Törööö!! Trampelt alles nieder – Jojo Hierl siegt zum zweiten Mal mit dem Elephant’s Gambit!
Unter Könnern genießt das Elephant’s Gambit des Schwarzen einen zweifelhaften Ruf, was unseren Jojo nicht davon abhält, in diesem Turnier zum zweiten Mal darauf zurückzugreifen. Das tückische an solchen anrüchigen Gambits ist zumeist, dass wer damit konfrontiert wird, die gemeinen Fallen und Hinterhalte sorgfältig umgehen muss, um danach mit angenehmer Stellung weiterzuspielen. Unserem jungen Schachfreund Ivan Krushevsky gelang das nicht, und er plumpste gleich bei erster Gelegenheit in die Grube:

Upps! Zwei Figuren angegriffen, so dass Ivan am Ende nur 2 Bauern für die Figur hat, was nur 22 Züge gutging. Töröö! Gut getrötet, Jojo Blümchen.
[Disclaimer: Johannes hat sich eine Schlagzeile über das Elephant’s Gambit gewünscht, das hat er jetzt davon.]
Immer wieder: Brunni’s Endspiele
Nachdem in der letzten Runde bereits das Endspiel zwischen Wolfgang Brunner und Noah Lehner eine längere Diskussion wert war, kam es auch in dieser Runde wieder zu beachtenswerten Situationen gegen Ende des Spiels mit Martin Simon. Das Mittelspiel verlief nicht besonders erfolgreich für Wolfgang und nach Zug 28 fand er sich als Schwarzer in dieser Lage wieder:

Eine unangenehme Situation für Schwarz:
- das weiße Läuferpaar wirkt sehr bedrohlich
- der schwarze Bauer auf b4 ist ein Schwächling und seine Tage sind gezählt.
- Schwarz beherrscht die c-Linie und ein Plan ist, den Turm über c5 nach b5 zu spielen, um den b4 oder den b7 abzuholen.
Ein Schüsselmoment, in dem es sich immer lohnt sich zurückzulehnen und zu fragen wie es weitergehen soll. Schwarz wird auf jeden Fall mit einem Minusbauern weiterspielen müssen, was zunächst mal kein Beinbruch ist, wenn die richtige Figuren- und Bauernkonstellation erreicht werden kann, z.B.
- Wie wird sich der Mehrbauer für Weiß auswirken?
- Möglicherweise als Freibauer auf der a-Linie (nach Eroberung von b4 und Abtausch mit b7)?
- Möglicherweise kann Weiß auch nach Bauerntausch auf f5 im späteren Verlauf einen Freibauern auf der h-Linie bilden?
- Welche Figurenkonstellationen sind denkbar?
- reine Turmendspiele haben trotz Mehrbauern eine hohe Remis-Tendenz (vorausgesetzt, man beherrscht die Technik – verteidige mit dem König das Umwandlungsfeld!), wie auch im letzten Endspiel-Exkurs ausgiebig diskutiert wurde.
- ungleiche Läuferendspiele (jeder hat noch einen Läufer, aber auf Feldern verschiedener Farbe) sind fast immer Remis, weil der Angreifer Blockaden auf den „falschen“ Feldfarben mit seinem Läufer oder König nicht durchbrechen kann.
- Randbauern sind im Endspiel sehr schwer zu verwerten:
- Im Turmendspiel immer Remis, wenn der verteidigende König das Umwandlungsfeld besetzt:
- selbst mit einem Läufer weniger Remis, wenn der König das Umwandlungsfeld besetzt und der „falsche“ Läufer nicht das Umwandlungsfeld kontrollieren kann:
- der Vollständigkeit halber und obwohl es für Brunni’s Partie kein realistisches Szenario ist, sei hier noch gezeigt, wie ein Springer mit Randbauern zurande kommt.
Einen Bauern auf der 6. Reihe kann er alleine stoppen, wenn er die richtigen Felder besetzen kann:
Einen Bauern auf der Siebten kann er u.U. lange genug aufhalten, bis der König kommt:
- Im Turmendspiel immer Remis, wenn der verteidigende König das Umwandlungsfeld besetzt:
Nach diesen Überlegungen erscheint es zunächst mal unverständlich, warum Wolfgang in der obigen Stellung mit 28…Tc8 den Turmtausch anbot, und die Verteidigung potentiell sehr erschwert. Aber es ist zugegebenermaßen äußerst schwierig, den Druck auf der c-Linie einfach auszuhalten und nichts entgegenzusetzen (28…Sd7 wäre besser gewesen). Wie auch immer: Martin hatte in der Folge eine im Grunde gewinnbare Stellung aber im entscheidenden Moment nicht aufgepasst:

Martin hat den h-Freibauern und will gerne auf der a-Linie auch einen. Sein Läuferpaar ist wahnsinnig stark und er darf sich natürlich nicht auf einen Tausch hin zu ungleichen Läufern einlassen. Außerdem beachte man die Farben der Umwandlungsfelder h8 und a8 wegen potentiell „falschen“ Läufern! Hier zog Martin den harmlos ausschauenden Zug 43.Ld3??, was den ganzen Vorteil vergibt, weil er dem König das wichtige Feld d3 nimmt. Was folgt, lässt sich leicht imaginieren. 43..Lc5+
- 44.Kf3? Sd4+ (mit Gabel auf b3!) 45.Lxd4 (ungleiche Läufer! und Weiß hat den weißfeldrigen Läufer übrig, den falschen für den h-Bauern!).
- Falls Weiß 44.Kd2, dann Ld6! mit Angriff auf d4 und Zugwiederholung Ke3 Lc5+…
- Falls 44. Ke2, dann kommt wieder die Gabel Sd4+!
Die Schluss-Stellung mit Friedensschluss ist dann diese:

Der weiße h-Bauer kann nicht gewinnen (falscher Läufer), Sollte Weiß einen Freibauern auf der b-oder a-Linie erhalten, opfert sich der Läufer für den Bauern und es bleibt nur der harmlose h-Bauer.
Kleinholz: Marco vs. Jozef
Im Kampf der letztjährigen Mitfavoriten Marco Holzberger und Jozef Smyk lief es nicht gut für Marco, der anfangs seine Entwicklung vernachlässigt und Jozef zu einem bedrohlichen Aufmarsch verleitet hatte. In dieser Stellung unterlief Marco dann ein fataler Fehler:

Marco spielte hier 13. Sg4?? , und nach dem Tausch auf g4 lässt sich die Öffnung der h-Linie nach …h5 nicht mehr vermeiden und es wird eng für den weißen König. Hätte Marco stattdessen einen ruhigen Zug wie z.B. 13. De3 gemacht, wäre 13….g4 14.h4 gefolgt von g3 gefolgt und die weiße Königstellung bliebe unversehrt wie die Jungfrau Maria.Stattdessen ging es nun schnell bergab. Zum Abschluss ein kleines Rätsel für Taktikfreunde:

Wie hätte Jozef hier einen Zug vor Schluss ein Matt in 5 ankündigen können? (Lösung unten; kleiner Tipp: Gier ist hier nicht angesagt.)
Ergebnisse der 3. Runde

Die drei ausstehenden Partien werden am Dienstag, bzw. Mittwoch nachgeholt.
Die 4. Runde findet am 24.10.2025 statt
Vorherige Runden
Lösung zu Marco vs. Jozef:
1…Th2+! 2.Dg2 Txg2+ 3.Ke3 Sd5+!! 4. exd5 Dh6+ 5. Ke4 Df4#
Falls 1…Th2+ 2.Dxh2 Dxh2+3.Ke3 Dd2#