
Stattdessen verhinderte Jozef mit 23.Lc2 den Vorstoß des e-Bauern,
wonach die Sicherheit des weißen Königs aber nach wie vor bedroht ist.

Vielleicht gehört zu den schwierigsten Augenblicken im Schach (wie im Leben) der Moment, wo man erkennen müsste, dass ein Plan nicht aufgeht und man sich besser umorientiert („Jeder hat einen Plan, bis er eins auf die Fresse kriegt.“ – Mike Tyson, Box-Weltmeister).

So warf Lorenz alles in die Schlacht, obwohl sich abzeichnete, dass die bereits aussichtslos war:

26…Dh3 schaut gefährlicher aus, als es ist.
Nach 27.fxe4 ist der neuralgische Punkt g3
von Dame und Läufer überdeckt und sicher
und der weiße Gegenangriff kann über die f-Linie starten.

Man muss zu Lorenz Verteidigung sagen, dass er hier auf den letzten Sekunden seiner Bedenkzeit „blitzte“, und so war es kein Wunder, dass das Ende mit einem Paukenschlag folgte:

Den weiteren Vormarsch des f-Bauern konnte nur 34…Le6 stoppen
aber nach 35.h3! kann die Dame nicht mehr gleichzeitig Läufer
und Turm decken und der Vorhang fällt.

Mit diesem Sieg ist Jozef zwar noch nicht Pokalsieger, weil im Doppel-KO-System jeder Teilnehmer einmal verlieren darf, bevor er ausscheidet. Dies war aber Lorenz erste Niederlage und er bekommt in zwei Wochen ein „Rückspiel“ gegen Jozef, bei dem es dann um den Pokalsieg geht (Jozef hatte bereits in Runde 2 gegen Sebastian Mösl verloren).

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Vereinspokal – die Spannung steigt

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